"Die Putschisten haben sogar das Tafelsilber gestohlen"

13. Jänner 2011, 07:04
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    "Man kann von einer Plünderung des Staates sprechen"

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    "Mit ein paar kosmetischen Reformen soll das Volk ruhig gehalten werden"

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    "Wenn die Soldaten die Unterstützung der Putschisten nur 15 Minuten aufgegeben hätten, hätte uns das gereicht, um die Kontrolle zu übernehmen"

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    "Die Fälscher des angeblichen Rücktrittschreibens Präsident Zelayas werden nicht verfolgt, weil das Dokument verloren gegangen ist"

Kleinbauernvertreter Rafael Alegría im derStandard.at-Interview über die Auswirkungen des Staatsstreichs gegen Präsident Zelaya

Rafael Alegría, Gründungsmitglied der Kleinbauernorganisation Via Campesina, ist im honduranischen "Rat des nationalen Widerstands" aktiv. Die landesweite Bewegung, die nach dem Militärputsch im Juli 2009 gegründet wurde, sieht sich als außerparlamentarische Opposition und will die Reformprojekte des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya fortsetzen. Berthold Eder traf Alegría, der derzeit auf Einladung des Lateinamerikainstituts Wien besucht, auf einen Kaffee.

***

derStandard.at: Das honduranische Parlament diskutiert derzeit mehrere Vorschläge, wie die Verfassung des Landes reformiert werden könnte. Dabei geht es unter anderem um den "steinernen" (unveränderlichen) Paragrafen, der eine Wiederwahl des Präsidenten untersagt. Was erhoffen Sie sich von diesen Reformversuchen?

Rafael Alegría: Dabei geht es vor allem um die absurden Regelungen, die derzeit Volksabstimmungen praktisch unmöglich machen. Um ein Referendum einzuleiten, benötigt man derzeit die Unterschriften von sechs Prozent der vier Millionen Wahlberechtigten. Dann müssen zwei Drittel der Abgeordneten zustimmen, und um Gültigkeit zu erlangen, muss sich eine Mehrheit von 51 Prozent der Wahlberechtigten (also nicht der Teilnehmer) für den Vorschlag aussprechen.

So viele Stimmen haben in den vergangenen Jahren nicht einmal alle politischen Parteien gemeinsam erreicht. Die ganze Reformdebatte im Parlament hat nur den Zweck, dem Widerstandsrat, von dem die Forderung kommt, das Wasser abzugraben. Mit ein paar kosmetischen Reformen soll das Volk ruhig gehalten werden.

derStandard.at: Kurz nach unserem Gespräch im Juli 2009 wurden sie verhaftet. Ist Anklage gegen Sie erhoben worden?

Alegría: Die Festnahme war der Polizei offenbar selber peinlich. Ich wurde eingesperrt, weil ich gegen die Ausgangssperre verstoßen hatte. Man brachte mich von einem Polizeirevier zum anderen, in den Journalen dort scheint mein Name allerdings nicht auf. Da Freunde aber wussten, wo ich festgehalten wurde, konnte man die Verhaftung nicht geheimhalten und musste mich nach sieben Stunden freilassen. Anklage wurde nie erhoben.

derStandard.at: Während des Militärputsches wurden mehrere Aktivisten ermordet. Gibt es Versuche, die Täter zu bestrafen?

Alegría: Die Staatsanwaltschaft hat bis heute keine Anklage in diesen Fällen erhoben. Gegen die oberste Ebene des Militärs wurde ermittelt, der Oberste Gerichtshof erteilte den Generälen aber eine Totalabsolution. Der Journalist David Romero wollte vergangene Woche von Parlamentspräsident Juan Orlando Hernández wissen, was gegen die Leute unternommen wird, die die angebliche Rücktrittserklärung Präsident Zelayas fälschten.

Die Antwort war, dass das Dokument leider verlorengegangen sei. Wegen der zwölf seit dem Putsch ermordeten Journalisten will die Regierung jetzt das FBI zu Hilfe rufen, aber bewirkt hat das bisher noch nichts.

derStandard.at: Derzeit ermittelt eine Wahrheitskommission, der mehrere lateinamerikanische Ex-Politiker angehören, wie es zum Putsch kam. Was erwarten Sie sich davon?

