Mit Kind und Kegel durch die Pubertät

12. Jänner 2011, 09:46
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Meistens werden sie vom Babyglück überrascht - Doch es gibt auch junge Mädchen, die sich ganz bewusst für ihre Mutterrolle entscheiden - Gemeinsam ist ihnen, dass sie ihre Zwerge nie mehr hergeben würden

Wien - Immer wieder fängt die 18-jährige Antonia Somborn den kleinen Rafael ein und setzt ihn zurück auf ihren Schoß. Neben ihr bereitet die zwei Jahre ältere Anna Felzmann Babynahrung für den elf Monate alten Noah zu. Der sonnendurchflutete Raum ist vom Gebrabbel der Säuglinge und den Gesprächen ihrer Mütter erfüllt.

Laut der im Frauenbericht des Bundeskanzleramtes erschienenen Geburtenstatistik der Statistik Austria kamen im Jahr 2008 in Österreich 2747 Kinder zur Welt, deren Mütter bei der Geburt zwischen 15 und 19 Jahre alt waren. Seit 1999, als diese Zahl bei 3094 lag, ist der Anteil von Teenagerschwangerschaften gemessen an der nationalen Geburtenrate um 0,5 Prozent gesunken. Mit 3,5 Prozent liegt Österreich nun im europäischen Mittelfeld.

Bereit für das Wunschkind

Für Anna ist die Schwangerschaft "ganz plötzlich gekommen". Anders bei Bianca Meiböck (19): "Für mich war Alina ein Wunschkind, weil ich mich reif und bereit dafür gefühlt hab."

Der Familienpsychologe Rüdiger Opelt sieht verschiedene Gründe, warum Teenager einen Kinderwunsch verspüren: "Schwangerschaften entstehen oft bei Jugendlichen, die selbst keine glückliche Kindheit hatten, aus dem Wunsch heraus, mit dem eigenen Kind die Geborgenheit nachzuholen, die man selbst vermisst hat. Manchmal ist es auch die einzige Fluchtmöglichkeit aus einem lieblosen Elternhaus." Eine gewollte Schwangerschaft sei aber in jedem Alter normal, sagt Opelt und verweist auf andere Kulturen, in denen eine Mutterschaft ab 13 Jahren üblich ist. Bianca ist eine stolze Mutter, ebenso wie ihr Lebensgefährte: "Als ich ihm davon erzählt habe, hat er geweint, und es war wunderschön, genauso wie die Schwangerschaft - die Geburt war dann das Highlight. Es war das Schönste, wie dann das Baby auf mir gelegen ist." Dennoch vermisst Bianca manchmal die Zeiten ohne Kind, wenngleich ihr diese immer wieder mal durch die Oma ermöglicht werden.

Auch Anna wünscht sich ab und zu eine Verschnaufpause: "Natürlich würde ich manchmal gerne wieder an nichts denken, fortgehen oder einen Tag vor dem Fernseher verbringen. Aber ich denke nicht: 'Oh Gott, ich brauche jetzt unbedingt Zeit für mich' - zumindestens nicht über Stunden. Wir haben eine Verantwortung einem Menschen gegenüber, dessen müssen wir uns bewusst sein." Früher sei sie eine richtige "Partymaus" gewesen. Heute ist sie viel mit Freunden unterwegs und geht oft spazieren - ihren Sohn Noah hat sie natürlich immer mit dabei.

Hebamme Klaudia Awad-Logar sieht die Bedingungen für eine verantwortungsvolle Erziehung eines Kindes nicht im Alter der Eltern, sondern in deren Persönlichkeit, den Bedingungen, unter denen sie aufgewachsen sind, und in ihrer persönlichen Reife. Bei Geburten hätten junge Mütter sogar einen Vorteil, da sie eher ihren Instinkten folgen würden. Das führe zu weniger Kaiserschnitten bei Teenagern, weiß sie. Bianca sieht auch nach der Geburt vor allem Vorteile in ihrer Rolle als Mama: "Mit einem Kind wird man selbstbewusster und geht anders durch die Welt".

