Weg mit der Kirchensteuer!

12. Jänner 2011, 18:15

Höchste Zeit, dass sich die Ursachenforschung für die zunehmenden Austritte aus dem katholischen Glaubensverband auch einer Systemfrage stellt: Plädoyer für die Befreiung der Kirche von ihrem via Steuerpflicht oktroyierten "Behördenstatus"

Auf die in diesen Tagen erfolgte Meldung von der Rekordaustrittsrate aus der katholischen Kirche gibt es die erwartbaren Reaktionen ihrer Mitglieder: Man hört einerseits, dass es in der Kirche einen Reformstau gibt, der Anlass zu den Austritten bietet (Zulehner, Feichtlbauer usw.), andererseits hält der Wiener Kardinal fest, dass die Kirchenflucht nicht zuletzt Folge vom Übergang der "Traditionskirche" hin zu einer "Entscheidungskirche" ist. Gleichzeitig aber beruhigt ein Direktor der steirischen Finanzdiözesankammer mögliche besorgte Mitglieder, dass das System insgesamt nicht in Frage gestellt sei. Darin liegt aber der grundsätzliche Irrtum!

Das System der "Kirchensteuer" als solches ist falsch und der Grund für die Austritte und den zunehmenden Zusammenbruch der Kirche in Österreich.

Außerhalb des deutschsprachigen Raumes käme keine Kirche auch nur auf die Idee, ihre getauften Mitglieder unter Androhung von staatlichen Zwangsmaßnahmen und kirchlicher Exkommunikation zu einer Zahlung zu verpflichten. Wenn man etwa italienischen Katholiken bis hin zu Bischöfen das österreichische Kirchenbeitragssystem zu erklären versucht, erntet man nur entsetztes Kopfschütteln.

Letztlich fügt sich dieses System, auch wenn in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft der Kirche aufoktroyiert, in eine ganz bestimmte kirchliche und gesellschaftliche österreichische Tradition ein: nämlich jener der beiden Obrigkeiten "Thron" und "Altar", deren Kammern, Räte etc. das bildeten, was sich in unserem Sprachschatz als obrigkeitliche "Behörde" eingebrannt hat, der der "K. u. k. Untertanenverband" gegenübersteht. Während allerdings der "Thron" heute wenigstens formal nicht mehr besteht, existierte bis vor nicht allzu langer Zeit die zweite "Behörde" überraschend unangefochten, nämlich der "Altar".

Nur in einem Selbstverständnis als Behörde kann eine Kirche eine vom Volksmund zu Recht so genannte "Kirchensteuer" einfordern, Mitglieder amtlich registrieren und bei Nichtbeachtung eines Erlagscheines pfänden lassen.

Genau dieses Selbstverständnis ist der Grund, warum die Kirche in kaum einem anderen Land der Welt so abgelehnt wird wie in Österreich und warum tatsächlich für viele der erste Schritt in die Emanzipation der Gang zur staatlichen Behörde ist, um sich dort wenigstens von der kirchlichen abzumelden.

Kardinal Christoph Schönborn trifft den Punkt genau, wenn er den Abschied von einer bestimmten kirchlichen Tradition einfordert, aber der erste und entscheidende Schritt dahin ist der bedingungslose Verzicht auf das Kirchensteuersystem!

An ihm hängen allerdings viele Arbeitsplätze und immense, oft nicht beachtete Leistungen kultureller und sozialer Art für die Gesellschaft insgesamt (Erhaltung kultureller Güter, soziales und spirituelles Engagement in Segmenten, die vom Staat kaum oder gar nicht mehr erreicht werden usw.), weshalb eine Änderung natürlich einer Übergangsfrist bedürfte.

In dieser müsste dann darüber diskutiert werden, ob nicht Teile eines von allen zu errichtenden "Kulturbeitrags" der Aufrechterhaltung einiger dieser Leistungen dienen sollte. Am Ende stünde dann eine Kirche, die ihren Status als Obrigkeit verloren und dafür Glaubwürdigkeit gewonnen hätte, womit sie der Gesellschaft einen freieren Zugang zur eigenen, nicht zuletzt christlich geprägten Kultur ermöglichte.  (Kurt Appel, DER STANDARD, Printausgabe 13.1.2011)

KURT APPEL ist Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Leiter der universitären Forschungsplattform "Religion and Transformation in Contemporary European Society".

