Wegen Hariri-Tribunals

Hisbollah bringt Regierung zu Fall

12. Jänner 2011, 17:34

Saudisch-syrischer Vermittlungsplan gescheitert – USA beharren auf Hariri-Tribunal

Beirut/Washington/Wien - Gestern, Mittwoch, früh verstrich die von der Hisbollah gesetzte Deadline zur Abwendung der Regierungskrise im Libanon: Bis dahin sollte Präsident Michel Sleimane den libanesischen Ministerpräsidenten, Saad Hariri, beauftragt haben, eine dringliche Kabinettssitzung einzuberufen: zum Zwecke, die libanesische Zusammenarbeit mit dem Hariri-Tribunal für beendet zu erklären.

Dieser von der Uno eingesetzte Gerichtshof untersucht das Attentat, bei dem im Februar 2005 der mehrfache Expremier Rafik Hariri - Vater des jetzigen Premiers - und weitere 22 Personen in Beirut getötet wurden.

Das Uno-Tribunal bereitet eine Anklage gegen Hisbollah-Mitglieder vor, wie wurde eigentlich schon vor Jahresende erwartet. Die Hisbollah - die nicht nur eine vom Iran gesponserte schiitische Miliz ist, sondern Regierungspartei - will das nicht hinnehmen. Sie und ihre Verbündeten stellen zehn von dreißig Ministern, die am Mittwoch ihren Rücktritt bekanntgaben - zusätzlich ging ein von Sleimane ernannter Staatssekretär. Damit war die Regierung gefallen, die erst seit Herbst 2009, nach längeren instabilen Zeiten, durch eine sorgfältige Ausbalancierung von Macht und Interessen der wichtigsten Gruppen zustande gekommen war.

Mit dem Austritt der Hisbollah aus der Regierung ist die saudiarabisch-syrische Vermittlungsinitiative endgültig gescheitert. Die beiden Länder, die in dem Hariri-Konflikt ursprünglich auf entgegengesetzten Seiten standen - Saudiarabien als Protektor des (zuletzt) syrienkritischen Rafik Hariri, Syrien als Verdächtiger im Mordfall -, hatten sich zusammengetan, um die Stabilität im Libanon zu retten.

Saudiarabien - und wie es schien, auch Saad Hariri - hatten sich offenbar bereits damit abgefunden, dass es Abstriche bei der Suche nach Gerechtigkeit geben würde, um die Hisbollah in der Regierung zu halten. Hariri hielt sich Mittwoch in den USA auf, wo derzeit auch König Abdullah von Saudiarabien ist, zur Rehabilitation nach einer Rückenoperation.

Es scheint jedoch, dass die USA, die lange zur Frage geschwiegen hatten, darauf beharren, dass das Hariri-Tribunal weiter seine Arbeit tut. Beobachter sprechen von einem amerikanischen "Veto" gegen den saudiarabisch-syrischen Plan. Nach einem Treffen mit Saad Hariri hatte Außenministerin Hillary Clinton die US-Unterstützung für das Uno-Tribunal betont. Hariri kündigte weitere Versuche an, die Regierung zu retten, wie es schien, vergeblich. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2011)

Kommentar posten
25 Postings
FANTASIE HOCH 10
50
13.1.2011, 10:53
Man frage den ASSAGE wer was gemacht hat und warum auf beiden Seiten behaart wird

Helicopterman
05
13.1.2011, 12:26
Eine ziemlich haarige Angelegenheit,

das Ganze.

fc_uk
00
13.1.2011, 09:25

Find ich gut. Der Libanon ist ein wunderschönes Land! Vor allem Beirut - das Paris des Nahen Ostens - ist eine atemberaubende Stadt!

mitrovic dejan
62
13.1.2011, 09:14
Mosad Agent ist schon unterwegs.

http://www.oe24.at/oesterrei... h/14916142

Totaler Durchblicksstrudel
01
13.1.2011, 09:35

er hat auch ein Putsch-Krapferl im Gebäck!

Nashwin_Fuller
 
72
13.1.2011, 08:06
Praktisch, diese Hariri Ermittlungen und Tribunale.

Bis vor kurzem war noch ganz sicher Syrien der Bösewicht, der angeblich hinter dem Attentat stecke.

Jetzt, da sich Syrien in der Folge etwas aus dem Libanon zurückgezogen hat, hat man plötzlich ganz sicher die Hezbullah (bzw. Iran) als Täter ausgemacht. Passt auch zufällig gerade gut zum Vorgehen gegen den Iran in Bezug auf angebliche WMD.

Sehr durchsichtig undurchsichtig das Ganze.

Makronaut
03
13.1.2011, 10:57

es gibt keinen wirklich relevanten unterschied zwischen hisb und syrien. die ersteren werden von letzeren bezahlt.

LA X
36
13.1.2011, 07:17
Ich hoffe, sie lassen die Israelis in Ruhe.

Sonst wars das mit Libanon...

hansen2
20
13.1.2011, 00:51
Gute Nachrichten!

Freund der Wirtschaft
74
12.1.2011, 23:01
Die USA beharren darauf, dass im Libanon geschieht, was sie wollen

Interessant!

Annata
00
12.1.2011, 22:13

Ah hab das mit Jordanien glaub ich verwechselt!

anders and
 
71
13.1.2011, 06:05
Herzlichen Dank!

