Berufseinstieg

Mehr Erfolgserlebnisse bei den Technikern

Marietta Türk, 17. Jänner 2011, 16:04
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    foto: apa/bernd thissen

    Technische Studienrichtungen sind das beste Job-Sprungbrett

Studie: Das Geschlecht spielt beim Berufseinstieg weniger eine Rolle als die Studienrichtung - Ganz wichtig ist studienrelevante Berufserfahrung - Schlechte Nachricht: atypische Beschäftigung

Eine Jobsuche ohne Probleme, keine Arbeitslosigkeit, fachspezifische Beschäftigung und eine positive Gehaltsentwicklung - das sind die Variablen, mit denen die Sozialforschungsinstitute Abif (Analyse, Beratung und interdisziplinäre Forschung) und Sora seit 2006 den Berufseinstiegserfolg von Hochschulabsolventen eruiert haben. Absolventen verschiedener Studienrichtungen wurden zwei bis vier Jahre nach ihrem Studienabschluss zu ihrem Berufseinstieg befragt. Die Daten des Endberichts stammen vom Dezember 2010. Das Neue an der Studie ist, dass Daten aus fünf Erhebungswellen so aufbereitet wurden, dass zu bestimmten Punkten Vergleiche über die verschiedenen Studienrichtungen gezogen werden konnten.

Wichtiger Baustein Berufserfahrung

Am besten gelingt der Eintritt ins Arbeitsleben generell dann, wenn Absolventen Berufserfahrung während des Studiums gemacht haben - und zwar am besten in studiennahen, fachspezifischen Tätigkeiten. "Jene, die nur facheinschlägig gearbeitet haben liegen im beruflichen Erfolg vor jenen, die beides machen - facheinschlägige und nicht facheinschlägige Tätigkeiten während des Studiums", weiß Franziska Haydn von Abif. Am erfolgreichsten waren beim Start ins Berufsleben Absolventen technischer Studienrichtungen: Ingenieurwissenschafter, Informationstechniker, bald gefolgt von Naturwissenschaftern, schneiden am besten ab. 

Am negativen Ende der Rangliste tummeln sich Translationswissenschaften, Publizistik, Geschichte und Psychologie. Mehr als 65 Prozent der Publizistikabsolventen kämpfen mit Schwierigkeiten, einen Job zu bekommen. Auch Veterinär- und Humanmediziner stoßen im Vergleich mit den Kollegen technischer Studienrichtungen auf viele Probleme bei der Jobsuche. Abseits der technischen Studienabsolventen geht es den Rechtwissenschaftern relativ gut bei der Jobsuche: 72 Prozent gaben in der Studie an, keine Probleme zu haben.

Atypische Beschäftigung

Der Wermutstropfen: viele Absolventen sind atypisch beschäftigt - auch im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Der neueste Österreichische Arbeitsklimaindex hat ergeben, dass jeder dritte freie Dienstnehmer einen Uni-Abschluss hat. Die freien Dienstnehmer sind damit die am besten gebildete Index-Gruppe. 

Ein ähnliches Bild zeigen Abif-Daten aus dem Jahr 2009: Je nach Studienrichtung arbeitet ein Fünftel bis zu zwei Drittel der Jungakademiker als Volontär, Praktikant, Leiharbeiter, freier Dienstnehmer oder in einem befristeten Dienstverhältnis, als Selbstständiger ohne Gewerbeschein, als Teilzeit - oder geringfügig Beschäftigter. 

Richtung ausschlaggebender als Geschlecht

Der Faktor Geschlecht spiele beim Berufseinstieg so gut wie keine Rolle, heißt es im Studienbericht. Frauen haben laut der Studie zwar "insgesamt eine etwas weniger erfolgreiche Berufseinstiegsphase, haben sie allerdings ein so genanntes MINT-Fach absolviert, sind sie erfolgreicher als männliche Absolventen anderer Studienrichtungen". Als MINT-Fächer werden Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bezeichnet. Allerdings liegt der Frauenanteil in den technischen Studienfächern unter zehn Prozent.

"Auch wenn jetzt die MINT-Absolventen besonders positiv im Vergleich zu den GSK-Absolventen (geistes, - sozial-, und kulturwissenschaftliche Studienrichtungen) dastehen, muss man aber auch bedenken, dass Akademiker grundsätzlich bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben und im Vergleich zu allen anderen deutlich weniger von Arbeitslosigkeit betroffen sind", betont Haydn.

