Jüdisches Museum Wien wegen Umbau geschlossen

12. Jänner 2011, 15:36
2 Postings

Wiedereröffnung Ende Juni - Umgestaltung der Ausstellungsbereiche - Zweiter Standort bleibt geöffnet

Wien - Das Haupthaus des Jüdischen Museums in Wien, das Palais Eskeles in der Dorotheergasse, ist ab sofort geschlossen und wird saniert. Die Technik wird erneuert, das Foyer umgebaut, die Schauräume renoviert und die Gestaltung der Ausstellungen überarbeitet, erläuterte Direktorin Danielle Spera in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Am 30. Juni ist die Wiedereröffnung geplant. Die Baukosten betragen rund 2,5 Mio. Euro.

"Nach 15 Jahren erfolgreichen Ausstellungsbetriebes ist es klar, dass nicht nur die Hülle erneuert und den Ansprüchen eines modernen Museumsbetriebes angepasst werden muss, sondern dass auch die Fülle bzw. der Inhalt einer 'sanften Erneuerung' bedurfte", begründete Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Vorhaben. In den vergangenen 15 Jahren hätten rund eine Million Menschen das Haus besucht, 120 Ausstellungen seien gezeigt worden.

Während der Schließung des Palais Eskeles soll der zweite Standort des Jüdischen Museums am Judenplatz besonders intensiv genutzt werden. Weiters ist das Jüdische Museum während des Umbaus "Gast" in anderen Institutionen: Ab 1. Februar ist im Haus der Musik eine Ausstellung über Abraham Adler, der von 1975 bis 1993 Oberkantor der Glaubensgemeinschaft war, zu sehen.

Im Rahmen des Umbaus werden die Klima-, Haus- und Elektrotechnik sowie die Aufzugsanlagen erneuert. "Wir haben es zum Teil mit Anlagen zu tun, die 30, 40 Jahre oder älter sind", betonte Spera. Der Haupteingang wird zurück an den historischen Eingang mit dem Vordach verlegt. Die Stuckdecke und der Marmorboden im Eingangsfoyer werden restauriert. Überdies soll durch das Entfernen von Wänden ein großzügiges Eingangsfoyer entstehen. Im Zuge des Umbaus wechseln der Kassenbereich und das Cafe ihre Positionen, die Buchhandlung bleibt an ihrem bisherigen Standort.

Der Veranstaltungssaal im Erdgeschoß werde künftig primär als Ausstellungsbereich dienen, wohingegen der Schauraum im zweiten Stock bald für Events genutzt werden könne. Der Wechselausstellungsbereich im ersten Stock und das Schaudepot im dritten Stock werden renoviert, sollen aber baulich weitestgehend unverändert bleiben.

Neben baulichen Maßnahmen werden auch inhaltliche gesetzt: Derzeit werden neue, zeitgemäße Präsentationsformen erarbeitet. So sollen etwa die Objekte im Schaudepot künftig "die Geschichten erzählen, die sie in sich tragen", nannte Spera ein Beispiel. Die Präsentation der Sammlung Max Berger, einer der größten Bestände des Museums, wird erweitert. Die "Installation der Erinnerung" von Nancy Spero soll durch die Neugestaltung verstärkt zur Geltung kommen. Mit der Neugestaltung des Museums - die Internetseite wurde bereits überarbeitet - sollen neue Zielgruppen angesprochen werden. Den Großteil der Besucher machten laut Spera bisher Schulklassen aus.

Am 30. Juni soll das Museum wieder eröffnet werden. Die erste Ausstellung widmet sich der Museumsarbeit: dem finanziellen, personellen und zeitlichen Aufwand, den die Erhaltung, Reinigung und Restaurierung von materiellem Kulturgut nach sich zieht. "Im Bauch der Kuratoren" ist bis 9. Oktober zu sehen. Von den Baukosten in Höhe von 2,5 Mio. Euro trage die Stadt 1,7 Mio. Euro, der Rest komme von der stadteigenen Wien-Holding, berichtete deren Geschäftsführer Peter Hanke. Die Holding ist die Eigentümerin des Gebäudes. (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Geisterschloss-Eindruck erwünscht? Architekten-Visualisierung zur Funktionssanierung und Neugestaltung des Jüdischen Museums Wien

Share if you care.