Belvedere mit Besucher-Plus und Budget-Engpass

12. Jänner 2011, 15:05
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Eröffnung des 20er Hauses im September - 2011 Streichung von Ausstellungen notwendig

Wien - 812.522 Besucher verzeichnete das Wiener Belvedere im Jahr 2010, um 8 Prozent mehr als im Vorjahr, gab Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt. Positiv entwickelten sich auch die Gesamtumsätze, die 2010 bei rund 16 Millionen Euro lagen, der "beachtliche" Eigendeckungsgrad betrage 56,7 Prozent.

Der Schauplatz, das umgebaute 20er Haus, soll am 20. September mit einer Ausstellung zum Haus selbst eröffnet werden, inklusive einzelner künstlerischer Interventionen. "Wir wollen dem Publikum die Möglichkeit geben, das Haus selbst zu erleben", sagte Husslein. Mit ein Grund für die der leeren Hülle gewidmete Schau dürften Budgetnöte sein: Auf die Anweisung der zugesagten Mit-Finanzierung der insgesamt 16,9 Mio. Euro teuren "Bauphase II" (Haustechnik, Einrichtung etc.) wartet man noch, auch die 20er Haus-Eröffnung und die Vorbereitung des Programms, für das nach einer Ausschreibung Cosima Rainer und Bettina Steinbrügge als neue Kuratorinnen engagiert wurden, muss aus eigenen Mitteln finanziert werden. "Das stellt uns vor eine große Herausforderung. Wir glauben, dass wir das meistern können", so Husslein.

Dafür hat man "sehr vorsichtig" fünf für 2011 geplante Ausstellungen gestrichen: Eine Schau zu Carl Schuch wird auf 2013 verschoben, eine zu Candida Höfer gestrichen, es gibt nur eine Intervention im Oberen Belvedere, eine Ausstellung im Prunkstall, und auch im Augarten wurde eine Schau abgesagt. "Es bleibt uns für dieses Jahr nichts anderes übrig. Wir haben auch an vielen anderen Stellen gekürzt, und auch der Personalplan wird angeschaut." Der neue Budgetplan für 2011 sei allerdings bisher weder vom Kulturministerium noch vom Kuratorium abgesegnet worden.

"Aber es ist ganz klar, dass wir eine Erhöhung brauchen. Wir können das Haus nicht bespielen ohne eine Erhöhung der Basisabgeltung. Und es ist uns gesagt worden, dass es für 2012 auch so sein wird." Die derzeitige Basisabgeltung des Belvedere beträgt 6,9 Mio. Euro, den Erhöhungsbedarf bezifferte Husslein auf 5 Mio. Euro. Der große Schriftzug "Museum of Revolution", eine Intervention von Marko Lulic, wird im Februar abgebaut, der im Rohbau aus Eigenmitteln finanzierte Büroturm, in dessen oberster Etage eine Lounge für Sponsoren und Unterstützer geplant ist, wird bis zur Eröffnung "hoffentlich fertig".

Das Wotruba-Archiv wird gleichzeitig eröffnet, die Artothek erst ein Jahr später, der Skulpturengarten wird reaktiviert. Den in unmittelbarer Nachbarschaft entstehenden Stadtteil ("Seit 1850 hat es so eine Stadterweiterung nicht gegeben") sieht Husslein "als große Chance", schließlich entstehe gleichzeitig ein bis zum Karlsplatz reichender Museums- und Parkparcours: "In 2, 3 Jahren wird es grandios sein."

Die Belvedere-Direktorin berichtete von verschiedenen Umbau- und Restaurierungsarbeiten, der Gründung des Research Centers und der Einrichtung einer Wohnung im Unteren Belvedere für das neue Curator-in-Residence Programm, für das als erste ab April Martha Kirszenbaum eingeladen wird. Sieben Werksverzeichnisse seien in Bearbeitung (jenes zu Josef Danhauser, dem ab 22. Juni eine Ausstellung der Reihe "Meisterwerke im Fokus" gewidmet ist, wird heuer fertig). 909 Ankäufe für die Sammlung waren 2010 möglich, dazu kamen 65 neue Dauerleihgaben und 235 Schenkungen.

"DYNAMIK! Kubismus / Futurismus / KINETISMUS" eröffnet als Werkschau zur Abstraktion in Wien zwischen 1919 und 1929 (10.2.-29.5.) im Unteren Belvedere das Ausstellungsprogramm 2011, ab 17. Februar folgen dort "Egon Schiele. Selbstporträts und Porträts": "Es ist noch nie eine wissenschaftliche Ausstellung dazu gemacht worden", so Husslein, die gemeinsam mit Jane Kallir kuratiert. Das Wien Museum (im Künstlerhaus) und das Belvedere beleuchten gleichzeitig Makart ("Makart. Maler der Sinne", Unteres Belvedere, 6.6.-9.10.): "Bei uns wird u.a. der Aspekt des Einflusses der französischen Malerei beleuchtet." Mit einer Ausstellung zu Curt Stenvert (ab 5.10.), einem Vertreter der österreichischen Nachkriegsavantgarde, "wollen wir ihm wieder zu dem Stellenwert verhelfen, der ihm gebührt", ehe man mit "Gustav Klimt / Josef Hoffmann - Pioniere der Moderne" im Unteren Belvedere (25.10.-4.3.2012) das Klimt-Jahr 2012 einläutet.

Zu den Highlights der kommenden Jahre zählen eine Schau zu "Gold" in der Gegenwartskunst und die gemeinsam mit der Hamburger Kunsthalle erhellte "Nacht" (2012), "Frauenbilder" und eine große Schau zu Paul Gauguin (2013) sowie eine Ausstellung zum "Wiener Kongress" (2014). (APA)

 

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