Bis zur letzten Schraube des Pandur vorbereitet

12. Jänner 2011, 17:32
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Wer wissen will, wie ein Berufsheer als Armee von Berufssoldaten funktionieren könnte, kann schon jetzt einen Blick auf jene Einheiten werfen, die für einen Auslandseinsatz bereitgehalten werden

In Eindhoven haben die Soldaten aus dem steirischen Straß eine interessante Entdeckung gemacht: Als sie im vergangenen Herbst zusammen mit den anderen Truppenteilen, die die international zusammengesetzte "EUBG 2011-1" bilden, zur gemeinsamen Übung angetreten sind, stellte sich ihre Einheit als die am besten gerüstete heraus.

Denn die Kaderpräsenzeinheit (KPE) des Jägerbataillons 17 verfügt als einzige Truppe der Battlegroup über gepanzerte Gefechtsfahrzeuge: Ihr Gerät ist zwar auch nur der Mannschaftstransportpanzer Pandur, aber im Vergleich mit den anderen teilnehmenden Armeen ist Österreich damit relativ stark vertreten.

"Die KPE ist die einzige Kompanie dieses Bataillons, welche aufgrund ihrer Ausbildung und Ausrüstung zum Ordnungseinsatz befähigt ist", meldeten die Berufssoldaten des Bundesheeres, als sie zurückkamen, um in ihrer südsteirischen Kaserne auf einen allfälligen Einsatzbefehl zu warten.

Das hängt auch mit dem Konzept der Battlegroups zusammen, in das das Bundesheer zum ersten Mal eingebunden ist: Es handelt sich hier definitionsgemäß um infanteristische Verbände, die rasch zu Kampf- und Sicherungseinsätzen verlegt werden können - etwa um Bürgerkriegsarmeen zu trennen. Jede nationale Armee hat dabei spezifische Fähigkeiten einzubringen - das Bundesheer nicht nur seine gepanzerten Transporter, sondern auch die (schon bisher für Einsätze im Kosovo trainierte) Fähigkeit zur "Crowd and Riot Control" (CRC). Die Einbettung von Kampfpanzern oder Artillerie ist nicht vorgesehen, wohl aber Pionier-, Sanitäts- und See- oder Lufttransportelemente, die die Verlegung ins Krisengebiet erst möglich machen sollen.

Grundsätzlich hält die EU pro Halbjahr zwei Battlegroups bereit (Näheres dazu im "Wissen"), Österreich ist im ersten Halbjahr in eine von den Niederlanden geführte Battlegroup eingebunden, in der auch Truppenteile aus Deutschland, Finnland, Litauen und eben Österreich mitmachen. Eine erste gemeinsame Übung - Rhino 2010 - fand in Eindhoven statt.

"In Anbetracht der kurzen Vorwarnzeiten für die EUBG im Ernstfall und der breiten Palette an möglichen Einsatzszenarien kann jedoch durchaus hinterfragt werden, ob die Durchführung einer gemeinsamen Übung überhaupt als ausreichend beurteilt werden kann", resümierte Übungsteilnehmer Hauptmann Georg Pilz in der jüngsten Ausgabe der Truppenzeitung Der Panther. Derartigen Bedenken soll eine weitere Formierungsübung Ende Jänner entgegenwirken.

Ziel unbekannt

Der österreichische Streitkräftekommandant Generalleutnant Günther Höfler erklärt im Gespräch mit dem Standard, dass es zum Wesen einer solchen schnell einsatzbereiten Kampfgruppe gehöre, dass man im Vorhinein nicht wissen kann, wohin man zu welchem Zweck abkommandiert wird - und mit welchen Transportmitteln man unterwegs sein wird. Wobei nicht nur das Ziel unbekannt ist, sondern auch, ob ein allfälliger (bisher noch nie erteilter) Marschbefehl der EU überhaupt der Truppe weitergegeben wird.

Denn das ist eine der Besonderheiten der multinationalen Truppe: Obwohl sie rasch verfügbar sein soll, muss in jedem einzelnen Land politisch entschieden werden, ob die grundsätzlich bereitgehaltenen Truppen für den konkreten Einsatz auch wirklich entsendet werden - eine Entscheidung, die im neutralen Österreich nicht von vorneherein ein Ja ergeben dürfte.

Das Militär ist jedenfalls für eine Entsendung "bis zur letzten Schraube des Pandur vorbereitet", wie Höfler stolz erklärt: Personell werden die 180 Mann aus der Kaderpräsenzeinheit gestellt - es sind also alles Berufssoldaten, die aufeinander eingespielt und zum Auslandseinsatz (auch finanziell) motiviert sind.

Die andere Seite ist die des Geräts: Hier hat die Truppe nicht nur eine komplette Pandur-Werkstätte, die in ein Krisengebiet verlegt werden kann - sie hat auch die Bewaffnung nachgerüstet, indem das Überschwere Maschinengewehr (ÜsMG) nachtkampftauglich gemacht wurde und panzerbrechende Waffen auf den Pandur geladen wurden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2011)

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