Das TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße feiert fünften Geburtstag - Das Profil der Wiener Mittelbühne hat sich geschärft
Ein Gespräch mit der
künstlerischen Leiterin Margit Mezgolich und Geschäftsführer Ferdinand Urbach.
Wien - Fünf Lenze sind nicht viel, doch in Theaterjahren der freien Szene
gerechnet, bedeuten sie schon eine ganze Menge. Das Theater an der Gumpendorfer
Straße (TAG) hat seit seinem Neustart im Jänner 2006 - in der Nachfolge des
Theater Gruppe 80 - bereits eine bewegte Leitungsgeschichte hinter sich. Drei
freie Gruppen, deren Namen mit besagtem Datum Geschichte wurden (Kinetis,
urtheater und L.U.S. Theater) haben damals das 212-Plätze-Haus
(Maximalbesetzung) von Helga Illich und Helmut Wiesner übernommen. Nach
wechselnden Leitungskonzepten hat Regisseurin Margit Mezgolich im März 2009 die
künstlerische Leitung übernommen und arbeitet seither an der Schärfung des
Profils. Es gilt, sich neben vergleichbaren Wiener Mittelbühnen gut zu
positionieren.
Mit einem klaren Bekenntnis zum Sprechtheater auf Basis einer fixen
Ensemblestruktur bahnt sich das TAG seinen eigenen Weg. "Im Unterschied zum
klassischen Ur- und Erstaufführungstheater entwickeln wir die Aufführungen in
Personalunion von Autor und Regisseur", so Margit Mezgolich. "Damit fördern wir
den Begriff des Theatermachers, also Künstler, die einen enormen Formwillen
haben und diesen mit unserem Ensemble ausdrücken können."
Das ist eine klare Ansage, die keine unmittelbare Konkurrenz in der Stadt
hat. Das Ziel ist vor allem, damit zugleich einen Repertoirebetrieb aufzubauen,
also Stücke über einen möglichst langen Zeitraum am Spielplan zu belassen - für
einen Theaterbetrieb dieser Größe ungewöhnlich. "Ein Ensemble ist natürlich
teurer", so Geschäftsführer Ferdinand Urbach, "aber es geht sich derzeit gerade
noch aus. Wir können nur leider nicht gut bezahlen. Wie für andere Wiener Häuser
ist der Bund kein Partner mehr, sodass wir mit wesentlich weniger Geld auskommen
müssen (735.000 Euro jährlich); auch die von der Stadt Wien jährlich geleistete
Anpassungszahlung von insgesamt 150.000 Euro entfällt seit zwei Jahren. Das ist
laut Urbach eine empfindliche Einsparung, auch wenn wir natürlich versuchen, den
Budgetposten "Kunst" nicht zu sehr anzutasten.
Auf die Suche nach "Theatermachern" im oben beschriebenen Sinn begibt sich
das TAG mit den jährlich stattfindenden Werktagen. "Das ist das Herzstück meiner
künstlerischen Leitung", so Mezgolich. Die internationale Ausschreibung gibt
thematische Impulse vor (aktuell: "Sei mein Held", Einreichfrist ist 16. März),
auf deren Basis das TAG Künstler außerhalb herrschender Modetrends ausfindig
macht.
Urbach: "Wir möchten uns nicht mit dem Brut oder den Wiener Festwochen um
international angesagte Produktionen prügeln. Bei uns ist der längere Prozess
des Erarbeitens wichtiger und nicht so sehr das Abfeiern. In puncto
Entschleunigung unterscheiden wir uns sicher von anderen Wiener Häusern, die
schneller getaktet sind. Wir bekennen uns auch zum Ort hier." Das zeitigt auch
Produktionen, deren Titel nicht immer auf Anhieb verstanden wird:
Iaxnbruad von Christian Suchy war im Vorjahr eine überaus beachtenswerte,
im Wiener Slang schlingernde Wirtshausgroteske mit revitalisierter Pantomime.
Falls sie es jemals über die Landesgrenzen hinaus schaffen sollte (was ihr zu
wünschen ist), so nur mit Untertitelung. Mehr internationaler Austausch steht
jedenfalls auf der Wunschliste. Zuerst aber wird gefeiert, u. a. mit einer
Theaterfotoausstellung von Sebastian Philipp. (Margarete Affenzeller /
DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2011)