Asche zu Asche

12. Jänner 2011, 19:08
17 Postings

Sollten Spanien und Italien ihre Schuldenlast nicht mehr schultern können, würde auch das deutsche Fundament einbrechen

Die Eurozone will offenbar ihre 2010 zurechtgelegte Krisentaktik heuer fortsetzen. Man könnte diese so umreißen: Das Fundament wird jedes Mal mit großen Kraftanstrengungen gestärkt, wenn das Gebäude unter der steigenden Last einzustürzen droht. Die nächste Reparatur besteht in einer Ausweitung des Rettungsfonds für angeschlagene Staaten und - so hört man - in einer ziemlichen Ausweitung der Tätigkeiten. So soll der Fonds künftig nicht nur Staaten finanzieren, die unter den Schirm schlüpfen, sondern auch Anleihen anderer kaufen, um deren Zinskosten zu drücken (das macht derzeit - etwas widerwillig - die Europäische Zentralbank).

Angesichts der umfangmäßigen und inhaltlichen Vergrößerung des Krisenmechanismus stellt sich schon die Frage, warum sich die EU nicht gleich zur Ausgabe von Eurobonds durchringt. Die würden zwar technisch anders abgewickelt, hätten aber eine ähnliche Wirkung: Die Defizite der schwachen werden durch Zuschüsse der starken Eurostaaten ausgemerzt.

Der Schwenk zur Transferunion kann so oder so nicht mehr geleugnet werden. Er ist auch durchaus diskussionswürdig, nur dann bitte im Klartext: Mit der Bürde der stabileren Länder steigt für sie auch die Ansteckungsgefahr. Sollten Spanien und Italien ihre Schuldenlast nicht mehr schultern können, würde auch das deutsche Fundament einbrechen und unter Euroasche begraben. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2011)

Share if you care.