Hubble-Aufnahme zeigt galaxiengroßen "grünen Fleck"

12. Jänner 2011, 18:47
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"Hanny's Voorwerp" ist Teil eines gewaltigen Gasschweifs um eine 650 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie

Washington - "SDSS J094103.80+344334.2" lautet seine offizielle Bezeichnung in astronomischen Katalogen, bekannt wurde er als "Hannys Objekt" oder genauer gesagt "Hanny's Voorwerp": Benannt nach der niederländischen Lehrerin Hanny van Arkel, die den seltsamen grünen Fleck 2007 entdeckte, als sie am Online-Projekt "Galaxy Zoo" zur Klassifizierung von Galaxien teilnahm.

Das etwa 650 Millionen Lichtjahre entfernte und im Sternbild Kleiner Löwe gelegene Objekt hat mit einer unserer Milchstraße vergleichbaren Ausdehnung zwar die Ausmaße einer Galaxie, ist aber keine. Das Objekt ist eine gewaltige Ansammlung von Gas, ihr grünes Leuchten rührt vom enthaltenen Sauerstoff her. Und offenbar ist der vermeintliche Fleck nur der gerade sichtbare Teil einer wesentlich größeren Struktur - eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die benachbarte Spiralgalaxie IC 2497, wie eine Untersuchung mit Hilfe des "Hubble"-Teleskops ans Licht brachte.

IC 2497 enthält bzw. enthielt einen Quasar, der gleichsam einen Scheinwerferstrahl auf Hannys Objekt richtete. Zum Rätsel wurde es, weil sich der Scheinwerfer inzwischen abgeschaltet hat: Der Quasar hat seine Leuchtkraft vor vergleichsweise kurzer Zeit - Astronomen schätzen 200.000 Jahre - um das hundertfache verringert, Hannys Objekt glüht derzeit einfach noch etwas nach. Derselbe Effekt dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass das Objekt ein 20.000 Lichtjahre großes Loch zu beherbergen scheint: Dessen scharfe Grenzen deuten darauf hin, dass hier das Licht des Quasars von einem ihm nahegelegenen Objekt abgeblockt wurde.

Teil von etwas Größerem

Und nicht nur das "Loch" ist eine optische Täuschung, sondern auch die Form von Hannys Objekt als vermeintlich allein durch den intergalaktischen Raum treibende Wolke: Radioastronomische Messungen zeigten, dass es Teil eines etwa 300.000 Lichtjahre langen Schweifs ist, der sich um die gesamte Spiralgalaxie zieht, allerdings großteils nicht im sichtbaren Teil des Spektrums wahrnehmbar ist. Solche Schweife sind die Folge sogenannter "galaktischer Gezeiten", also wenn eine Galaxie mit einer anderen interagiert und dadurch aus der Form gerät. Im Extremfall kann es auch zu einer Kollision kommen, und genau das dürfte hier passiert sein. Der Astronom William Keel von der University of Alabama, Leiter der "Hubble"-Studie, zieht aus den Bildern den Schluss, dass IC 2497 vor etwa einer Milliarde Jahre mit einer anderen Galaxie verschmolzen ist.

Darüberhinaus wurde mit der "Hubble"-Untersuchung festgestellt, dass Hannys Objekt keine zur Gänze inaktive Formation ist: Eine kleine IC 2497 zugewandte Region wird von einem aus dem galaktischen Zentrum kommenden Gasausstoß getroffen und aufgeheizt. In dieser aktiven Region bilden sich neue Sterne, die jüngsten davon sind erst einige Millionen Jahre alt. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hannys Objekt, darüber die Spiralgalaxie IC 2497

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