Alegría: Bei allem Respekt vor Eduardo Stein (Guatemalas Vizepräsident von 2004 bis 2008, Anm.): die honduranischen Mitglieder der Kommission stehen eindeutig auf der Seite der Putschisten. Julietta Castellanos, die Rektorin der Universität UNAM, hat zum Beispiel bei einem Arbeitskonflikt Militär und Polizei gestattet, den Campus zu besetzen. Ich denke nicht, dass sie es wagen werden, den Staatsstreich als solchen zu bezeichnen.

Der Bericht soll jedenfalls im März vorgelegt werden. Parallel dazu ermittelt eine weitere internationale Kommission, die von Menschenrechtsorganisationen gegründet wurde.  Wir werden sehen, inwiefern sich die beiden Berichte unterscheiden.

derStandard.at: Sind die Auswirkungen des Putsches noch zu spüren?

Alegría: Die Putschisten haben mehrere Gesetze erlassen, die weiter gültig sind, darunter ein umstrittener Terrorismusparagraf, die Privatisierung von Wasservorkommen und Bodenschätzen und eine Anordnung, die Teilzeitbeschäftigten untersagt, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Außerdem wurde der staatliche Fernsehsender Canal 8 an einen privaten Investor verscherbelt, was die jetzige Regierung per Sonderdekret rückgängig gemacht hat.

Putschpräsident Micheletti hat sogar Geschirr und Tafelsilber aus der Präsidentenresidenz an seine Freunde verteilt, das ist bewiesen. Man kann von einer Plünderung des Staates sprechen. Von 2009 auf 2010 hat sich die honduranische Auslandsverschuldung mehr als verdoppelt. Auch die Lebensmittelpreise sind drastisch angestiegen. Dass es in Honduras nicht genug Bohnen gab, ist noch nie vorgekommen.

derStandard.at: Wie ist die Menschenrechtslage?

Alegría: Der Konflikt um fruchtbares Land wird immer blutiger. An der Atlantikküste sind erst kürzlich 26 Kleinbauern getötet worden. Die Großgrundbesitzer bauen mit Unterstützung kolumbianischer Berater paramilitärische Gruppen auf, die die Bevölkerung terrorisieren. 

derStandard.at: Ein von Wikileaks veröffentlichter Lagebericht der US-Botschaft in Tegucigalpa belegt, dass Washington genau wusste, dass die Absetzung Präsident Zelayas illegal war. Wie erklären Sie sich, dass die USA den Putsch nicht schärfer verurteilten?

Alegría: Meines Wissens war das ein Deal zwischen Obamas Demokraten und den Republikanern, die dafür ihren Widerstand gegen die Bestellung Arturo Valenzuelas zum Unterstaatsekretär für die westliche Hemisphäre aufgaben. Postenschachereien waren ihnen offenbar wichtiger als unsere Demokratie. Leider hat sich die Lateinamerikapolitik der USA unter Präsident Obama kaum verändert.

Während des Putsches haben wir die US-Vertretung ersucht, auf das honduranische Militär Druck auszuüben. Wenn die Soldaten die Unterstützung der Putschisten nur 15 Minuten aufgegeben hätten, hätte uns das gereicht, um die Kontrolle zu übernehmen. Die USA haben großen Einfluss auf die Streitkräfte, weil viele Offiziere dort ausgebildet wurden und auch ihre Bewaffnung von dort kommt. (derStandard.at)

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Posting 1 bis 25 von 41
1 2
ulrichsasd
10
14.1.2011, 01:25
na und, waldheim in seiner uno wohnung auch

na ja,...wenn´s so is.
82
14.1.2011, 00:12
hj1

vergessen wir nicht dass in venezuela Chavez 2 mal geputcht hat. Endresultat über 160.000 Morde,... und in vzla ist kein Krieg,... Oder,... aber das kann man ja rechtfertigen. is ja n`linker nich wa.

napfiatgott
04
14.1.2011, 16:35
Quellen?

