Das Jahr der "Ent­schleu­ni­gung" für Aktien

12. Jänner 2011, 18:12
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Analysten rechnen mit hohen Renditen aber normalisiertem Wachstum. In Europa könnten Unternehmen Rekordgewinne einstreifen

Wien/Frankfurt - Die Berichtssaison hat am Aktienmarkt für positive Impulse gesorgt. Am Dienstag konnte Alcoa mit dem Auftakt der US-Berichtssaison Analystenschätzungen übertreffen. "Die Berichtssaison ist gut gestartet," so Helge Rechberger, Leiter der Aktienmarktanalyse der Raiffeisenbank International (RBI). In den USA ist der S&P 500 seit Montag mit 1,6 Prozent im Plus.

Das Aktienjahr 2010 lief dank höherem Wachstum rund. Insgesamt sei die Entwicklung eine "Sensation" gewesen, wie es Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank ausdrückt. Zum Jahresbeginn 2010 schätzten Analysten die Jahresgewinne der Unternehmen im deutschen Leitindex Dax noch auf 54 Milliarden Euro ein. Es wurden nach aktuellen Prognosen deutlich mehr, 64 Mrd. Gewinn. 2011 werden die Gewinne laut Schätzungen auf 72 Mrd. Euro steigen, ein Jahresrekord. Die wichtigsten Analysehäuser rechnen für 2011 mit zweistelligen Aktienrenditen. Doch mit einem Gewinnwachstum von "nur" elf Prozent werde sich die Lage am Aktienmarkt "normalisieren", so Hürkamp.

Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da. So erwartet Ian Scott, Aktienstratege der japanischen Großbank Nomura, dass sich das Gewinnwachstum in Europa von 39 Prozent (2010), auf 15 Prozent (2011) abkühlt. Ähnlich sehen Schätzungen für die USA aus. "Es wird dieses Jahr eine klare Entschleunigung in der Gewinndynamik geben", erwartet daher Rechberger von der RBI.

Fragezeichen Banken, Umsatz

Ein Fragezeichen ist dabei der Finanzsektor. In den USA war das Gewinnwachstum im Vorjahr stark von Gewinnen bei Banken getrieben. Fast die Hälfte des gesamten Gewinnwachstums kam aus der Finanzbranche. Dabei sehen Analysten wie Hürkamp angesichts neuer Regulierungen und der europäischen Schuldenkrise den Sektor nicht positiv. In den USA dominiert der Immobilienmarkt die Bankenagenda. Am Freitag etwa legt die Großbank JPMorgan Chase Zahlen vor, dann wird Vorstandsvorsitzender Jamie Dimon ankündigen, ob die Bank erstmals seit Beginn der Krise eine nennenswerte Dividende an die Aktionäre ausschütten wird.

Dazu kommt, dass die Gewinne bislang überdurchschnittlich dank höherer Gewinnmargen, also Einsparungen, sprudelten. Für 2011 rechnen Analysten mit einer Wende. Die günstige Konjunkturlage sollte auch die Umsätze treiben. In Deutschland rechnet Andreas Hürkamp mit einer anhaltenden Nachfrage aus den Schwellenländern. Darauf bauen die Märkte derzeit: "Schwächeres Wachstum in den Schwellenländern wäre schlimmer für deutsche Aktien als die Verschärfung von Europas Schuldenkrise." (Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.1.2010)

 

 

  • Unternehmensgewinne sind 2010 noch in die Höhe gewachsen. Getrieben von Banktiteln wie der US-Bank JPMorgan Chase.
    foto: epa

    Unternehmensgewinne sind 2010 noch in die Höhe gewachsen. Getrieben von Banktiteln wie der US-Bank JPMorgan Chase.

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