Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi Sex mit Minderjähriger vor

14. Jänner 2011, 17:52
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Der "Fall Ruby" holt den Cavaliere ein: Er ist wegen Anstiftung zur Prostitution und Amtsmissbrauchs ins Visier der Justiz geraten

Seine Anwälte sagen, die Vorwürfe seien längst widerlegt.

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Nur einen Tag nach der teilweisen Aufhebung seiner Immunität hat Silvio Berlusconi erneut Ärger mit der Justiz. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat den Premier wegen Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution und Amtsmissbrauchs vorgeladen. Er soll mehrmals Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin gehabt haben. Die Affäre hatte im Mai viel Staub aufgewirbelt, als Berlusconi im Mailänder Kommissariat angerufen hatte, um die Freilassung des aufgegriffenen Mädchens zu erwirken.

Der Regierungschef hatte die Marokkanerin als Nichte des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak bezeichnet und die Regionalratsabgeordnete Nicole Minetti beauftragt, sie im Kommissariat abzuholen. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat das Mädchen mit dem Decknamen "Ruby Rubacuori (Herzensbrecherin)" im vergangenen Frühjahr mehrere Wochenenden in der Villa des Premiers in Arcore verbracht. Dabei habe Berlusconi Sex mit der Minderjährigen gehabt. Die Verteidiger des Regierungschefs sprachen von einer "absurden und unbegründeten Anklage". Alle Vorwürfe seien im Zuge der Ermittlungen "längst widerlegt" worden.

"Groteske Prozesse"

Berlusconi hat indes am Freitag zum Urteil des Verfassungsgericht Stellung bezogen. "Ich habe mir nichts anderes erwartet", erklärte er in einem Gespräch mit seinem Sender Canale5. Das Urteil habe die Immunität als verfassungskonform bestätigt. In einigen Punkten habe es sogar Verbesserungen gegeben. So sei nun unstrittig, dass die Leitung einer Sitzung des Ministerrats zu den "legitimen Verhinderungsgründen" gehöre. "Die gegen mich angestrengten Prozesse sind lächerlich und grotesk", so Berlusconi, der Neuwahlen eine Absage erteilte.

In Rom scheint die politische Dauerkrise derweil auch die Opposition nicht zu verschonen. Der Partito Democratico steht vor dem Bruch. Die Anhänger Walter Veltronis weigerten sich am Mittwoch, an einer Abstimmung der Parteileitung teilzunehmen. Der katholische Flügel erwägt den Austritt. Jüngster Stein des Anstoßes ist der Streit um das gestrige Referendum im traditionsreichen Fiat-Werk Mirafiori, das Gewerkschaften, Parteien und Arbeiter in zwei Lager spaltet. Falls die 5500 Beschäftigten dem Investitionsplan von Fiat-Chef Sergio Marchionne nicht zustimmen, wird das Werk geschlossen und ins Ausland verlegt. Die Beschäftigten müssen längere Arbeitszeiten akzeptieren, die bisherigen Verträge werden ungültig. (Gerhard Mumelter aus Rom /DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2011)


Link:

Corriere della Sera: Caso Ruby, Berlusconi indagato

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    War des Öfteren als Minderjährige bei sogenannten Bunga-Bunga-Festen in Berlusconis Villen: die Prostituierte mit dem Decknamen Ruby. 

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