160.000 Tote - hört sich nach guatemaltekischem Genozid unter Rios Montt an...
Warum wohl weiss man davon nix?

Horst Holger
80
14.1.2011, 23:03
sich "Gott" zu nennen und nix wissen.....

ist peinlich! Wieviel Tote es genau in der Zeit seit Chavez waren, weiss man nicht so genau, jedoch sind es inzwischen über 50 Tote jedes Wochenende allein in Caracas. Rechnet man die Toten in den anderen Großstädte wie Maracaibo, Cd. Bolivar, Puerto la Cruz, Bqarquisimeto etc. zusammen sowie in Rest-Venezuela, sind es über 200 Tote allein an den Wochenenden und nachgewiesenermaßen über 50.000 in den letzten 11 Jahren. Klingt nicht nach guatematekischem Genozid, eher nach des Chavez Nichtstun! Auch nicht viel Schlimmer! Können Sie nicht wissen, napfiati, da noch nicht ausreichend mit dem Thema Venezuela beschäftigt....

hansito
50
14.1.2011, 22:57

Sind ca. 50 Morde in Caracas/Wochenende nicht genug für Sie? Was für Quellen wollens denn haben? Rotfähnchenschwinger, Sie outen sich, wie schon so vielmals! Kriminalitätsrate vor Chavez vs. bei Amtsantritt Chavez vs. jetzt! Hams des?

Ok, Chavez hat "nur" einmal geputscht! Mit vielen Toten! Der Vorposter kennt sich wahrscheinlich genausowenig aus, wie Sie!

Pepi friß weniger
09
13.1.2011, 21:34
Spitze - so sieht Journalismus aus !

dickes Lob, das ist mal etwas anderes als die gehirnamputierten APA-Meldungen :)

Horst Holger
192
13.1.2011, 20:06
zur Klarstellung:

der Ex-Präsident Zelaya hat Verfassungsbruch begangen und wurde ausser Landes gejagt. Nicht die feine Art wie es passiert ist, aber dennoch legitim. In Venezuela z.B. wartet die Bevölkerung auf ein ähnliches Ereignis, jedoch hat des Zelayas Präsi-Kompagnon Chavez sehr viel bessere Karten, da er inzwischen den Finger auf allen Staatgewalten hat, wer sollte ihn also ausser Landes jagen?!

Peacefaktor
00
28.3.2011, 00:19
Und der Bericht hier

bringt Sie nicht auf die idee, dass es den Menschen jetzt wesentlich schlechter geht als unter Zelaya?

Was sind Sie für ein menschenverachtender Typ???

Freude schöner Götterfunken
00
16.1.2011, 03:07
dann hoeren sie doch auf zu schwaetzen...

...und fangen endlich damit an, ihn ausser landes zu jagen.

Horst Holger
10
31.1.2011, 22:35
kommt schon noch, nur Geduld.....

Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte
 
16
14.1.2011, 07:08

Is schon recht Horst, haben Sie uns alle schon zehntausend mal erzählt... das macht es allerdings nicht wahrer.

Was Chavez betrifft - da erinnern wir uns doch noch an einen ähnlichen Zwischenfall (2002). Nur ist die Sache in Venezuela etwas glücklicher verlaufen und der legitime und gewählte Präsident war nach zwei Tagen wieder auf freiem Fuß.

"Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine Verwicklung der US-Regierung unter George W. Bush in den Putsch gegen Chávez. Mehrere Zeitungen, darunter die New York Times, berichteten, dass die Putschisten mindestens zwei Monate vor den Ereignissen regelmäßigen Kontakt mit der US-Botschaft gehabt hatten"

Immer die gleiche traurige Geschichte...

rubbberduck
10
15.1.2011, 01:48

wobei angemerkt werden muss das chavez selber ein putschist ist, also irgendwie ist die sache dann doch wieder schief gelaufen, immerhin ist in venezuela derzeit ein putschist an der macht

Horst Holzinger
02
15.1.2011, 10:03
Für Leute wie Dich ist auch Stauffenberg ein Putschist.

Wir wissen es.

Horst Holger
10
14.1.2011, 23:07
wer sind Sie denn? Hatten wir mal die Ehre?

Kann mich nicht erinnern mit Ihnen in dem venezuela Forum in eine Diskussion verwickelt gewesen zu sein! Postingname gewechselt? Traurig ist, daß Sie sich anscheinend auch noch nicht ausreichend mit dem Thema Venezuela beschäftigt haben, sonst würden Sie nachvollziehen könen, warum die meisten Venezolaner 1104 2002 als immer noch schönstes Datum in der Ära Chavez und als seine beste Aktion in Erinnerung haben......Können Sie nicht wissen, steht wohl auch nicht auf Wikipedia oder der Jungen Welt!

Horst Holzinger
00
15.1.2011, 10:05

Deshalb seid ihr ja in der Opposition und hofft auf die Befreiung durch die US-Armee.

So wie die Ustascha in Kroation früher auf die Befreiung hoffte durch Deutschland.

