Der Botschafterin deutlichste Botschaft

12. Jänner 2011, 20:02
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Maria Riesch ist der wohl wichtigste Werbeträger der Ski-WM in Garmisch - In die Favoritenrolle will sie sich aber nicht drängen lassen

Flachau - "Nein", sagte Maria Riesch nach ihrem Slalomsieg vor 15.000 Zusehern beim Flutlichtbewerb in Flachau. "Garmisch-Partenkirchen bezahlt mir für diese Extrawerbung nichts. Das habe ich gerne gratis gemacht." Vom 7. bis 20. Februar wird im oberbayerischen Ort um Medaillen gefahren. Und die 26-jährige Partenkirchenerin nimmt ihre Rolle als offizielle WM-Botschafterin besonders ernst. Denn vor allem die Hoffnung auf Siege der Lokalmatadorin soll deutsche Massen und Medien nach Garmisch-Partenkirchen locken.

Riesch, die seit 21 Jahren für den Skiclub Partenkirchen fährt, gilt als das Aushängeschild der deutschen Skifahrt - männliche Abteilung inklusive. In Flachau gelang ihr nach vier zweiten Plätzen der erste Saisonerfolg in ihrer besten Disziplin. "Das war einer meiner schönsten Siege", sagte Riesch, die sich den Erfolg mit der Finnin Tanja Poutiainen teilte. Was für die vierfache Saisonsiegerin Marlies Schild freilich das Worst-Case-Szenario bedeutete. Denn während die Konkurrentinnen voll punkteten, schied die 29-jährige Salzburgerin zum zweiten Mal in dieser Saison aus. Im einschlägigen Spezialweltcup übernahm Riesch mit 420 Punkten vor Poutiainen und Schild (je 400) die Führung.

Im Gesamtweltcup hat die Allrounderin, die schon die zwei Saisonabfahrten in Lake Louise für sich entscheiden konnte, ihren Vorsprung auf Lindsey Vonn auf fast 200 Punkte ausgebaut. Die US-Amerikanerin, beste Freundin von Riesch im Weltcup-Zirkus, war in Flachau zum bereits vierten Mal in Folge in einem Slalom gescheitert. "Die Saison dauert noch lange", will Riesch noch nichts von einer Vorentscheidung wissen. "Das wird wieder ein dauerndes Hin und Her mit Lindsey. Aber ich hoffe, ich kann mein Niveau noch lange halten."

Was das für die WM-Bewerbe in ihrer Heimat bedeutet, kann sich Riesch ausmalen. Die öffentliche Erwartungshaltung wird steigen und steigen. Und dass ihr die Hänge in Garmisch-Partenkirchen liegen, hat die Zollbeamtin im Vorjahr beim Weltcup-Finale unter Beweis gestellt: Erste in der Abfahrt, Dritte in Slalom und Riesenslalom, Vierte im Super-G. Den WM-Slalom wird Riesch außerdem als amtierende Weltmeisterin (2009, Val d'Isère) und Olympiasiegerin (2010, Vancouver) bestreiten, die Superkombination nur als Olympionikin.

Aber es wäre nicht Riesch, hätte sie nach dem Bewerb in Flachau nicht gesagt: "Das ganze Team hat mit den Saisonleistungen schon gute Werbung für die WM gemacht. Solche Erfolge helfen zusätzlich weiter."

Neben Deutschlands Sportlerin des Jahres 2010 schaffte es in Flachau zwar keine weitere DSV-Athletin unter die besten Zehn, aber immerhin punkteten sechs Läuferinnen. Für den zweiten Durchgang hatten sich von neun Damen acht qualifiziert.

"Eine Pleite, keine Frage"

Im Lager des ÖSV sah es dagegen trist aus. Neun Läuferinnen wurden ins Rennen geschickt, alleine Kathrin Zettel verhinderte als Vierte einen Totalausfall. "Das ist eine Pleite, keine Frage", sagte Cheftrainer Herbert Mandl. "Nur: Es geben sich momentan alle unter ihrem Wert geschlagen."

Zettel zeigte sich mit ihrer Platzierung zufrieden, auch wenn sie sich beim Heimrennen "einen Platz auf dem Podium" gewünscht hätte. "Der zweite Lauf war so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vom Körper her fühle ich mich in Richtung WM immer besser."

Die nächste Chance, wahre Kräfteverhältnisse aufzuzeigen, bekommen die Österreicherinnen am kommenden Wochenende in Marburg. Am Samstag steht ein Riesentorlauf am Programm, am Sonntag ein Slalom. Im Vorjahr triumphierte Zettel in Slowenien gleich zweimal. Aber Maria Riesch warnt: "Marburg ist eine meiner Lieblingsstrecken." (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 013.01.2011)

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    Die Deutsche Maria Riesch hat bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen Chancen auf mehrere Medaillen.

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