Pulsationen für Auge und Ohr

13. Jänner 2011, 19:17
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Die Konzerthaus-Reihe "Im Loth"

Wien - Gedankenblass, karg und hermetisch sei die Neue Musik. So ungefähr lautet ein gängiges Vorurteil. Dass zeitgenössische Klänge vor allem eines sind, nämlich vielfältig, bestätigte sich bei der Reihe "Im Loth" im Keller des Konzerthauses ein weiteres Mal.

Das "Mitteleuropäische Kammerorchester" mit Musikern aus Ost- und Mitteleuropa und Wurzeln an der Wiener Musikuniversität hat sich auf thematisch gebundene Programme spezialisiert. Diesmal hat es neue Musik gesucht und gefunden, die dem Pulsierenden und/oder Lautstarken mehr oder weniger zugeneigt ist. Programmatisch etwa die elektronische Komposition Disintegration III von Aphex Twin in einer Instrumentierung mit zerfurchten Beats und fauchenden Kratzern.

Kaum weniger kraftstrotzend, dabei von hoher klanglicher Verfeinerung Fausto Romitellis Green, Yellow and Blue, bei dem das Ensemble mit seinem Leiter Ajtony Csaba besondere Detailarbeit leistete; von gleichsam nach innen gewendeter Energie Sivan Cohen-Elias' How Long is Now: Gekonnt, wie der Sopran von Kaoko Amano mit Instrumenten verschmolzen wurde, wobei freilich die auf Hebräisch über ihre Wut berichtende Stimme gegenüber den rauen Geräuschklängen etwas konventionell eingesetzt war.

Eine gangbare Bereicherung der Konzertsituation waren jene bewegten Bilder, die das Klangvideo-Duo 4youreye auf Wände, Bühne und Decke des Berio Saals warf. Dessen Rahmen wurde freilich dann doch rein musikalisch gesprengt: mit den brachialen Sounds von Oliver Webers Frost - jedenfalls alles andere als blass, hermetisch und karg. (daen/ DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2011)

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