FH und Uni im Vergleich

Ob sich ein FH-Abschluss oder ein Uni-Abschluss günstiger auf die Jobsuche auswirkt, hängt vom Studienfach ab: Abschlüsse in Elektrotechnik oder Maschinenbau brachten bessere Chancen bei der Jobsuche, wenn sie an der Uni absolviert wurden. Umgekehrt ist das Bild bei Informations- und Kommunikationstechnologie.

Grad des Abschlusses

"Überraschend war, dass der Grad (Bachelor, Master oder Doktor PhD) des Studienabschlusses keine signifikante Rolle spielt bei unserem Index für Einstiegserfolg", schildert Haydn. Interessant: PhD- und Doktorats-Absolventen waren sogar etwas weniger erfolgreich beim Eintritt ins Arbeitsleben als Master-, Magister- oder DI-Absolventen. Die Autorinnen erklären dies aber auch damit, dass die Mediziner die erste Gruppe quantitativ dominierten und diese naturgemäß Probleme beim Berufseinstieg hätten. Noch ein interessantes Detail: Ein Großteil der Befragten gab an, dass ihnen frühere Auslandsaufenthalte bisher nicht genutzt hätten. (Marietta Türk, derStandard.at, 18.1.2011)

Siehe

Artikel über akademisches Prekariat auf daStandard.at: Ein Leben mit "Pimperlbeträgen"

Kommentar zum Thema auf dieStandard.at: Mindestens Lohn

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16 Postings
metalwoman
00
22.6.2011, 11:06
PhD- und Doktorats-Absolventen waren sogar etwas weniger erfolgreich beim Eintritt ins Arbeitsleben als Master-, Magister- oder DI-Absolventen.

Als Dr. frisch von der Uni ohne Berufserfahrung (außer Praktika) würde ich mich überqualifiziert fühlen.
Der Bachelor wird hier wieder mal nicht erwähnt und ist in meinen Augen auch keine fertige Ausbildung. In meinem Studium besteht der aus 4 Semestern Grundlagen und 3 Semestern fachspezifische Fächer. Während man letztere erst lernt, soll man am besten schon die Bacc-Arbeit schreiben. Was ist das für ein "Studium", wo man nur schnell, schnell machen soll und kein Platz für vertiefendes Wissen oder gar Allgemeinbildung aus anderen Gebieten ist?

Glaurong
00
19.1.2011, 10:52
Ein Großteil der Befragten gab an, dass ihnen frühere Auslandsaufenthalte bisher nicht genutzt hätten.

Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Sogar negativ kann es einem ausgelegt werden.

In einem Vorstellungsgespräch wurde mir klargemacht, dass durch meine Auslandserfahrung kein roter Faden in meinem Karriereweg zu erkennen sei. Und das obwohl ich im Ausland auch in dem Fach tätig war.

So nach dem Motto: Das wäre Zeitverschwendung.

Von Freunden aus anderen Ländern kenne ich soetwas nicht.

Flip
00
19.1.2011, 14:50

Hast du dich auf eine internationale Stelle beworben? Außerdem kannst du als Gegenargument sagen: Ich war im Ausland, ich hab dies und jenes getan blabla und habe festgestellt, dass ich in ihrer Firma Perspektiven sehe". Also genau das blabla abliefern, was den Personalern in Seminaren eingetrichert wurde, weil es gibt ja nur "den einen" Kandidaten der passt ;)

Michael Aires
10
18.1.2011, 16:50
und dass niemand arbeit und studium gemächlicher angeht

der auf eine etwaige versorgung durch heirat schielt, kann ich ja auch nicht glauben. was auch manches erklärte...

The Godfather
00
18.1.2011, 16:00

Haben erst kürzlich jemand angestellt, einen Bachelor das Problem ist nun aber das wir ihn trotzdem von Grund auf anlernen, demnach gestaltet sich aber auch sein Einstiegsgehalt. Fertig ausgebildete Leute in unserem Bereich erwarten wir nicht, lediglich die Fähigkeit sich schnell einarbeiten zu können.

Genausogut hätte sich jemand ohne Ausbildung - aber mit Erfahrung bewerben können, hiervon haben wir auch einen der zufälligerweise am schnellsten einsatzbereit war (sind wohl leider die absoluten Ausnahmen..)

kasperl-und- Petzi
04
17.1.2011, 23:15

Das berichtete deckt sich mit dem was ich erwartet haette. Schoen zu sehen das es einmal eine Studie gibt die abseits vom Genderwahn und sonstigen Unfug gemacht wird.

