Libro-Pleite war Millionengrab für Telekom Austria

13. Jänner 2011, 17:01
posten

Laut Anklage musste Telekomanbieter kurz nach Börsegang 85 Mio. Euro abschreiben

Die Insolvenz des einst börsennotierten Buch- und Papierhändlers Libro AG 2001/02 hat Tausende Klein- und Großanleger sowie zahlreiche Gläubiger viel Geld gekostet. 14 Privatbeteiligte bzw. -Vertreter haben sich bisher dem am kommenden Montag (17. Jänner) beginnenden Strafprozess gegen fünf Angeklagte angeschlossen, erklärte der Sprecher des Landesgerichts Wiener Neustadt, Hans Barwitzius, der APA. Unter den Privatbeteiligten befinden sich seiner Auskunft zufolge Unternehmen wie etwa die Telekom Austria, aber auch Einzelpersonen.

Die Libro-Pleite war für die damals bereits privatisierte Telekom Austria AG, die selbst vor dem Börsegang stand, ein riesiges Verlustgeschäft, geht aus der Anklageschrift hervor. Der Plan der Libro-Führung war, "Libro-Altaktien" möglichst zeitgleich mit dem Börsegang der Libro AG zu veräußern. Dazu habe man nach einem strategischen Partner gesucht und diesen in der Telekom Austria gefunden.

Wertlosigkeit

Das Interesse des Telekomanbieters galt den Libro-Plänen im Internet- und Telefoniegeschäft. In unter großem Zeitdruck geführten Verhandlungen im Spätsommer 1999 wurde das Telekomunternehmen auf Grundlage der "massiv geschönten Vermögens- und Ertragslage der Libro AG" von einer Beteiligung an Libro überzeugt. Dabei ging es um die Ausweitung des Libro-Online-Shops "lion.cc" sowie das gemeinsame Projekt eines Telefonbetreibers "librotel".

Die Telekom Austria sollte 25 Prozent plus eine Aktie beim bevorstehenden Börsegang erwerben. Eine bei derartigen Geschäften übliche vertiefende Prüfung (Due Diligence) wurde der Telekom Austria aber seitens der Libro-Führung nicht zugestanden, heißt es in der Anklage. Die Telekom Austria erwarben den Anteil um knapp 1,176 Mrd. Schilling (85,5 Mio. Euro). Nach dem Closing am 8. März 2000 überwies die Telekom Austria das Geld "für die zu diesem Zeitpunkt nicht werthaltigen Libro-Aktien", so die Staatsanwaltschaft. Noch im selben Jahr erkannte das Telekomunternehmen die vollständige Wertlosigkeit seiner Libro-Beteiligung und schrieb sie per 31.12 2000 vollkommen ab, geht aus der Anklageschrift hervor.

Millionenbeträge lukriert

Aus diesem Geschäft sollen die "Altaktionäre" Millionenbeträge laut Anklageschrift lukriert haben: Ex-Libro-Chef Andre Rettberg rund 13,79 Mio. Euro, Finanzvorstand Johann Knöbl 3,45 Mio. Euro sowie die börsenotierte Beteiligungsgesellschaft Unternehmens Invest AG (UIAG) 19,21 Mio. Euro, die damals im Einflussbereich von Kurt Stiassny und Christian Nowotny stand. Stiassny und Nowotny werden ab 17. Jänner 2011 als ehemalige Libro-Aufsichtsratschef bzw. dessen Stellvertreter auf der Anklagebank Platz nehmen. Neben diesen vier Beschuldigten wird auch Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann Untreue, Schwerer Betrug und Bilanzfälschung vorgeworfen. Allen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung, die Angeklagten weisen alle Vorwürfe zurück.

Neben dem Telekom-Investment geht es beim Prozess laut der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt auch um die Einnahmen aus dem Börsegang von rund 77,56 Mio. Euro und eine unrechtmäßige Dividendenausschüttung (Sonderdividende) an die "Altaktionäre" im Ausmaß von rund 31 Mio. Euro. (APA)

Der WebStandard auf Facebook

Share if you care.