Donau-Diskussion schlägt Wellen

13. Jänner 2011, 18:22
  • Auf Höhe der Donaubrücke bei Hainburg soll ein Pilotprojekt der via donau durchgeführt werden.
    foto: robert newald

    Auf Höhe der Donaubrücke bei Hainburg soll ein Pilotprojekt der via donau durchgeführt werden.

Vier Umwelt-NGOs fordern juristischen Neustart für Flussbaumaßnahmen an der Donau östlich von Wien – Über 140 WissenschafterInnen sprechen sich für die Projekte aus

Die Flussbaumaßnahmen an der Donau östlich von Wien - derStandard.at berichtete - haben in den vergangenen Tagen für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Während mehr als 140 WissenschafterInnen (BOKU Wien, Universität Wien, TU Wien, WasserCluster Lunz) in einer Petition die Notwendigkeit eines Pilotversuchs bei Bad Deutsch-Altenburg fordern, legen sich vier Umweltschutzorganisationen (Umweltdachverband, Forum Wissenschaft & Umwelt, WWF und Virus) gegen genau dieses Projekt - und in weiterer Folge gegen das Flussbauliche Gesamtprojekt (FGP) - quer.

Hauptforderung der Projektgegner ist ein juristischer Neustart, weil ein wasserbautechnisches Gutachten von BOKU-Professor Hans Peter Nachnebel besage, dass die angewendeten Modellberechnungen nicht dem Stand der Technik entsprächen. Kernaussage des Gutachtens ist, dass die Sohleintiefung der Donau nicht in dem Ausmaß stattfinde, wie es in der Einreichung zum FGP angegeben wurde. "Die Frage ist, wie entwickelt sich das in der Zukunft und sind so harte Eingriffe notwendig?", so Wolfgang Rehm von Virus. 

Die via donau Wasserstraßen GesmbH als Projektbetreiberin verwies in einer Aussendung darauf, dass das Gutachten von Nachtnebel derzeit geprüft werde. "Sollte das Gutachten Planungsmängel aufdecken, werden diese im Gesamtprojekt selbstverständlich behoben", heißt es weiter.

Granulometrie als Streitpunkt

Als bedenklich stufen die vier Umwelt-NGOs vor allem die geplante Anwendung der Granulometrischen Sohlverbesserung (GSV) ein. Bei diesem Verfahren soll durch Zugabe von gröberem Kies die Eintiefung der Donausohle langfristig eingeschränkt werden. Das Nachtnebel-Gutachten komme allerdings zu dem Ergebnis, dass dadurch "die ökologische Funktionsfähigkeit der Sohle nachteilig beeinflusst" werde. 

Die über 140 WissenschafterInnen wiederum weisen darauf hin, dass es notwendig sei, die GSV "im Rahmen des vorgesehenen Pilotprojektes bei Bad Deutsch-Altenburg zu erproben um dringend notwendige, wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse für weitere Maßnahmen zu gewinnen." Auf aktive Maßnahmen zu verzichten sei keine sinnvolle Alternative. 

Möglicher Amtsmissbrauch 

Gerhard Heiligenbrunner, Präsident des Umweltdachverbands, dagegen erklärt, dass sowohl das FGP als auch das Pilotprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg "aus juristischer Hinsicht aufgrund des strengen niederösterreichischen Nationalparkgesetzes nicht genehmigungsfähig" seien. "Sollten die Projekte dennoch genehmigt werden, käme das Amtsmissbrauch gleich", so Heiligenbrunner, der sich auf drei Rechtsgutachten beruft. (mob, derStandard.at, 13.1.2011)

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Die Ursache liegt schon 30 Jahre zurück: Man hätte das Kraftwerk Hainburg bauen sollen, dann wäre die Au vor Austrocknung geschützt. Wenn schon Ktaftwerke, dann eine geschlossene Kette. Und Flusskraftwerke sind für die Umwelt allemal besser als Kohlekraftwerke (z.B. Dürnrohr)!

was soll das

wenn man sich nicht auskennt sollte man nicht viel sagen

... Au vor Austrocknung geschützt ...