Auch Antonias Leben, damals noch in Portugal, änderte sich, als sie bei ihrer Maturafeier ihre Schwangerschaft feststellte: "Das war erst ein großer Schock. Denn ich bin auch sehr katholisch erzogen worden, habe aber nicht alles davon umgesetzt, wie man sieht." Eine Abtreibung sei für sie nie infrage gekommen. "Die Schwangerschaft war psychisch anstrengend, weil ich mir nicht vorstellen konnte, was mich erwartet, aber körperlich hatte ich keine Probleme", so Antonia. Seit ihrer Schwangerschaft lebt die 18-Jährige in Österreich, ihr Ex-Freund ist in Portugal geblieben: "Rafaels Vater und ich verstehen uns wirklich gut, aber er tut nicht genug für das Kind. Wie das halt oft so ist bei Männern." Anna, die neben ihr sitzt und ihren kleinen Sohn wickelt, erhebt Einspruch: "Nicht bei allen!" Lachend gesteht Antonia ihr zu, einen echten Traummann zu haben.

Psychologe Opelt sieht das Phänomen, wieso sich junge Väter häufig von ihrer Familie abwenden, darin begründet, dass "für Männer in der Adoleszenz die berufliche Ausbildung traditionell vorrangig" sei. Die Bindung zwischen den jungen Eltern sei meist noch nicht stark genug, um die Belastung einer frühen Schwangerschaft heil zu überstehen.

Überraschung pur

Milena (Name von der Redaktion geändert) hat das geschafft: "Ich habe in Wien ein halbes Jahr als Friseurin gearbeitet, mit 16 Jahren bin ich in meine Heimat Mazedonien gefahren und habe geheiratet." Und dennoch kam die Schwangerschaft mit 18 Jahren überraschend.

Im siebenten Monat hatte sie eine Frühgeburt: "Meine Tochter musste dann in den Inkubator. Es war nicht schön für uns, zu sehen, wie sie leidet." Ihr Mann unterstütze sie jedenfalls sehr. "Er macht alles mit der Kleinen, wenn ich etwas zu tun habe." Zwar seien ihre Eltern, als sie von der Schwangerschaft erfuhren, nicht begeistert gewesen, doch sie seien zu ihr gestanden, erzählt Milena.

Auch Antonia, Bianca und Anna hatten das Glück, von ihren Eltern unterstützt zu werden.

"Wird das Kind von der Großfamilie willkommen geheißen, entwickelt es sich ohne Probleme. Wenn aber die Großeltern das Kind ablehnen, die Mutter verstoßen oder eine Abtreibung propagieren, kommt es zum seelischen Bruch zwischen den Generationen mit negativen Folgen für alle", weiß Opelt.

Bis die eigene Situation als junge Mutter realisiert war, habe es eine Weile gedauert: "Es ist immer schwer vorstellbar, dass das, was in deinem Bauch ist, ein richtiger Mensch sein soll", erzählt Anna.

Antonia, die Rafael eine Rassel entgegenstreckt, pflichtet ihr bei: "Das war wie eine Attrappe, und man beginnt sich sofort Sorgen zu machen, ob es normal ist, wie man da empfindet. Aber die Mutterliebe kommt, sobald man das Kind in den Armen hält. Außerdem ist ein Baby das Natürlichste auf der Welt, und ich würde Rafael nie wieder hergeben wollen!" (Ina Ho Yee Bauer, Magdalena Legerer, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2011)

  • Zu bemerken, schwanger zu sein, war für Antonia Somborn (18) ein Schock.
 
Heute meistert die Alleinerzieherin das Leben mit Sohn Rafael bravourös.
    foto: standard/fischer

    Zu bemerken, schwanger zu sein, war für Antonia Somborn (18) ein Schock. Heute meistert die Alleinerzieherin das Leben mit Sohn Rafael bravourös.

  • Bianca Meiböck fühlte sich schon mit 19 reif für ein Kind. Tochter Alina
 
ist bewusst entstanden.
    foto: standard/privat

    Bianca Meiböck fühlte sich schon mit 19 reif für ein Kind. Tochter Alina ist bewusst entstanden.

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