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    Posting 1 bis 25 von 220
    1 2 3 4 5
    bbbbbbb
    10
    11.6.2011, 10:36
    eine völlig unnötige Debatte!

    Man kann ja austreten, dann erledigt sich das Thema von selbst!

    Pascal_M
    00
    15.1.2011, 08:52
    Ohne Religion....

    aufzuwachsen muss ja nicht sein, nur weil man noch keiner religiösen Gemeinschaft angehört. Auch Eltern können ihren Kindern etwas über Religion, Glaube, Sinn des Lebens erklären. Wenn das Kind dann alt genug ist sich für eine Gemeinschaft zu entscheiden dann sollte es selbst diesen Schritt tun. Keine Zwangstaufe. Übrigens war selbst Jesus erwachsrn als er dich taufen lies, falls man an diese Erzählung als Christ glaubt.

    Pascal_M
    00
    15.1.2011, 08:55

    Wollte eigtl. Gobi.. antworten. sorry

    Woodpecker
    00
    14.1.2011, 08:12
    "Kulturbeitrag die 2."

    einen ungeliebten Kulturbeitrag zahlen wir schon mit der ORF-Steuer.
    Die Regierung wäre schön blöd, noch mehr potenzielle Wähler zu vergraulen. Das soll die Kirche schön brav selbst erledigen. Wenn dann die Kirchengüter billigst (Notverkäufe, Versteigerungen) zu haben sind, sollte die BIG etwas "Kampfbudget" übrig haben.
    Viele Kirchenbauten eignen sich als Tourismusattraktionen, die sich durch Eintrittsgelder und Tourismusabgaben der Reiseanbieter (jawoll) zumindest eine gewisse Zeit lang erhalten lassen.
    Der Rest kann anderweitig verwertet werden.

    Cuzco
    00
    13.1.2011, 19:02
    wenn sie das ueberall auf der Welt schaffen....

    dann koennen sie auch in Oesterreich mal laut drueber nachdenken ob es ohne Zwangsbeglueckung geht.

    Dann wuerden naemlich viele wieder eintreten sofern die internen Probleme auch geloest wuerden.

    Mir tut die Kirche bei Gott nicht leid, (siehe Laendereien die dem Stift Klosterneuburg gehoeren).

    Sollen sie einen Eintritt in der Kirche verlangen!

    Vergelt's Gott!

    thor42
    10
    17.1.2011, 20:03
    Keine Zwangsbeglückung

    In Österreich gibt es keine Zwangsbeglückung, soweit es die Kirchensteuer betrifft. Man kann ohne weiteres aus der kath. Kirche austreten. Kein Problem.

    Gobi Todic
    13
    13.1.2011, 17:27
    Noch besser

    Kinder wachsen ohne Religion auf und dürfen erst ab 18 entscheiden ob sie diesem Privatverein beitreten möchten.

    as ri
    21
    13.1.2011, 18:42

    Religion und Kirche und Privatverein sind zumindest 2 Paar verschiedene Schuhe, deren Unkenntnis auf die von Ihnen geforderte Nicht-Aufklärung zurückzuführen ist
    #

    Schürzenbusenvisage
    00
    13.1.2011, 18:30
    Ja toll..

    und was wenn ihnen vor ihrem 18. Lebensjahr etwas zustößt? ;D

    Mc Gregger
    00
    13.1.2011, 16:59
    Im Zuge einer Verwaltungs - Staats und Steuerreform

    müsste man auch über den gestzlichen Kirchenbeitrag nachdenken; es ist eine Degradierung f die Kirche, wenn sie einen quasi-behördlichen Status hat.