Und wie konnte die Au vor Mio. Jahren ohne ein Kraftwerk entstehen??

so leicht ist es leider nicht...

auwälder sind hochdynamische lebensräume und ihre entstehung erfordert offene umlagerungsflächen sowie in weiterer folge ihr erhalt regelmäßiger störungen durch hochwasserereignisse bedarf. die au schlichtweg durch eine stauanlage unter wasser zu setzen ist ein sehr kurzfristiger und ganz und gar falscher lösungsansatz...

fakt ist doch eines

durch regulierung und kraftwerksbau wurde in die österreichische donau so massiv eingegriffen

dass dies auch auswirkungen auf eine der letzten freien fließstrecken (inÖ) hat, die man ohne menschliche eingriffe nicht beseitigen kann. rückbauen kann man nur dort wo keine kraftwerke stehen. deren auswirkungen bleiben also.

wenn man also jahrzehntelang theoretische modelle wälzt und zu keinem ergebnis kommt, dann muss man am wissenschaftlichen stand gemessen einen eingeschränkten Feldversuch machen und die Prämissen überprüfen oder anpassen.

Ohne Eingriffe geht es (wohl) nicht, und es ist immer eine anpassung von theorie und experimenteller verifikation der prämissen.

Wir sind uns soweit einig:
Es wurde massiv eingegriffen, und es braucht Maßnahmen
Weiters die Verursacher der Eingriffe sorgen nur teilweise für eine Kompensation. Die Auswirkungen der Krafwerke sind allerdings durch die laufende Geschiebezugabe ausgeschaltet, bei den anderen Ursachen fehlt dies bzw. wird bei den Baggerungen weiter aktiv an der Eintiefung gearbeitet.
Stand der Wissenschaft ist nicht Stand der Technik. Das Herumwälzen theoretischer Modelle hätte uns nicht davon abgehalten, aktuell zu Gebote stehende Methoden einfach einzusetzen. Dann kann die Optimierung bzw. vergleichende Bewertung der Optionen viel entspannter erfolgen.

ich bin mir jetzt nicht sicher ob mein schluss richtig ist... aber folgt aus einer sohleintiefung nicht ein sinken des grundwassers? würde das nicht das ende für die au bedeuten?

richtig

Ihr Schluss ist richtig, verstärkt dadurch dass die Akkumulation von Feinsediment der Au zusätzlich zu deren Verlandung beiträgt. Umso unverständlicher ist es, dass es seit 25 jahren nicht möglich ist, Sofortmaßnahmen mit (zusätzlichen Geschiebezugaben) als Übergangslösung zu ergreifen und man sich auf Seiten der FGP Verantwortlichen kollektiv den Zwang auferlegt noch weitere Jahre auf das warten zu müssen was man als ultimative und einzige Lösung akzeptiert, mit dem Wortungetüm "Granulometrische Sohlverbesserung" bezeichnet.

Schon wieder lange Sätze und wenig Inhalt:

-jedes Jahr werden >150.000m3 Geschiebe bei Freudenau reingeworfen (laut mehreren Messungen wären 400.000m3 nötig damit es zu keiner Eintiefung kommt)
- durch diesen Versuch soll dieser Wert auf ca. 40.000m3/a sinken (Granulometrie)
- gleichzeitig werden Buhnen rausgenommen (+Ökologie)
- Riprap rausgenommen (+Ökologie)
- Seitenarme angebunden (+Ökologie)

@voiceofvirus: bitte bring einmal wirkliche Argumente

und was ein wirkliches Argument ist bestimmen Sie allein? Frag mich ob eine Diskussion unter diesen Voraussetzungen sinnvoll ist.

Der Wert wird nicht auf 40000m3 sinken sondern mindestens 80000, denn von ihnen angesprochenen Messungen kommt begrenzte Aussagekraft zu, und auf Dauer brauchts auch keine 400000 (die ich im übrigen temporär durchaus für vertretbar halte.

Nein Argumente sind Argumente. Du bringst nur Worte wie Strohhalm, Sofortmaßnahmen, usw. Schlagworte mehr nicht.

Die 40.000 oder 80.000? Wenn der Versuch deiner Meinung nach schon schlecht ist, und auch die Simulationen und kein Feldversuch stattfinden soll. Wie kommst du dann auf 80.000? Einfach mal aus dem Hut gezaubert?

