Mäusejagd: Füchse springen mit Magnetsteuerung

12. Jänner 2011, 14:52
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Forscher stellen verblüffende Auswirkung der Richtung von Beutesprüngen fest

Duisburg - Augen, Ohren und Nase sind offenbar nicht die einzigen Hilfsmittel, derer sich ein Fuchs auf der Jagd bedient. Dazu scheint noch ein wesentlich verblüffenderer Faktor zu kommen - nämlich das irdische Magnetfeld. Zu diesem überraschenden Schluss kommen Zoologen der Universität Duisburg-Essen und der Prager Agraruniversität, die über 80 Füchse beobachtet haben. Die Ergebnisse der Arbeit werden in der Fachzeitschrift "Biology Letters" publiziert.

Und zwar geht es um eine spezielle Jagdtechnik des Rotfuchses (Vulpes vulpes), die von Jägern als "Mausen" bezeichnet wird: Seine Beute kann der Fuchs zumindest in hoher Vegetation oder unter einer Schneedecke nicht sehen - er ortet sie offensichtlich mit seinem empfindlichen Gehör. Der Fuchs schleicht sich an und springt hoch, sodass er beispielsweise eine Wühlmaus von oben überrascht. Nicht immer sieht dies freilich so spektakulär aus wie in diesem Video:

Viel verblüffender ist aber der Umstand, dass dieses Mausen nicht immer die gleiche Erfolgsrate aufweist: Die Forscher konstatierten bei der Analyse von fast 600 Jagdsprüngen , dass in hoher Vegetation (oder im Schnee) über 80 Prozent der Sprünge in Nordrichtung (genauer Nordnordostrichtung) und etwa 60 Prozent der in Südrichtung erfolgreich verliefen. Die Erfolgsquote der Sprünge in andere Richtungen liegt dagegen bei weniger als 15 Prozent. "Erstaunlicherweise neigen die Füchse dazu, sich beim Orten der Beute und bei der Vorbereitung zum Sprung an der nordsüdlichen Kompassachse auszurichten", berichtet Hynek Burda vom Forschungsteam. Hingegen spielen offenbar weder Wetterverhältnisse noch Jahres- und Tageszeit eine Rolle.

"Diese Beobachtungen liefern den ersten empirischen Hinweis für die theoretischen Überlegungen, dass magnetorezeptive Tiere mit ihrem Magnetkompass nicht nur die Richtung, sondern auch die Entfernung messen können", so Burda. Dieser magnetische Entfernungsmesser, der allerdings nur in Nord-Südausrichtung funktionieren kann, würde die Richtungspräferenz beim Mausen erklären. Die Wissenschafter haben kürzlich eine Form von Magnetorezeption beim Hausrind sowie bei Rothirschen und Rehen nachgewiesen. Mit dieser Arbeit zeigen sie, dass die Magnetfeldwahrnehmung bei Säugetieren weiter verbreitet ist als ursprünglich gedacht und in verschiedenen Kontexten benutzt werden kann. (red)

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