Das wiederlegt auch schoen die vom diestandard immer wieder eingebrachte Einkommensschere. Wenn die Damen was studieren was in der Industrie auch gebraucht wird sind sie gleich gut gestellt als maenner. (Bitte diestandard nicht weitersagen)

Es zeigt schone das es aufs Thema und das Fachliche ankommt und nicht Sozialkompetenz hin und Fenghpfui Kurs her ankommt. Es ist nun mal so wenn einer ein Auto bauen will will er ein Auto bauen und nicht personal Trainer ausbilden.

Gott sei dank sind die Zeiten der einflussreichen HR personal trainer Fuzis vorbei.

l_arachide
00
18.1.2011, 07:22
das einzige Problem ist nur

dass in dem Artikel nicht auf das Gehalt eingegangen wird...daher ist es mir etwas unverständlich wie Sie darauf schließen können dass die Einkommensschere nur ein Gerücht (gestreut von frustrierten nicht MINT Absolventen) ist...

kasperl-und- Petzi
00
18.1.2011, 07:44

es heist" sind sie erfolgreicher als männliche Absolventen anderer Studienrichtungen" es wird nicht weiter beschrieben was mit erfolgreich genau gemeint ist und ich nehme an das in der Studie doch auch nach Einkommen gefragt wurde.
Ich gebe Ihnen aber recht das das nicht im Artikel steht.
Allerdings ist davon auszugehen wenn Frauen sogar erfolgreicher als Maenner beim Jobsuchen sind das sich das auch auf das Einkommen niederschlaegt.

Gebe Ihnenb aber natuerlich recht das das so nicht drinnen steht.

Das bei der Einkommensscheren Diskussion immer Aepfel mit Birnen verglichen werden is aber unumstritten da es die relevanten Daten einfach nicht gibt.

gumpshrimps1
00
17.1.2011, 21:05

ist die studie bzw. der endbericht schon veröffentlicht? kann sie weder bei abif noch bei sora finden.

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
00
17.1.2011, 18:59
Bei uns (BMW) kommt man nur durch Leasing rein

Es besteht die Chance, später übernommen zu werden, allerdings bevorzugen viele Techniker den Leasingweg. Obwohl sie schon oft mehr als 10 Jahre dabei sind und zum Inventar gehören, steht in der E-Mail-Signatur noch immer eine Leasingfirma.

Gordon_Gecko
00
18.1.2011, 11:42

Kenne einen Fall eines ehemaligen Internet/Telefon-Monopolisten, da gibt es Leiharbeiter die eine Funktion als Teamleiter innehaben und gleichzeitg Fixangestellte unter ihnen. Bizarr.

MrGreen
00
17.1.2011, 23:16

Die guten Leute werden doch sicher auch bei euch direkt übernommen oder? Ist zumindest bei Audi so.

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
00
18.1.2011, 19:54
Das Angebot bekommen sie,

aber ich konnte noch nicht herausfinden, warum sie es nicht annehmen.

Keyser
01
17.1.2011, 18:24

Zusammengefasst: Studienrichtung ist Entscheidend, Titel nach Abschluß nicht.

Frauen: Haben einen schwereren Einstieg, dafür sind sie leicht im Vorteil, wenn sie "MINT" absolviert haben.

Anstellungsverhältnisse: atypisch, Praktikanten, Leiharbeiterjobs, Volontariat

Studium Uni vs. FH: Solang das richtige studiert wird, hat man gute Aussichten - schneller in die atypischen Beschäftigungsverhältnisse zu kommen. Oder eine Anstellung als billige Arbeitskraft, die alles können muss, zu billigen Konditionen. Die sie dann, wenn sie erst einmal drin sind, auch so schnell nicht verlieren. Weil billige Sklaven, auch studierte, lässt man nicht gehen.

Fazit - Absolvent vs. normale Arbeitslose: Wenig Vorteile, genauso miese Situation. :)

DM2006
00
18.1.2011, 05:41

Auch wenn es in Foren, wie diesem konstant wiederholt wird, kann ich aus persoenlicher Erfahrung und meinem Bekanntenkreis (Absolventen von Ingenieursstudien) der Aussage, dass alle Absolventen in prekaeren Arbeitsverhaeltnissen enden, nur widersprechen.
Die meisten Diplomingenieure bekommen einen unbefristeten Vertrag Studienabschluss.

Konrad Euler
00
18.1.2011, 09:36

ja, kann ich nur bestaetigen. im technik/nw-bereich ist die altbekannte variante die mit abstand am meisten verbreitete: erst 6 monate befristet, dann verlängerung mit unbefristetem vertrag; atypisch/leih/leasing ist die ausnahme.

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