Peter Husslein im Zentrum der Kritik

13. Jänner 2011, 16:30
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Nach der ORF-Sendung "Im Zentrum" steht der AKH-Gynäkologe im Zentrum der Kritik von Ärztekammer und Sparten-Vertretung

Wien - Aufregung unter österreichischen MedizinerInnen: Mit TV-Aussagen zur laufenden Diskussion über eine geplante Änderung der rechtlichen Haftung von Ärzten/Ärtzinnen, was die Frühdiagnostik von eventuellen Schädigungen bei Ungeborenen betrifft, ist der Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien (AKH), Peter Husslein, offenbar in die Schusslinie der eigenen Standesvertretung gekommen. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, und der Obmann der Kammer-Fachgruppe der GynäkologInnen, Gerhard Hochmaier, äußerten Mittwoch und Donnerstag in Aussendungen heftige Kritik an Husslein und stellten "mögliche Konsequenzen" in Aussicht.

Husslein hatte laut einer Mitschrift am Sonntag in der ORF-Sendung "Im Zentrum" zur Frage der Haftung von Ärzten/Ärztinnen in der Pränataldiagnostik gesagt: "Aber das Wirksamste ist natürlich schon der Schadenersatz. Es ist wesentlich wirksamer als das ärztliche Ethos. Das ärztliche Ethos ist ganz, ganz wichtig und müssen wir auch immer in der Ausbildung predigen. Aber der wirkliche Druck, ordentlich zu arbeiten, der kommt nun einmal beim Menschen dann, wenn sie Angst haben, dass sie einen Schaden haben." Würde man die Haftung von GynäkologInnen verringern, "dann bin ich (Husslein, Anm.) in großer Sorge um die Qualität und dass sehr viele GynäkologInnen dafür sind, dass die Haftung rausgenommen wird, ist einfach, weil sie Angst haben, bei Fehlern Klagen nach sich gezogen zu bekommen."

Darauf replizierte bereits am Mittwoch der ÖÄK-Chef Walter Dorner scharf. Er wies die Aussage des Gynäkologen, wonach Ärztinnen und Ärzte nur unter Strafandrohung das PatientInnenwohl gewährleisten könnten, "mit aller Vehemenz als Rufschädigung eines Berufsstandes, insbesondere der GynäkologInnen", zurück. Dorner: "Es ist nachgewiesen, dass Sanktionen zu Defensivmedizin führen, die niemandem nützt, Angst bei Ärzten/Ärztinnen und PatientInnen verbreitet und immense Kosten verursacht."

"Inakzeptables Verhalten"

"Der Ärztepräsident bezeichnete das Verhalten Hussleins abschließend als inakzeptabel, weshalb man sich nach genauer Prüfung des Sachverhalts auch weitere Schritte vorbehalten werde", hieß es in einer Aussendung der Ärztekammer. Der Obmann der Bundesfachgruppe Gynäkologie und Geburtshilfe, Gerhard Hochmaier, legte am Donnerstag in einer weiteren Aussendung der Österreichischen Ärztekammer sprichwörtlich nach: Husslein diskreditiere alle österreichischen Frauenärztinnen und Frauenärzte, dieses Verhalten sei "verwerflich" und erfordere auch entsprechende Konsequenzen, meinte Hochmair und fügte hinzu: "Die Unterstellungen Hussleins sind falsch und unethisch, sie werden von uns mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen."

Der Chef der Wiener Universitäts-Frauenklinik konnte bisher offenbar nicht zu den Vorhaltungen Stellung beziehen. Er sei auf Urlaub im Ausland, teilte sein Sekretariat am Donnerstag auf Anfrage mit. (APA)

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