Genau, und Letztinstanz ist Schnbxnb
Ich behaupte nicht, dass ich immer alles optimal rüberbring. Hier aber kann ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine Grundvoraussetzung fehlt, das verstehen wollen.
Woher haben Sie ihre 400000? (war ja auch ohne Quellenangabe, aber Sie dürfen ja)

Ich habe nie behauptet Letztinstanz zu sein, wohl aber Virus usw. die hier torpedieren.

Es fehlt nicht mir die Grundvoraussetzung verstehen zu wollen, sondern voiceofvirus die Grundvoraussetzung verstændliche Sætze zu schreiben.
400.000 der Wert der in diversen Præsentationen immer wieder genannt wird. Wobei hier Werte zwischen 200.000m3 und 400.000m3 angegeben werden.
Aber eigentlich egal, ob 40.000 oder 80.000. Alles weit besser und økologischer als auch nur 200.000.

Wo genau ist nochmal das Problem? Du hast noch immer keine negativen Folgen erwæhnt.

ich bin auch dafür ...

... dass man es lässt. dann ist die au in 20 jahren ausgedrocknet und die letzte rettung ist ein kraftwerk

Ohne Beton geht es nicht.,.

Entweder eine Staustufe Hainburg - dann verlagert sich die Sohleeintiefung nach Ungarn - oder ein betoniertes bzw. gepflastertes Flussbett.

rückschreitende Auflandung

Meinungsvielfalt ist eben Meinungsvielfalt. Manche stehen sichs offenbar auf Beton.
Die Sohleintiefung verlagert sich allerdings nicht nach Ungarn, weil die Strecke östlich von Wien unten durch die Staustufe Cunovo abgeschlossen ist. Dort wo früher (von unten her!) die rückschreitene Erosion auf der Donausohle gewütet hat folgt jetzt wieder eine rückschreitende Auflandung.

es ist traurig....

Mir ist unverständlich, wie es sein kann, daß sich o.g. Organisationen (Anm: der Großteil, der im Umweltdachverband zusamengeschlossenen Organisationen befürwortet das FGP!!) den wissenschaftlichen Fakten verschließen und NUR dagegen wettern, ohne (auf Nachfrage) brauchbare Alternativen zur Minderung Sohleintiefung zu bieten. Mir kommen zB: Auftritte von VIRUS o.a. bei Diskussionen, Vorträgen u.dgl. immer als reine Selbstinszenierung vor.
Traurig eigentlich, weil NGOs in meinen Augen eine wichtige Rolle spielen!

Wenn man sich die vielen Befürworter andererseits anschaut, spricht das alleine schon Bände: BOKU, Uni Wien, TU Wien, Wassercluster,....und da stehen nicht persönliche Befindlichkeiten, sondern Daten und Fakten im Vordergrund!

Boku usw.

Diesen gemeinsam ist neben ihrer angeblichen wissenschaftlichen Objektivität wohl wirtschaftliche Abhängigkeit bzw. zumindest Profithoffnung durch Drittmittel aus dem Projekt. Ein Umstand, der den forschenden Blick möglicherweise in gewissen Richtungen trübt und färbt. Die Blende des Objektivs wird unter Umständen auf die von der Auftraggeberin geforderten Ergebnisse abgestimmt. - Ein zu erwartender Vorgang. Um solchen Erpressbarkeiten vorzubeugen, waren Hochschulprofessoren und auch LehrerInnen einmal weisungsfreie und unkündbare Beamte, die nicht schon mit einem Auge auf ihren Folgejob nach Ablauf des 5-Jahresvertrags schielen mussten.

