Wenige ATXler sitzen auf viel Cash

13. Jänner 2011, 13:43
posten

Barbestände und Investitionen unter den Wiener börsenotierten Firmen extrem ungleich verteilt

Wien - Den in Wien notierten Unternehmen ist es gelungen, ihr Geschäft nach der Krise zu stabilisieren und die Barbestände wieder auf ein hohes Niveau zu bringen - die wenigstens wissen mit dem Cash aktuell aber etwas anzufangen. "Trotz Zinsen auf niedrigstem Niveau gibt keinen Anreiz, Geld aufzunehmen, die Unternehmen sehen offenbar noch kaum attraktive Investitionsmöglichkeiten", sagt Helmut Kern, Consulting-Chef bei PwC Österreich. Die meisten Firmen, die Kredit bekommen könnten, wollten keinen - und die anderen bekämen oft keinen. Der Experte erwartet, dass die liquiden Firmen demnächst beginnen werden, die attraktiveren unter den finanziell Schwachen aufzukaufen.

Das Beratungsunternehmen stellte unter dem Motto "Abwarten und Teetrinken" am Donnerstag seinen zweiten Liquiditätsbericht vor. Im Unterschied zur ersten Veröffentlichung im vergangenen Herbst wurden diesmal nicht nur die Geldflüsse von 20 ATX-Unternehmen, sondern die 35 Betriebe des ATX-Prime analysiert. Nächstes Mal soll das Verhalten der Österreicher mit jenem ihrer deutschen und Schweizer Kollegen verglichen werden.

Im dritten Quartal 2010 haben die Investitionen 1,9 Mrd. Euro erreicht. Das ist zwar mehr als doppelt so hoch wie auf dem Tiefpunkt der Krise (1. Quartal 2009), aber deutlich unter dem Vorkrisenniveau.

Von den 35 untersuchten Unternehmen "entfallen rund zwei Drittel der Investitionen auf nur vier Unternehmen. Das ist ein klassisches Klumpenrisiko", sagte Kern. Die vier Konzerne - OMV, EVN, CA Immo und Verbund - hätten diese Gelder zum überwiegenden Teil außerhalb Österreichs investiert, bzw. Finanzinvestitionen getätigt (CA Immo kaufte Ost-Tochter). Davon abgesehen gebe es zwar "Ersatzinvestitionen, aber es wird praktisch nicht in neue Kapazitäten investiert".

Höhere Liquidität

Die aufsummierte Liquidität beläuft sich Ende September 2010 auf zusammen 8 Mrd. Euro - und ist damit höher als 2008 und in den ersten drei Quartalen 2009. Wie die Investitionen ist auch das Cash äußerst ungleich verteilt. Vier Konzerne verfügen zusammen über mehr als die Hälfte aller Barbestände (Strabag: 1,2 Mrd., OMV: 1,2 Mrd., Andritz: 1 Mrd. und Telekom Austria 800 Mio. Euro).

Diese liquiden Mittel können als Sicherheitspolster oder als Kriegskassa für Akquisitionen dienen, so Kern, der damit rechnet, dass ab dem im Frühjahr "der nächste M&A-Zyklus beginnt." Künftige Übernahmen würden aber in einem "Käufermarkt" stattfinden, in dem sich die finanzstarken Unternehmen die passende Kandidaten aussuchen würden. Es werde "etliche Unternehmen geben, denen finanziell die Luft ausgeht".

Für das (bisher noch nicht verarbeitete) vierte Quartal 2010 rechnet Kern mit einem wachsenden Cash Flow, "aber keinen wesentlichen Veränderungen bei den Investitionen". Die Eigenkapitalquote der analysierten Firmen liegt im Schnitt bei 42,4 Prozent und ist damit geringer als vor der Krise (rund 45 Prozent). Man sei damit "im internationalen Vergleich aber gut aufgestellt".(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.