Hans Johann1
110
13.1.2011, 22:17
Falsch informiert Herr HH

Präsident Zelaya wollte eine Volksabstimmung zu einer möglichen Verfassungsänderung machen. Da sehr warscheinlich eine große Majorität dieser Volksabstimmung zugestimmt hätte, haben die den Amerikanern nahestehenden neoliberalen Kräfte mit Hilfe der USA den Umsturz gemacht! Zelaya ist kein Verfassungsbruch vorzuwerfen. Die Farce der USA nach dem Militärputsch ist zum kotzen. Die Bananenkompanien Dole (Standard Fruit de Honduras, S.A.) und Chiquita (Tela R.R. Co.) wollten nur die weitere Ausbeutung des Landes und der Menschen sicherstellen!

Horst Holger
00
14.1.2011, 23:10
was Sie nicht alles wissen....

haben wir im Forum schon abgehackt. Ebenfalls Geschicht ist Zelaya und das ist auch gut so! Sitzt der eigentlich immer noch in der brasil. Botschaft als Exilort und läßt sich Caipirinha servieren? Was ist eigentlich mit des Zelayas Farmen geworden? In Venezuela hätte die Chavez schon längst eineignet!

DuesselDoofer
80
14.1.2011, 07:45
gibt's dafür auch nachweisbare Belege....

oder ist das der übliche Textbaustein unserer tapferen Compañeros (neoliberale Kräfte, USA, Putsch, Bananenkompanie), hmm??

Cool Runnings!
16
13.1.2011, 23:59

HH ist nicht Falsch informiert ... HH will falsch informieren

Robert Fien
318
13.1.2011, 17:52
Es ist ein ausgesprochener Skandal und eine herbe Enttäuschung dass die EU hier keine KLARE LINIE GEGEN DEN ILLEGALEN PUTSCH vertritt sondern stattdessen etliche EU-Staaten die Putschregierung stillschweigend anerkannt haben!

SCHANDE! GANZ GROßE SCHANDE!

Citizen
012
13.1.2011, 20:52
Man muss wohl hinzufügen dass Europ. Länder diesen Putsch sogar unterstützt haben und noch immer für gut befinden

allen voran die FDP-nahe "Friedrich-Naumann-Stiftung für Freiheit"

Robert Fien
07
14.1.2011, 00:42
Ja. Dafür sollte die FDP öffentlich an den Pranger gestellt werden. Wo sind da die Medien? Interessieren die Öffentlichkeit GRUNDSATZFRAGEN DER DEMOKRATIE nicht??!

Horst Holger
60
14.1.2011, 23:14
yau, Fein!

genau solche Demokraten sind Zelaya und Chavez. Die lassen KEINE öffentliche Meinung zu, die nicht von ihnen abgesegnet wurde. Medien die Contra geben werden sofort geschossen. Gerichte sind in des Hugos Hand, Gewaltenteilung gibt es keine mehr. Verstehst Du sowas unter Demokratie, burscherl? Woher holst Du Dir eigentlich Deine Infos?!
Sei froh daß Du in einem demokratischen und sicheren Staat in Europa lebst, in Venezuela würdest Du es keine Woche aushalten (vielleicht noch am ehesten mit einem Che-Shirt und rote Fahnerl schwenkend).

Robert Fien
07
17.1.2011, 13:18
Ich habe es entgegen Ihrer Aussage in Venezuela 2 Monate ausgehalten. Und ich habe die Regierung im Gespräch mit Chavistas offen kritisiert und meine Meinung wurde respektiert.

Die Welt ist leider nicht so einfach zu verstehen wie Sie glauben werter Horst. Venezuela ist eine defekte Demokratie. Die Regierung weistautokratische Tendenzen auf. ABER: Die Wahlen sind frei und fair (von UNO-Wahlbeobachtern überprüft), die Medien sind großteils regierungsfeindlich (habe ich 2008 selbst gesehen). Es herrscht Rede-, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit. All das gibt es in Honduras nicht mehr. Zu den Wahlen traten nur die Putschisten an, Journalisten werden ermordet, Demonstrationen mit zahlreichen Toten niedergeschlagen. Hier gibt es einen gewaltigen Unterschied, auch wenn Venezuela bei weitem nicht perfekt ist!

PS: Unter Zelaya gab es das alles nicht. Warum behaupten Sie dies wieder besseres Wissen?!?

Nicholas Blarney
 
01
13.1.2011, 17:46
Na so eine...

...Überraschung...

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