Schäden "wie nach Krieg"

13. Jänner 2011, 10:43
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Mindestens 13 Tote - Dutzende Vermisste - Hochwasser unter Rekordmarke

Sydney - Das Hochwasser in Australiens drittgrößter Stadt Brisbane ist unter der befürchteten Rekordmarke geblieben. Dennoch lagen ganze Stadtteile am Donnerstag unter Wasser. Mehr als 10.000 Häuser wurden überschwemmt und immense Schäden angerichtet. 100.000 Haushalte waren ohne Strom. "Auf uns kommt ein Wiederaufbau wie nach einem Krieg zu", sagte die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh. Eine solche Naturkatastrophe habe der Teilstaat noch nie erlebt.

Auch finanziell richtet die Naturkatastrophe einen großen Schaden an. So könnte die Flut das Wirtschaftswachstum um einen Prozentpunkt reduzieren, was fast 13 Milliarden US-Dollar (10,02 Milliarden Euro) weniger Wirtschaftsleistung entspräche, sagte ein Zentralbankmitglied. Die Versicherer rechneten damit, dass sie die Überschwemmungen bis zu einer Milliarde US-Dollar (771 Millionen Euro) kosten könnten.

Touristen vor Ort

Doch Entspannung soll nicht in Sicht sein, denn es würde wieder eine Flutwelle erwartet, wie der aus Ebensee (Oberösterreich) stammende Tourist Martin Schlager in einem Telefongespräch am Donnerstag früh erklärte. Auch für Freitagvormittag sei mit einem erneuten Anstieg des Wasserpegels zu rechnen. Er befinde sich mit seiner Partnerin Magdalena Krug aus Reichraming in dem auf einer Anhöhe gelegenen Stadtteil New Farm, das Wasser reiche aber bereits bis zum Fuß des Hügels.

Supermärkte leer

Die meisten Supermärkte in Brisbane sind laut Schlager inzwischen leer gekauft und geschlossen. Auch der öffentliche Verkehr sei zum Erliegen gekommen. Die Behörden geben über den Rundfunk bekannt, in welchen Stadtteilen das Wasser noch trinkbar ist und wo es wegen Bakterien-Verseuchung bereits abgekocht werden muss. Schlager und Krug konnten mit eigenen Augen sehen, wie am Brisbane River Pontons und Restaurants von den reißenden Wassermassen weggeschwemmt wurden. Viele Menschen, die versuchten, in ihre Häuser zurückzukehren, hätten von den Behörden wieder evakuiert werden müssen.

Am Donnerstag wurde im Lockyer-Tal westlich von Brisbane die Leiche eines Mannes gefunden. Damit kamen durch das Hochwasser, das eine Fläche größer als Deutschland und Frankreich zusammen überschwemmt hat, mindestens 13 Menschen ums Leben. Dutzende wurden vermisst.

Unter Rekordmarke

Das Hochwasser in Brisbane stieg nicht über die Marke von 4,46 Metern. Das war zwar rund ein Meter weniger als bei der verheerenden Überschwemmung 1974, doch ist die Stadt seitdem erheblich gewachsen, so dass die Schäden deutlich höher liegen. Der Brisbane River rauschte mit zerstörerischer Kraft durch die Zwei-Millionen-Stadt und riss alles mit sich, was am Ufer stand.

In tief gelegenen Stadtteilen waren nur noch die Dächer der Häuser über der Wasseroberfläche zu sehen. "Viele Leute werden zu ihren Häusern zurückkehren und feststellen, dass sie dort nie wieder wohnen können", sagte Bligh.

Die Regierungschefin erinnerte daran, dass die Flutkatastrophe dreiviertel von Queensland unter Wasser gesetzt hat. Auch in Rockhampton 650 Kilometer weiter nördlich kämpften die Menschen immer noch mit den Folgen des Hochwassers. Die Stadt ist immer noch weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Militärmaschinen seien im Einsatz, um Orte wie Townsville und Bundaberg mit dem Nötigsten zu versorgen.

Queen spendet aus Privatvermögen

Queen Elizabeth II. hat aus ihrem Privatvermögen für die Flutopfer gespendet. Die Summe werde nicht bekanntgegeben, sagte ein Palastsprecher in London. Als Oberhaupt der Staatenverbundes Commonwealth ist Elizabeth auch die Königin von Australien. Bereits zum Jahreswechsel hatte sie den Flutopfern ihr Mitgefühl ausgesprochen. Sie sei sehr besorgt um die Menschen, die von den Fluten betroffen seien, hatte sie gesagt. Auch der britische Premierminister David Cameron drückte sein Mitgefühl in einem Telefonat mit seiner australischen Amtskollegin Julia Gillard aus und bot Hilfe aus Großbritannien an. (APA)

  • Auch das Militär wird für den Wiederaufbau eingesetzt werden.
    foto: epa/dean lewins

    Auch das Militär wird für den Wiederaufbau eingesetzt werden.

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