Alternativen

Das Problem ist, dass die von den laufenden Genehmigungsverfahren diktierten taktischen Anforderungen für uns unausweichlich die Auseinandersetzung in den letzen Jahren bestimmen
Wir setzen uns für ein verbessertes Projekt ein (z.B. FGP 2.0) und da ist das derzeitige im Weg weil es den Planungsraum blockiert und das UVP Verfahren keine Alternativenprüfung vorsieht. Alternative Planungsgrundsätze brauchen auch einen entsprechenden Rahmen um sie wirksam ein- und vorbringen zu können und das heisst nicht unbedingt sie denen in den Rachen zu werfen, die ihre Interessen am derzeitigen Projekt vertreten. Nach schlechten Erfahrungen über JAhre hinweg sind wir noch zurückhaltend, für unbeteiligtes Publikum unbefriedigend aber das ändert sich noch

Zweierlei Maß

Das stell ich mir jetzt schondie Frage auf welche Auftritte sie sich jetzt beziehen mögen. Ist das nicht vielleicht nur ein rhetorischer Plural? Wir versuchen die Probleme anzusprechen, die unter den Tisch gekehrt werden, wir haben die via donau dazu gebracht die zentralen Bestandteil der Projektbeschreibung bildende Charakterisierung des Verlaufs der Sohleintiefung als "progressiv" zu berichtigen, den Beitrag der Baggerungen zur Sohleintiefung innerhalb weniger Monate von 0 auf 30% zu korrigieren, die ganze Malaise bei den nautischen Parametern aufgedeckt usw. usf. Selbstinszenierung oder doch Korrektiv, ganz nach Vorlieben. Warum sie dann aber der ganze Selbstbeweihräucherung auf der Projektantenseite so unkritisch begegnen?

Bände?

Wenn ich mir vorstelle, dass die Mitarbeiter der an diesen Projekt beteiligten bzw. mit entsprechenden Drittmitteln finanzierten Institute zur Unterschriftsleistung angehalten werden (oder dies mit Begeisterung tun), dann kommt sehr schnell ein dreistelliger Betrag zusammen - imposant finde ich das aber keineswegs. Dass nicht persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund ist angesichts der beschriebenen Abhängigkeiten aber auch anhnand des Wirkens einzelner Proponenten wenig plausibel. Datenhaufen ersetzen nicht die erforderliche Interpretation, schon gar nicht, wenn diese in den Einreichprojekten nicht enthalten sind, oder in all den weniger relevanten Bergen die wirklich genehmigungsrelevante Fakten fehlen

Voreingenommenheit

ist wohl das Leitmotiv ihres Beitrags. Der UWD hat 39 Mitgliedsorganisationen und agiert auf der Basis von Mehrheitsbeschlüssen. Womit begründen Sie Ihre These, dass die Mehrheit das FGP befürworten würde? Das fällt wohl eher in die Kategorie Wunschvorstellung.
Es ist schon sehr verdächtig (vor allem wenn man das Planungsversagen rund um das FGP so hautnah mitbekommt wie ich) wenn plötzlich überall das "wissenschaftliche" so überbetont wird.Ist ein Faktum, das ein Faktum ist schlechter als ein "wissenschaftliches" Faktum? Welche "wissenschaftlichen" Fakten meinen Sie speziell? Wissenschaft kennt Meinungsvielfalt und Irrtum. Ist der Mangel von etwas falschem dadurch ausräumbar, dass es wissenschaftlich ist, oder dafür erklärt wird?

gell, du bist eine Frau?

Die wortwahl lässt darauf schließen.

Und man will ja nur einen Versuch auf einer Teilstrecke machen und nicht die gesamte Strecke sofort umbauen ...

richtig und falsch zugleich

Ja man kann nicht die gesamte Strecke sofort umgestalten, und wollte den ersten Teilabschnitt ohne Vorliegen einer generellen Bewilligung starten und hat getrickst und das ganze dann als Versuch gelabelt (diese Vorgangsweise ist in den Projektunterlagen nachvollziehbar).
Dem "Naturversuch Bad Deutsch Altenburg" der jetzt wieder in Pilotprojekt umbenamst werden soll ist im Gegensatz zu anderen Naturversuchen der Versuchscharakter abzusprechen, das ergibt sich aus der Wahl des Streckenabschnitts und der Nichtübertragbarkeit der dort erzielbaren Ergebnisse auf die Bedingungen des FGP. So schauts aus.
Aber welcher gutgläubige Mensch der die Verhältnisse nicht kennt, würde nicht auf das Etikett Versuch hereinfallen?

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