Ich muss Ihnen jetzt nicht mehr völlige Ahnungslosigkeit nachweisen - das haben Sie soeben, in beeindruckender Weise, selbst erledigt.

Schön, dass Sie trotzdem mitposten; damit stabilisieren Sie das Niveau in den Islam-Foren.

Annata
32
12.1.2011, 22:13

War Libanon nicht mal eine relative offene Demokratie? 'In den 60er? Was ist passiert?

a grünes stricherl
 
113
12.1.2011, 21:26
Teheran befiehlt

und die Hezbollah folgt.

Amalrich
 
09
13.1.2011, 09:35

Wer zahlt, schafft an!

Oddball
00
12.1.2011, 19:24

Ich frage mich, wann das STL seine Anklage erhebt?

an kog
418
12.1.2011, 18:19

Ob die Hisbollah da wohl etwas zu verbergen hat...?

Man könnte es fast meinen.
Aber ich denke, dass bald einige kommen die erklären, dass eigentlich die USA und Israel...

Famous Blue Raincoat
72
12.1.2011, 19:05
Soviel zur Wissen in der Materie ...

... eine Partei mit Regierungssitz wird es wohl nicht auf sich sitzen lassen, wenn eine vom Koalitionspartner unterstütztes Tribunal sie des Mordes an einen Ex-Premier beschuldigt, welcher sogar noch der Vater des Premiers war. Achja, kommt noch dazu, dass die Saudis regelmäßig mit ihm in Riad Gassi gehen, während er mit ein paar Milliarden Schmiergeld um sich schmeisst.

Georg Schütt
415
12.1.2011, 18:51
Wieso verbergen? Sie zeigt doch ganz offen,

dass sie wieder - wie 2006, wie 2008 - bereit ist, den Libanon in eine politische Krise zu stürzen, wenn sie meint, es helfe ihr.

an kog
27
12.1.2011, 20:53

Sicher (wie immer) ein Befehl aus Teheran. Offenbar hat Teheran auch ein Interesse an ein wenig Instabilität in der Region.

Georg Schütt
112
12.1.2011, 21:28
Innerhalb der Regierung hätte die Hisbollah sicher größere Chancen, das Haager Tribunal zu verhindern. Nach dem Austritt jetzt hat sie ja kein politisches Druckmittel mehr in der Hand.

Es geht um eine Blockade der Regierung. Im Parlament oder aber sogar militärisch.

Ich denke, man versucht, die durch eine Anklage zu Schaden kommende Reputation durch einen militärischen Konflikt wiederherzustellen. Es wird nicht lange dauern, bis man versucht, israelische Soldaten zu entführen oder zu beschießen oder durch Raketen- und Mörserbeschuss eine Reaktion der IDF zu provozieren.

Man sollte gut aufpassen in Israel.

Am besten, es gelänge, zu erwartende Provokationen uns Leere laufen zu lassen, um in Ruhe die Anklage und den Prozessverlauf in Den Haag abzuwarten. Wenn die Hisbollah tatenlos zusehen muss, wie ihre Machenschaften vor aler Welt offen zu Tage treten, wäre das die denkbar größte Niederlage für sie.

Georg Schütt
210
12.1.2011, 18:18
Hosbollah lässt Regierung platzen wegen Hariri-Tribunal.

Selbst wenn man sich kein Urteil anmaßen kann zur Qualität der Anklage oder zur Berechtigung der Vorwürfe, selbst dann bleibt festzuhalten:

Der Hisbollah ist im Kern das eigene politische Wohl wichtiger als Stabilität im Libanon. Wäre dem nicht so, würde man die Regierung nicht für eine Anklage platzen lassen, die man ohnehin für erlogen hält. Das heißt wiederum, dass die ständigen Beteuerungen, die Hisbollah trete als Verteidiger des Libanon auf, pure Heuchelei sind: Geht´s hart auf hart, ist man bedenkenlos bereit, das politische Schicksal des Libanon zu riskieren.

Georg Schütt
29
12.1.2011, 18:04
Interessant doch nur, dass wirklich interessante Meldungen zur Hisbollah im Standard immer etwas untergehen.

Beispiel 1:
Der Iran hat die Hisbollah-Finanzierung von etwa 1. Mrd. US-$/Jahr wegen der eigenen Finanzprobleme arg drosseln müssen.
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php... f1a6272125

Beispiel 2:
"Eine von Wikileaks veröffentlichte diplomatische Depesche der US-Botschaft in Beirut benennt Abdelmadschid Ghamlusch, einen Schiiten aus dem Südlibanon. Bei einem Treffen mit US-Repräsentanten 2006 soll Aschraf Rifi, der Chef der libanesischen Internen Sicherheitskräfte (ISF), Ghamlusch als Täter ausgemacht haben."
http://www.welt.de/print/die... ollah.html

Tower Hill
00
13.1.2011, 06:51
Ad 2:

Aussagen von Rifi sollte man ein wenig mit Vorsicht betrachten. Er war einer der Hauptverantwortlichen, daß die Haririermittlungen lange Richtung Syrien vorangetrieben wurden. Syrien würde ihn gerne vor Gericht sehen - um sich für die jahrelange Inhaftierung von ihm Beschuldigter zu verantworten, die jetzt plötzlich unschuldig sein sollen. Eine undurchsichtige Figur.

Fritz Wunderlich
34
12.1.2011, 17:19

das hariri-tribunal als trigger
eine gefährliche situation

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