Chef der Eurogruppe sieht keine Krise

13. Jänner 2011, 09:11
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Zürich - Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, sieht den Euro auch in Zukunft als stabile Währung. "Wir haben keine Euro-Krise, wir haben eine Verschuldungskrise", sagte Juncker am Mittwoch in Zürich. "Der Euro bleibt eine stabile Währung", betonte er und fügte hinzu, es sei keine Katastrophe für den Euro, dass sein Kurs gegenüber dem Schweizer Franken um rund 15 Prozent gefallen sei. "Den Euro wird es noch länger geben als mich", lautete sein Fazit.

Der ehemalige luxemburgische Ministerpräsident traf sich in Zürich mit dem Schweizer Ex-Minister und EU-Gegner Christoph Blocher (Schweizerische Volkspartei/SVP) zu einem Streitgespräch. Der SVP-Vize hatte den Chef der Eurogruppe im Vorfeld der Nazirhetorik bezichtigt. Der Schlagabtausch war engagiert und originell.

Freundschaftliche Stimmung

Das erstmalige Aufeinandertreffen der beiden am Mittwochabend verlief aber in guter, fast schon freundschaftlicher Stimmung. Der Schlagabtausch war engagiert und originell, die zwei Politiker brachten das Publikum mit ihren Aussagen immer wieder zum Lachen. Zuweilen verbrüderten sie sich sogar gegen die Gesprächsleiter.

Blocher warf Juncker vor, er habe die Schweiz im Interview als "geostrategisches Unding" und als "weißen Fleck auf der europäischen Landkarte" bezeichnet. Bei solchen Aussagen sei er sehr empfindlich. "Mich hat das an die Nazi-Rhetorik erinnert." Hitler habe die Schweiz als freches Stachelschwein bezeichnet.

So dürfe man nicht miteinander reden, sagte Juncker. "Mein Land und meine Familie haben sehr gelitten unter dem Nazi-Regime." Er habe im Interview nur betonen wollen, dass er sich einen Beitritt der Schweiz zur EU wünschen würde. "Ich weiß aber gut, dass man Zurufe über den Zaun nicht braucht."

Blocher habe sein Interview unkorrekt reflektiert, es sei sogar sehr schweiz-freundlich gewesen. Aber: "Liebeserklärungen versteht man im ersten Augenblick selten", sagte Juncker. Der EU würde mit dem Beitritt der Schweiz eine substanzielle Dosis an gesundem Menschenverstand eingeimpft werden, sagte er.

Blocher entgegnete darauf, dass es nur ein paar Politiker sein würden, die nach Brüssel kämen. "Und diese verlieren jeweils sehr rasch den Verstand, wenn sie an Sitzungen der EU teilnehmen." "Dann waren Sie wohl zu oft an solchen Sitzungen in Brüssel", konterte Juncker und erntete sogar das Lachen des SVP-Strategen.

Im zweiten Teil des Gesprächs diskutierten die beiden Politiker vorwiegend sachlich über die Unterschiede der beiden Kleinstaaten Schweiz und Luxemburg, den Euro oder auch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Meinungen gingen dabei meist diametral auseinander. (APA/Reuters)

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