    Wo bleibt das spirituelle Element? Man hört nichts bis wenig dazu; die Esoterik boomt, in großen Buchhandlungen gibt es dort einen Stau, so kann man schließen, dass es eine starke Nachfrage danach gibt..die Kirche? zählt die Kohle und bedauert, dass immer weniger in die Kirche gehen. Liberale u volksnahe Pfarrer werden als "Konzilspfarrer" verachtet, die hardliner haben dafür das Wohlwollen Roms, was soll das? Ist das der weg aus der Krise?

    rosentod
    12
    13.1.2011, 16:36

    "[Am Kirchensteuersystem] hängen allerdings viele Arbeitsplätze und immense, oft nicht beachtete Leistungen kultureller und sozialer Art für die Gesellschaft insgesamt"

    Wenn das ein katholischer Theologe in Österreich von sich gibt ist das eine leere Phrase und sonst gar nichts.
    Wo bleiben die Beispiele?
    Ach ja:

    "(Erhaltung kultureller Güter, soziales und spirituelles Engagement in Segmenten, die vom Staat kaum oder gar nicht mehr erreicht werden usw.)"

    Erhaltung kultureller Güter - sind das andere als Kirchenbauten? Die interessieren mich nämlich nicht. Stift Melk, Krems, etc. wo unsagbare Schätze gelagert sind die sich die Kirche in der vergangenen Zeit unter den Nagel gerissen hat, können ans Denkmalamt übergeben werden.

    rosentod
    02
    13.1.2011, 16:38
    Fortsetzung

    "Soziales Engagement" - siehe Caritas Jahresberichte des letzten Jahrzehnts. Knapp unter 9% der Finanzierung stammen aus dem Kirchenbeitrag, der Rest aus anderen Quellen.
    Das soziale Engagement der Kirche bezeichne ich nach wie vor als aufgeblasene Behauptung, bis mir jemand anderes darstellt.

    "Spirituelles Engagement" - halte ich für so notwendig wie einen Kropf.
    Die Menschen die es brauchen sollen dafür bezahlen, die anderen bekommen das was wir alle bezahlen (Sozialer/Psychologischer Notfalldienst, etc.).

    ranchorelaxo
    01
    13.1.2011, 16:34

    zahlt diese sekte eigentlich steuern für diese, im schlimmsten fall per exekutor eingetriebenen "zwangssteuern"?

    wasweißich?
    00
    13.1.2011, 16:14
    Kulturbeitrag - so ein Blödsinn

    das geht dann wie etwa die sogenannten Öko-Steuern 1:1 ins marode System ohne für den eigentlichen Zweck verwendet zu werden

    keep cool1
     
    51
    13.1.2011, 15:46
    Wer die Obrigkeit nicht mag, kann ihr leicht entfliehen!

    Niemand wird gezwungen,
    - der Kirche beizutreten
    - sich taufen lassen
    - kirchlich zu heiraten
    - sich kirchlich begraben zu lassen
    - den Religionsunterricht beizuwohnen
    - eine kirchliche Bildungsinstitution zu besuchen
    und, und, und..

    Es stellt sich jedoch die Frage - ob die Kirchen ihre heutigen Aufgaben - z.B Renovierungen von Kirchen- und Kulturgütern, soziales Engagement am Beispiel Caritas - von Spenden alleine abdecken könnten.
    Hier müsste sicher Vater Staat mit deutlich höheren Zuschüssen oder Eigenleistungen einspringen!

    Viel wichtiger wäre jedoch - das gilt vor allem für die Katholische Kirche - dass sie endlich einen längst überfälligen Reformkurs in Richtung 21. Jhd.
    - Heirat der Priester
    - Frauen als Priester
    beschreitet!

    Idefix der zweite
     
    03
    13.1.2011, 19:12

    Ich bin nicht gefragt worden, ob ich getauft werden will, und bin auch keiner Kirche beigetreten, trotzdem war ich Mitglied bei dem Verein und musste auch den Religionsunterricht über mich ergehen lassen, bis ich alt genug war, um mich davon abmelden zu dürfen.

    Renovierungen von Kirchen und Kulturgütern sollen die Kirchen als Eigentümer finanzieren (MÜSSEN - Denkmalschutz), wie auch immer sie wollen, und wenn sie nicht können oder wollen, sollen sie Käufer suchen oder diese Güter dem Staat zur weiteren Pflege schenken.

    Soziales Engagement gehört staatlicherseits angemessen aus- bzw. aufgebaut, nicht Zuschüsse an Kirchen geleistet.

    Ob die Vereine sich dann reformieren wollen, ist ihre Sache und mir völlig unwichtig.

    keep cool1
     
    00
    17.1.2011, 14:55
    Kein Zwang - aus freier Entscheidung!

