Österreichs Außenwirtschaft 2010 deutlich erholt

12. Jänner 2011, 12:17
posten

Grenzüberschreitendes Kredit- und Einlagengeschäft sowie Kapitalverkehr aber noch im Banne der Finanzkrise

Wien - Zuwächse im Güterverkehr und ein stabiler Handel mit Dienstleistungen haben im Vorjahr für eine deutliche Erholung der heimischen Außenwirtschaft und einen insgesamt beflügelten Wirtschaftsaufschwung in Österreich gesorgt. Der Kapitalverkehr mit dem Ausland war dagegen bis September weiter durch die Nachwirkungen der Finanzkrise geprägt, erklärte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Mittwoch. Das wegen der Krise bereits 2009 massiv eingebrochene grenzüberschreitende Kredit- und Einlagengeschäft blieb bis Herbst nach wie vor unter dem Vorkrisenniveau.

Österreichs Güterein- und -ausfuhren legten 2010 bis September um je rund 15 Prozent zu. Auch der Dienstleistungsverkehr stabilisierte sich - nach dem Einbruch 2009 um ein Zehntel - und erzielte bei leicht gestiegenen Volumina einen Überschuss von netto knapp 10 Mrd. Euro. Fast die Hälfte davon entfiel auf den Reiseverkehr, der von einer hervorragenden Sommersaison mit dem besten Nächtigungsergebnis seit 1995 profitierte, so die OeNB in einer Aussendung.

Kapitalverkehr im Bann der Krise

Der Kapitalverkehr mit dem Ausland stand im Vorjahr weiterhin im Bann der Nachwirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die heimischen Wertpapierveranlagungen im Ausland erreichten zwar in den ersten drei Quartalen 6,2 Mrd. Euro (nach 1,2 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum 2009). Ausländische Aktien im Direkterwerb stießen dabei aber auf geringe Nachfrage, sie sackten netto auf 0,4 Mrd. Euro oder ein Sechstel des Wertes von 2009 ab. Mehr Interesse zeigten heimische Anleger dagegen an ausländischen Investmentzertifikaten und Veranlagungen in langfristig Zinspapiere.

Im Ausland gehaltene Sicht- und Termineinlagen - vor allem im Interbankenverkehr - wurden bis September um 4,2 Mrd. Euro abgebaut. Dem stand ein Forderungsaufbau heimischer Anleger aus Handelskrediten und sonstigen Forderungen von über 3 Mrd. Euro gegenüber. Das Segment der "Sonstigen Investitionen" Österreichs im Ausland ergab insgesamt einen Nettokapitalimport von 1,9 Mrd. Euro. Auch der Finanzierungsbedarf Österreichs im Ausland lag hier laut OeNB mit 7,9 Mrd. Euro "beachtlich unter dem Niveau vor der Krise".

Österreichs Direktinvestitionen im Ausland erreichten in den ersten drei Quartalen 2010 ein Volumen von 5,8 Mrd. Euro und damit etwa das Vierfache des gleichen Zeitraums 2009. 2,8 Mrd. Euro davon entfielen auf Neuveranlagungen sowie auf wieder veranlagte Gewinne. Umgekehrt stiegen auch strategische Unternehmensbeteiligungen des Auslands in Österreich (samt Veranlagungen in Zweckgesellschaften) auf 6,3 Mrd. Euro an, nach 4,1 Mrd. Euro davor. (APA)

Share if you care.