Ratten von Tinnitus befreit

14. Jänner 2011, 12:20
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Eine im Tierversuch erprobte Therapie soll schon bald an Menschen zum Einsatz kommen

Washington - Ein nervtötender Dauerton im Ohr kann Betroffene in den Wahnsinn treiben. Wissenschaftern ist es in Tierversuchen nun offenbar gelungen, den Tinnitus im Ohr auszuschalten. Die Forscher der Universität Texas in den USA gehen davon aus, dass das Gehirn sich an Hörschäden anzupassen versucht und dadurch das Nervensystem durcheinanderbringt, wie sie in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" erklären.

Die Forschergruppe verursachte zuerst mit einer Beschallung einen Hörsturz bei Ratten - mit Hilfe von Verhaltenstests lässt sich der Tinnitus nachweisen -, dann versuchte sie, das Gehirn der Versuchstiere wie einen Computer neu "hochzufahren", indem sie einen wichtigen Hirnnerv, den Vagusnerv, stimulierten und die Ratten zudem einer Klangtherapie unterzogen, die bereits vielversprechend an Menschen getestet wird. Nach dieser Doppel-Therapie war der vorherige Dauerton bei den Tieren offenbar für bis zu dreieinhalb Monate weg, während eine unbehandelte Vergleichsgruppe von Ratten immer noch ein Pfeifen im Ohr hatte, wie die Verhaltenstests zeigten. Auch zeigten die Nervenzellen wieder das gleiche Aktivitätsmuster wie vor dem Tinnitus.

"Wir führen das Gehirn aus einem Zustand, in dem es einen Tinnitus auslöst, in einen Zustand zurück, der keinen Tinnitus verursacht", erklärte der Autor der Studie, Navzer Engineer. "Wir bringen die Quelle des Tinnitus zum Versiegen." Dem Wissenschafter zufolge sollen klinische Versuche am Menschen in den kommenden Monaten beginnen. (APA/red)

  • Wer an Tinnitus leidet, nimmt Geräusche oder Töne wahr, die von keiner äußeren Schallquelle ausgehen. Die Ursachen sind vielfältig - US-Forscher machen nun für jene Fälle Hoffnung, bei denen die Ursache in den Hirnarealen liegt, in denen Hörreize verarbeitet werden.
    foto: photodisc

    Wer an Tinnitus leidet, nimmt Geräusche oder Töne wahr, die von keiner äußeren Schallquelle ausgehen. Die Ursachen sind vielfältig - US-Forscher machen nun für jene Fälle Hoffnung, bei denen die Ursache in den Hirnarealen liegt, in denen Hörreize verarbeitet werden.

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