Donau-Diskussion schlägt Wellen

13. Jänner 2011, 18:22
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Vier Umwelt-NGOs fordern juristischen Neustart für Flussbaumaßnahmen an der Donau östlich von Wien – Über 140 WissenschafterInnen sprechen sich für die Projekte aus

Die Flussbaumaßnahmen an der Donau östlich von Wien - derStandard.at berichtete - haben in den vergangenen Tagen für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Während mehr als 140 WissenschafterInnen (BOKU Wien, Universität Wien, TU Wien, WasserCluster Lunz) in einer Petition die Notwendigkeit eines Pilotversuchs bei Bad Deutsch-Altenburg fordern, legen sich vier Umweltschutzorganisationen (Umweltdachverband, Forum Wissenschaft & Umwelt, WWF und Virus) gegen genau dieses Projekt - und in weiterer Folge gegen das Flussbauliche Gesamtprojekt (FGP) - quer.

Hauptforderung der Projektgegner ist ein juristischer Neustart, weil ein wasserbautechnisches Gutachten von BOKU-Professor Hans Peter Nachnebel besage, dass die angewendeten Modellberechnungen nicht dem Stand der Technik entsprächen. Kernaussage des Gutachtens ist, dass die Sohleintiefung der Donau nicht in dem Ausmaß stattfinde, wie es in der Einreichung zum FGP angegeben wurde. "Die Frage ist, wie entwickelt sich das in der Zukunft und sind so harte Eingriffe notwendig?", so Wolfgang Rehm von Virus. 

Die via donau Wasserstraßen GesmbH als Projektbetreiberin verwies in einer Aussendung darauf, dass das Gutachten von Nachtnebel derzeit geprüft werde. "Sollte das Gutachten Planungsmängel aufdecken, werden diese im Gesamtprojekt selbstverständlich behoben", heißt es weiter.

Granulometrie als Streitpunkt

Als bedenklich stufen die vier Umwelt-NGOs vor allem die geplante Anwendung der Granulometrischen Sohlverbesserung (GSV) ein. Bei diesem Verfahren soll durch Zugabe von gröberem Kies die Eintiefung der Donausohle langfristig eingeschränkt werden. Das Nachtnebel-Gutachten komme allerdings zu dem Ergebnis, dass dadurch "die ökologische Funktionsfähigkeit der Sohle nachteilig beeinflusst" werde. 

Die über 140 WissenschafterInnen wiederum weisen darauf hin, dass es notwendig sei, die GSV "im Rahmen des vorgesehenen Pilotprojektes bei Bad Deutsch-Altenburg zu erproben um dringend notwendige, wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse für weitere Maßnahmen zu gewinnen." Auf aktive Maßnahmen zu verzichten sei keine sinnvolle Alternative. 

Möglicher Amtsmissbrauch 

Gerhard Heiligenbrunner, Präsident des Umweltdachverbands, dagegen erklärt, dass sowohl das FGP als auch das Pilotprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg "aus juristischer Hinsicht aufgrund des strengen niederösterreichischen Nationalparkgesetzes nicht genehmigungsfähig" seien. "Sollten die Projekte dennoch genehmigt werden, käme das Amtsmissbrauch gleich", so Heiligenbrunner, der sich auf drei Rechtsgutachten beruft. (mob, derStandard.at, 13.1.2011)

  • Auf Höhe der Donaubrücke bei Hainburg soll ein Pilotprojekt der via donau durchgeführt werden.
    foto: robert newald

    Auf Höhe der Donaubrücke bei Hainburg soll ein Pilotprojekt der via donau durchgeführt werden.

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