Oft mehr als 25 Kinder in einer Klasse

13. Jänner 2011, 11:24
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Klassenschülerhöchstzahl wird oft überschritten - Rechnungshof ortet auch Mängel bei Bundesschulen

Wien - Die Klassenschülerhöchstzahl 25 wird vor allem an den AHS-Unterstufen häufig nicht eingehalten. Das zeigt ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht des Rechnungshofs (RH). Im Schuljahr 2008/09 gab es in rund 54 Prozent aller ersten Klassen der AHS mehr als 25 Kinder und - ohne gesetzliche Grundlage - vereinzelt sogar mehr als 30 Schüler. Auch in den Volks- Haupt- und Polytechnischen Schulen sitzen zum Teil mehr als 25 Schüler - interessanterweise vielfach an Privatschulen.

In seinem Bericht analysierte der RH die im Jahr 2007/08 begonnene Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen bis ins Schuljahr 2008/09. Demnach hat an Volks-, Haupt- und Polytechnischen Schulen die Klassenschülerzahl als Richtwert 25 zu betragen - Abweichungen sind nur aus besonderen Gründen wie z.B. dem Erhalt von Schulstandorten zulässig. Für die AHS-Unterstufe wurde der Höchstwert 25 festgesetzt, wobei eine Überschreitung um 20 Prozent (also auf 30 Schüler) erlaubt ist, um Abweisungen von Schülern zu vermeiden.

Grundsätzlich wurde das Ziel eines Absinkens der Klassenschülerzahlen auch erreicht: So sank etwa an den ersten Klassen der Volksschulen die Zahl der Klassen mit mehr als 25 Schülern zwischen 2006/07 und 2008/09 von 617 auf 70, an den ersten Klassen der Hauptschulen von 695 auf 80 und an den ersten Klassen der AHS-Unterstufen von 875 auf 610.

Lehrer-Planstellen geschaffen

Die Senkung der Klassenschülerzahl hatte übrigens starke Auswirkungen auf die Lehrerbeschäftigung: An Volks-, Haupt- und Polytechnischen Schulen wurden so rund 1.400 (2007/08) bzw. 2.620 (2008/09) Planstellen geschaffen, an den AHS-Unterstufen rund 80 (2007/08) bzw. 160 (2008/09).

Kritik übte der RH daran, dass das Unterrichtsministerium keine quantitativ messbaren Indikatoren für die Erreichung der Ziele durch die Schülerzahlsenkung festgelegt hat. Als mögliche Kenngrößen schlägt er dafür Dropout-, Repetenten- sowie Übertrittsquoten an höhere Schulen vor.

Zu wenig Kontrolle über Landesschulräte

Nach dem Controlling im Bereich der Pflichtschulen ist nun auch jenes der Bundesschulen (AHS bzw. berufsbildende mittlere und höhere Schulen) in die Kritik des Rechnungshofs (RH) geraten. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht werden zahlreiche Mängel aufgelistet. So fehlt etwa eine zentrale Steuerung: Derzeit ist das Controlling zwischen 14 Abteilungen und einer Stabstelle im Unterrichtsministerium sowie - bei Personal, Budget und pädagogischen Angelegenheiten - den neun Landesschulräten aufgeteilt. Dementsprechend unkoordiniert ist das System derzeit, wie der Bericht zeigt.

So weiß das Unterrichtsministerium laut RH bei den Bundesschulen etwa nicht, nach welchen Kriterien die Landesschulräte zusätzliche Ressourcen (Werteinheiten) verteilen - derzeit gibt es 19 verschiedene Zuschläge, von der Ganztagsbetreuung bis zur Senkung der Klassenschülerhöchstzahl. Uneinheitlich sind auch die Formulare für Meldungen der Schulen und die Qualität der Informationen, die die Schulen an das Ministerium schicken. Allein zur Schülerverwaltung werden derzeit sieben verschiedene IT-Softwares genutzt. Wie hoch die Kosten des Controllings sind, wird laut RH nicht regelmäßig ausgewertet.

Verbindliches Controllingsystem

Der Bund solle ein einheitliches und für alle Ebenen verbindliches Controllingsystem erarbeiten und laufend die dafür eingesetzten Ressourcen und Geldmittel erfassen, so der RH in seiner Empfehlung. Außerdem sollen Datenerfassungs- und Meldeverfahren vereinheitlicht werden, um den Aufwand zu minimieren. Für die zentrale Koordinierung und Steuerung des Controllings soll Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) eine Stabstelle einrichten, innerhalb des Ministeriums soll außerdem eine Zusammenführung von inhaltlich ähnlichen Aufgaben erwogen werden.

Der RH bemängelte auch, dass bei der Planung von Personalbedarf und -entwicklung eine koordinierte Vorgangsweise zwischen Ministerium und Landesschulräten fehle. Hier solle es künftig eine gemeinsame Personalplanung aus Basis konkreter Vorgaben des Ministeriums geben, so die Empfehlung. (APA)

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    Allein zur Schülerverwaltung werden derzeit sieben verschiedene IT-Softwares genutzt.

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