Die Tablet-Fata-Morgana

14. Jänner 2011, 09:15
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So gut wie alle auf der CES vorgestellten Tablets fallen bis auf weiteres in die Kategorie "Vaporware"

Die Hallen der Consumer Electronics Show vergangene Woche waren voll mit Tablets: Rund 80 Geräte wurden präsentiert oder angekündigt, die meisten mit Google Android.

"Vaporware"

Wer jedoch eines dieser Geräte in nächster Zeit kaufen will, wird enttäuscht sein: So gut wie alle diese Tablets fallen bis auf weiteres in die Kategorie "Vaporware", wie man seit Windows 1.0 Produkte nennt, deren Erscheinung laufend verschoben wird. Das reale Angebot ist bis auf weiteres auf Apples iPad und Samsungs Galaxy Tab beschränkt.

"Honeycomb"

Die meisten Geräte verwenden "Honeycomb", die für den großen Schirm optimierte Version von Android. Das Problem: Honeycomb ist noch nicht fertig, war bei der CES nicht einmal als Demo zu sehen. Motorola musste sich damit begnügen, mittels Video zu zeigen, wie sein Xoom funktionieren soll.

Probleme

Dabei wird deutlich, welches Problem Hardwarehersteller mit Google haben. Der Onlinekonzern lebt im Beta-Modus: Online können jederzeit Software-Updates gemacht werden, keine CDs, keine Downloads, keine lokale Installation ist erforderlich. Was den Onlinedienst schnell und flexibel macht, ist für Hersteller ein Albtraum: Denn irgendwann ist Schluss mit Updates, und die Fertigung muss anlaufen, sonst landen die Tablets nie im Laden.

Darum sind bei Android-Handys auch eine Vielzahl an Versionen im Umlauf, was für Konsumenten verwirrend und für Apps-Entwickler aufwändig ist.

Microsoft

Auch Microsoft hat bei der CES nichts zur konkreten Entwicklung von Tablet-Alternativen beigetragen. Zwar wurden Geräte mit Windows 7 gezeigt wie der Samsung Slider, bei dem eine Tastatur unter dem Display herausgeschoben wird (was das Gerät klobig macht), und ein Asus-Tablet, bei dem das Keyboard abgenommen werden kann.

Microsoft scheint jedoch einem Wiederholungszwang zu unterliegen: Wie lange Zeit bei Smartphones wird geleugnet, dass für Tablets ein angepasstes Windows nötig ist. Windows 7 ist jedoch für die Multitouch-Bedienung suboptimal, ohne Stift funktioniert es schlecht, und mit Stift ist es ein Tablet-PC (über dessen Misserfolg bereits abgestimmt wurde), aber eben kein Tablet.

Windows 8

Zwar führte Steve Ballmers vor, dass "die nächste Generation von Windows" (Journalisten, die dazu Windows 8 sagten, wurden gerügt) auch auf den in Tablets verwendeten Arm-Chips funktioniert. Aber von dieser Demonstration bis zu einem marktreifen Produkt liegen rund zwei Jahre. Und Windows Phone 7, das wahrscheinlich ähnlich wie Android auch für kleinere Tablets geeignet wäre, wird für diese nicht lizensiert.

Blackberry

Bleibt noch Blackberry-Hersteller Rim, dessen Playbook ebenfalls noch nicht fertig ist und das Schwierigkeiten haben wird, genug App-Entwickler zu begeistern (der Blackberry-Anteil ist rückläufig). Mehr noch als bei Smartphones entscheidet jedoch ein reichhaltiges App-Ökosystem über die Popularität eines Tablets. Hewlett-Packard wird, wenn es einmal sein Palm-Tablet fertig hat (bei der Show keine Spur davon), ein ähnliches Problem haben. (helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD Printausgabe, 14. Jänner 2011)

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