    Idefix der zweite - ich wäre dafür, dass das ganze Brimborium wie Taufe, Erstkommunion, Firmung - am Beispiel der Katholiken - frühestens ab einer gewissen Reife, z.B. ab 14 Jahre stattfindet.
    Stattdessen sollten ab der Volksschule in einem allgemeinen Ethik-Unterricht - unter anderem und nicht nur - wertfrei die wichtigsten Weltreligionen vorgestellt werden.
    Die Jugendlichen können dann selbst entscheiden - ob sie überhaupt - wenn ja - welcher Religion beitreten möchten.
    Ich bin ich ein Vertreter der Trennung von Kirche und Staat. Religiöse Symbole in Kindergarten, Schule und öffentlichen Gebäuden haben in einer aufgeklärten und multikulturellen Gesellschaft - nichts mehr zu suchen!

    Schürzenbusenvisage
    00
    13.1.2011, 18:34

    Das wäre dann eine art von Obrigkeit, die mir noch das wenigere Kopfzebrechen beschert...

    Mirstetta Toni
    00
    13.1.2011, 17:23

    - sich taufen lassen ?????

    Tussitherapeut
    03
    13.1.2011, 16:38

    der überwiegende großteil der katholiken wird sehr wohl gezwungen sich taufen zu lassen und somit der kirche beizutreten. ich hab zumindest bis jetzt kein baby erlebt, welches einspruch erhoben hätte.

    und dass die kirche, abesehen vom kirchenbeitrag, nur von spenden lebt, glaubst du ja hoffentlich selbst nicht. bitte mal überlegen, wieviele millionen euro die kirche jährlich als größter grundbesitzer österreichs aus pacht und vermietung einnimmt.

    tignosa
    00
    24.1.2011, 17:51
    ich hab gebrüllt wie am Spieß

    wußte damals wohl schon, das mir dieser Verein zuwider ist

    Ordovicium
     
    12
    13.1.2011, 15:24
    Vergebung

    Was ich bis heute nicht verstehe: In der Kirche bittet man um Vergebung und wenn man nicht zahlt drohen sie mit den Exekutor.
    Das ist der gleiche Glaubensbruch wie ein Blitzableiter auf der Kirchturmspitze.

    Jax
    03
    13.1.2011, 14:52
    Kulturbeitrag statt Kirchensteuer

    das würde gerade noch fehlen. Das bedeutet nichts anderes, als einigen Parade-Katholen auf Kosten der Allgemeinheit zur Sonntagsmesse die Kirchenbänke zu wärmen.
    Auch bezeichnend aus welchem Eck dieser Vorschlag kommt.
    Mitglieder sollen bezahlen, Nichtmitglieder - von einigem Brimborium ausgeschlosen - nicht. Amen.

    Opirker
    20
    13.1.2011, 14:51
    Warum nur "Kirchensteuer" abschaffen

    Warum jetzt einmal "ernstlich" nicht alle Steuern abschaffen?

    Aus der Kirche kann ich austreten, wenn ich mit ihren Repräsentanten nicht "kann" oder mir den Kirchenbeitrag "ersparen" möchte.

    Wenn ich mit manchen Politikern nichts zu tun haben will, oder mir die Steuern "sparen" möchte, kann ich leider gar nichts machen. Auswandern ist ja nicht wirklich eine Alternative.

    Und ob ich in der Kirche den Pfarrgemeinderat wähle oder den Nationalrat oder die Landtagsabgeordneten ist eigentlich ziemlich wurscht. Es ändert sich nämlich nichts!

    Truth Digger
     
    00
    13.1.2011, 15:01
    Nicht ganz zu Ende gedacht ...

    Sie glauben also, dass Sie Steuern fuer die Politiker zahlen? Das ist ein Irrtum.

    Die Strassen, die Sie jeden Tag benutzen, die Dienste von Polizei und Feuerwehr, die Sie im Notfall beanspruchen, die Schulen, die Sie und Ihre Angehoerigen besucht haben ...

    Das alles kostet Geld. Wir bezahlen ZU VIEL Steuern (wegen dem extrem dichten Sozialnetz und der ineffektiven Administration) jedoch KEINE STEUERN ZU ZAHLEN ist keine Option.

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    Posting 1 bis 25 von 220
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