Wiener Metropol: Kritik vom Kontrollamt

13. Jänner 2011, 20:15
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Überschuldung und Verflechtung mit "Privatgesellschaften": Stadt solle Subvention überdenken

Wien -  Das Kontrollamt übt Kritik an der Finanzgebarung des Wiener Metropols und an der finanziellen Verflechtung des Musiktheaters mit "Privatgesellschaften", an denen die beiden Geschäftsführer beteiligt sind. Die Überschuldung des Betreibervereins sei "fast zur Gänze auf Verbindlichkeiten gegenüber dem kaufmännischen und dem künstlerischen Leiter bzw. diesen beiden Personen nahestehenden Gesellschaften zurückzuführen", stellten die Prüfer in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht fest. Die Stadt Wien sollte deshalb ihre weitere Subventionierung des Metropols überdenken, so die Empfehlung.

Das Kontrollamt nahm die Gebarung des Metropols in den Jahren 2006 bis 2008 unter die Lupe. Demnach wies das Theater zum Stichtag 31. Dezember 2008 ein negatives Eigenkapital in der Höhe von rund 198.000 Euro auf. Die Überschuldung betrug zu diesem Zeitpunkt insgesamt etwa 3,2 Mio. Euro. Gleichzeitig subventionierte die Stadt den laufenden Betrieb im Prüfungszeitraum laut Bericht mit einem Gesamtbetrag von 1,71 Mio. Euro.

Dem Bericht zufolge bestanden zwischen 2006 und 2008 Geschäftsbeziehungen mit "vier dem künstlerischen und dem kaufmännischen Leiter nahestehenden Gesellschaften". An diesen würden die beiden Metropol-Chefs mehr als 25 Prozent der Anteile halten sowie dort als Geschäftsführer tätig bzw. vertretungsbefugt sein.

Laut Bericht wurden zudem in der Bilanz unter den Positionen "Rückstellungen für künstlerische und kaufmännische Leitung" die erbrachten Leistungen der beiden Geschäftsführer erfasst. Diese beruhen auf einem Beratungsvertrag aus dem Jahr 1995, welcher die Basis für die Dotierung des Geschäftsführungsentgelts gebildet habe. Zwar werden diese Rückstellungen derzeit nicht ausgezahlt, im Falle eines Ausscheidens der Theaterleiter jedoch schlagend.

Per Ende 2008 bestanden aufgrund der laufenden Rückstellungen bereits Honorarverbindlichkeiten in der Höhe von insgesamt 1,92 Mio. Euro. "Werden die ihnen gegenüber weiters bestehenden Darlehensverbindlichkeiten einschließlich Zinsen (...) bzw. sonstigen Verbindlichkeiten (...) eingerechnet, ergeben sich sogar Gesamtverbindlichkeiten gegenüber den Geschäftsführern von rund 3,32 Mio. Euro", errechneten die Prüfer.

Das Kontrollamt sieht im Falle der Abberufung der beiden Geschäftsführer eine "insolvenzrechtliche Gefahr". Deshalb sollte die Stadt Wien ihre künftigen Subventionen von der "Entwicklung eines langfristigen positiven Fortbestehenskonzepts - insbesondere von der Abdeckung des negativen Eigenkapitals im Fall des Ausscheidens der beiden Leiter - abhängig machen", empfahlen die Prüfer. (APA)

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