Ein Krieger als Präsident eines neuen Staates

12. Jänner 2011, 19:07
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Salva Kiir führt den Südsudan in die Unabhängigkeit

Er wurde in der Nähe jener Grenze geboren, die wohl zu dem neuen Staat gehören wird, den er bald in die Unabhängigkeit führen wird. Das Dorf hieß Akon. 1956, als Salva Kiir Mayardit fünf Jahre alt war, wurde der Sudan unabhängig, doch schon bald brach ein Bürgerkrieg zwischen südsudanesischen Rebellen und der sudanesischen Armee aus. Salva Kiir, der zur im Südsudan mächtigen Gruppe der Dinka gehört, schloss sich schon in den späten 1960ern den Rebellen an. Da war er gerade mal siebzehn Jahre alt.

Innerhalb der Rebellenarmee stieg er zum Offizier auf. 1983 gehörte er zu den Mitbegründern der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) unter dem Führer John Garang. Garang selbst hatte weniger militärische Erfahrung und stützte sich auf jene Kiirs. Für diesen war, Politiker und Krieger zu sein, immer dasselbe. Salva Kiir wurde die Nummer zwei hinter Garang. Doch das Verhältnis war nicht immer entspannt. 2004 kam es zu einem Putschversuch von Offizieren, die unter Kiirs Führung gegen den Friedensvertrag rebellierten.

Trotzdem beendete im Juli 2005 der Friedensvertrag den jahrzehntelangen Bürgerkrieg. Nur wenige Wochen danach kam John Garang bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben, und Salva Kiir folgte ihm als Präsident des Südsudan, Führer der Streitkräfte des Südens und Vizepräsident des Sudan nach. Im April 2010 wurde er dann als Präsident des Südsudan mit 93 Prozent wiedergewählt.

Der "Commander" , wie er genannt wird, gehörte immer zu den klaren Verfechtern einer staatlichen Unabhängigkeit des Südsudan. Es gebe nur die Wahl, ein Leben als Zweitklassierter in einem vereinten Sudan zu leben, oder eben die Unabhängigkeit, sagt er. Der Mann mit dem großen schwarzen Hut und dem dichten Bart gilt als bescheiden und schweigsam. Sein Arabisch ist besser als sein Englisch. Zuweilen predigt der Katholik in der Kathedrale in Juba.

Auf Salva Kiir kommen nach der Euphorie über das Unabhängigkeitsvotum schwierige Aufgaben zu: Er muss mit dem Norden den Verlauf der Grenze, die Aufteilung der Einkünfte aus dem Öl und die Verwaltung der umstrittenen Region Abyei ausverhandeln. Am Land fehlt es zudem an allem: Straßen, Gesundheitsversorgung und sauberem Wasser.

Kürzlich sagte Kiir, das Referendum sei erst der Beginn einer langen Reise. Er liebt Fußball. Und er weiß nicht, wie viele Kinder er hat. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2011)

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