Winterschattenwirtschaft

12. Jänner 2011, 18:15
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Das Regiedebüt von Courtney Hunt war in Österreich nie regulär im Verleih

Ray Eddy (Melissa Leo) hat mächtig Wut im Bauch. Ihr Mann ist mit Auto und Geld abgehauen. Letzteres hat sie mühsam angespart, um die Anzahlung für ein dringend benötigtes neues Fertighäuschen zu leisten. Jetzt sitzt sie mit den beiden Söhnen weiter in einem desolaten Quartier fest. Es ist Winter, tief verschneit und bitterkalt ganz oben im Norden der USA, nah an der kanadischen Grenze. Bald ist Weihnachten.

Auf der Suche nach Mann, Geld und Auto trifft Ray auf Lila Littlewolf (Misty Upham). Lila ist eine Mohawk, und sie hat genug eigene Probleme am Hals. Trotzdem kommt es dazu, dass Ray und Lila eine Zweckarbeitsgemeinschaft eingehen: Lilas Verbindungen und Ortskenntnis, kombiniert mit Rays wiedergefundenem Pkw und ihrem Status als weißer US-Bürgerin ergeben die perfekten Voraussetzungen, um illegale Arbeitskräfte über die Eisdecke des Grenzflusses in die USA zu schleusen.

Frozen River, der diese Geschichte mit Fokus auf marginalisierte Milieus und Personen erzählt - und mit durchwegs tollen Darstellerinnen und Darstellern umsetzt -, war in Österreich nie regulär im Verleih. Seine Rezeptionsgeschichte ist in gewisser Weise typisch fürs zeitgenössische US-Indie-Kino: Im Januar 2008 wurde das Regiedebüt von Courtney Hunt in Sundance uraufgeführt, ausgezeichnet und von der Kritik gut besprochen. Anschließend legte Frozen River international eine kleine Festivalerfolgsgeschichte hin, wurde aber vergleichsweise zögerlich für den Kinoeinsatz angekauft.

Nun ist er im Patschenkino angekommen - aber Regisseurin Hunt inszeniert inzwischen auch bei In Treatment Fernsehtherapiesessions mit Gabriel Byrne. Arte, 20.15 (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 13.1.2011)

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    "Frozen River" auf Arte: Donnerstag, 20.15 Uhr.

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