Nutzer: Mehrere zensierte Websites in Tunesien wieder zugänglich

14. Jänner 2011, 10:32
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Präsident will Pressefreiheit gewährleisten

Mehrere in Tunesien zensierte Websites sind nach Angaben von Internetnutzern wieder zugänglich. In Kommentaren begrüßten viele Nutzer am Donnerstagabend im Internet-Sozialnetzwerk Facebook, dass Websites wie Dailymotion und Youtube wieder freigeschaltet waren. Der Zensor des Innenministeriums, der sich Ammar 404 nannte, sei verschwunden: "Ammar 404 ist arbeitslos" und "bye bye Ammar 404", hieß es. Zuvor hatte Präsident Zine el Abidine Ben Ali angekündigt, die Pressefreiheit im Land und die Freiheit im Internet künftig zu gewährleisten.

Das "korrumpierte, kriminelle und tyrannische Regime"

Als Zeichen für mehr Pressefreiheit wurde gewertet, dass der staatliche Fernsehsender Tunis 7 den Chef der Tunesischen Liga für Menschenrechte (LTDH), Mokhtar Trifi, in eine politische Sendung einlud. Die Organisation wurde bisher von der Regierung nicht anerkannt. Ebenfalls in die Sendung am Donnerstag eingeladen war der Oppositionelle und gemäßigte Islamist Salaheddin Jourchi.

Die Terrororganisation Al Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi) unterstützt laut dem auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierten US-Unternehmen SITE die Demonstrationen in Tunesien. Aqmi-Chef Abu Mussab Abdel Wadud habe in einem im Internet veröffentlichten 13-minütigen Video die Tunesier zum bewaffneten Kampf aufgerufen, um das "korrumpierte, kriminelle und tyrannische Regime" in Tunis zu stürzen und die Scharia einzuführen, erklärte SITE. Die Demonstrationen sollten dem Al-Kaida-Arm "ihre Söhne schicken, damit sie eine militärische Ausbildung erhalten", wurde Wadud zitiert.

Frust

Frust über die hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Unzufriedenheit mit der Regierung haben die seit Wochen andauernden Unruhen in Tunesien befeuert. Dem internationalen Menschenrechtsbündnis FIDH zufolge kamen dabei mindestens 66 Menschen ums Leben. Trotz einer Ausgangssperre war es vor allem in den Vororten der Hauptstadt Tunis am Donnerstag erneut zu Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. FIDH zufolge kamen dabei in der Nacht acht Menschen ums Leben, 50 wurden verletzt. Am Nachmittag wurde zudem im Zentrum von Tunis ein Demonstrant durch eine Polizeikugel getötet. (APA)

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