Obama ruft zu weiterer Unterstützung auf

12. Jänner 2011, 13:25
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Jahrzehntelange Hilfe sei notwendig, meint der US-Präsident

Port-au-Prince - Mit einer Schweigeminute, Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen gedenken die Haitianer und tausende Helfer der internationalen Organisationen in Haiti des verheerenden Erdbebens von vor einem Jahr. Um exakt 16.53 Uhr Ortszeit soll das gesamte Leben in Haiti stillstehen, um an die über 220.000 Toten der Katastrophe vom 12. Jänner 2010 zu erinnern. 

Über den Erdbebengebieten sollen Tausende von weißen Luftballons aufsteigen. Danach sind in den haitianischen Städten von den Behörden organisierte Aktivitäten unter dem Motto "Feier des Lebens" geplant. Zu den Gedenkzeremonien ist auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, Koordinator der UNO-Hilfe für Haiti, angereist. Bei dem Erdbeben starben auch 102 UNO-Mitarbeiter.

Clinton "frustriert" über Tempo des Wiederaufbaus

US-Präsident Obama rief unterdessen die internationale Gemeinschaft zur weiteren Unterstützung des armen Land auf. In einer Erklärung würdigte er die bisherigen globalen und amerikanischen Hilfsaktionen, betonte aber zugleich, dass langfristige Maßnahmen nötig seien. Er bekräftigte, dass jahre- oder sogar jahrzehntelange Hilfen nötig seien, damit sich Haiti von der Katastrophe erholen könne. Bill Clinton äußerte sich unterdessen "frustriert" über das Tempo des Wiederaufbaus.

EU besorgt über Instabilität

Die politische Instabilität in Haiti behindert nach Einschätzung der EU die internationale Hilfe. EU-Außenministerin Catherine Ashton und die für Entwicklung und humanitäre Hilfe zuständigen Kommissare Andris Piebalgs und Kristalina Georgievea zeigten sich in Brüssel in "großer Sorge" über die Lage in dem Karibikstaat. Die Zusammenarbeit mit den haitianischen Behörden sei nur möglich, wenn "Stabilität und eine funktionierende Demokratie im Land gewährleistet sind", hieß es. Ashton, Piebalgs und Georgieva forderten Haiti darum "dringend auf, dafür zu sorgen, dass freie und transparente Wahlen stattfinden können, und wir appellieren an die haitianische Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und sich an der zweiten Wahlrunde friedlich zu beteiligen". 

3.700 Cholera-Tote

Nach Kommissionsangaben sagten Kommission und Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr knapp 1,3 Milliarden Euro für den Wiederaufbau in Haiti zu, also beispielsweise für neue Straßen und Häuser. Ein Teil davon wurde bereits ausgegeben. Hinzu kam Soforthilfe etwa für Zelte und Medikamente, für die allein die Kommission 120 Millionen Euro bereitstellte. Dennoch sei die Lage "bei weitem noch nicht zufriedenstellend" und habe sich in mancherlei Hinsicht "sogar noch verschlechtert", hieß es in der Erklärung. Dazu trugen demnach auch Probleme wie die Cholera bei, die auf das Erdbeben folgten. Die Zahl der Cholera-Toten betragt bislang 3.700.

Ban Ki Moon: Haiti nicht allein lassen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte davor, Haiti alleinzulassen. Die Anstrengungen müssten vielmehr verdoppelt und erneuert werden, sagte Ban. Der Koordinator für internationale Hilfe Bill Clinton nannte es ermutigend, dass in den vergangenen vier Monaten endlich eine Beschleunigung des Wiederaufbaus zu bemerken gewesen sei. Clinton gestand allerdings ein, dass es eine riesige Lücke zwischen den internationalen Hilfsversprechen und den tatsächlich ausgezahlten Mitteln gebe. 

Diakonie: Hilfsgelder überwachen

Die Büroleiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti, Astrid Nissen, hat unterdessen die internationale Gemeinschaft aufgerufen, den Einsatz von Hilfsgeldern stärker zu überwachen. Deutschland und die anderen Geberländer müssten darauf dringen, dass die Übergangskommission für den Wiederaufbau Haitis (IHRC) ihre Arbeit transparenter gestalte und regelmäßig über die Fortschritte Rechenschaft ablege, sagte. Bei der Kommission unter der Leitung des früheren US-Präsidenten Bill Clinton und von Haitis Ministerpräsident Jean-Max Bellerive stelle sich zunehmend die Frage, "was die da eigentlich machen".

Die deutsche Bundesregierung könne als "gern gesehener internationaler Akteur" mit darauf hinwirken, dass die Wiederaufbau-Kommission ihre Arbeit regelmäßig offenlege, sagte Nissen, die seit sieben Jahren in Haiti lebt. Die zahlreichen Hilfsorganisationen in Haiti rief Nissen auf, ihre unterschiedlichen Eigeninteressen zurückzustellen und sich noch stärker abzustimmen.

Versprochene Zahlungen ausgeblieben

Als weitere Hindernisse für den Wiederaufbau Haitis nannte Nissen das Ausbleiben versprochener Hilfszahlungen und den fehlenden Tatendrang der haitianischen Regierung. Von den rund zehn Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro), welche die internationale Gemeinschaft bei der Geberkonferenz im März vergangenen Jahres zugesagt habe, sei erst ein kleiner Teil in dem verarmten Karibikstaat angekommen, sagte die Helferin. (APA)

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