Österreicher spendeten 80.000 Euro für Wikipedia

Auch wenn Lehrer und Wissenschafter mitunter die Stirn über das Online-Lexikon runzeln: Fast jeder forscht in Wikipedia

 Wo liegt Abeyi? Was ist Dioxin? Wer war Theodor Körner? Wer Antwort auf solche Fragen sucht, googelt heutzutage und landet vermutlich schnell bei Wikipedia. Was am 15. Jänner 2001 als Nebenprojekt für die geplante Fachautoren-Plattform Nupedia von Jimmy Wales und Larry Sanger startete, ist heute die größte Online-Enzyklopädie der Welt. Mehr als 17 Millionen Artikel in rund 260 Sprachen sind seitdem darin entstanden - geschrieben und finanziert von den Nutzern.

Manipulierte oder schlampig verfasste Beiträge

Auch wenn in der vergangenen Dekade immer wieder Zweifel an der Plattform ob manipulierter oder schlampig verfasster Beiträge geäußert wurde - verzichten möchten heutzutage kaum noch ein Internetnutzer auf das Mitmachlexikon. "Wikipedia hat die Art verändert, wie jedermann schnell zu Wissen gelangt", sagt Christoph Breitler von Wikimedia Österreich, ein Verein, in dem sich die heimischen Wikipedianer 2008 zusammengeschlossen haben. 50 Leute arbeiten derzeit aktiv mit, ehrenamtlich wie alle Wikipedia-Autoren.

Abschreibfundus für Schüler

Die Wikipedia-Autorengemeinschaft pflege aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügele mittlerweile Fehler meist schnell wieder aus, relativiert der Grazer Biologiestudent die Hoppalas in der Wikipedia-Geschichte. Den Vorwurf, dass Wikipedia zum größten Abschreibfundus für Schüler geworden ist, will Breitler nicht gelten lassen: "Das könnte auch am Unvermögen der Lehrer liegen, dass sie Aufgaben so stellen, dass man sie in einem Lexikon nachschlagen kann. Vielleicht sollten sie ihre Aufgabenstellungen einfach mal ein wenig überdenken".

16 Millionen Dollar

Der Wert, den die Nutzer dem Lexikon beimessen, verdeutlichte sich erst vor kurzem beim jüngsten Spendenaufruf von Jimmy Wales auf der Plattform: Sie schenkten Wikipedia 16 Millionen Dollar (12,3 Millionen Euro) zum zehnten Geburtstag. Damit kann die Wikimedia Foundation Server, Wartung, Entwicklung und die Löhne der fix angestellten Mitarbeiter finanzieren.

80.000 Euro aus .at

80.000 Euro an Spenden kamen dabei aus Österreich. 30 Prozent davon, fließen in lokale Projekte. Wie etwa der Ankauf von teuren Standardwerken, die sich die Autoren selbst nicht leisten können.

Zu Jubiläen wird natürlich gern in der Kiste der Erinnerungen nach Schmankerln gekramt. Dazu zählt etwa, dass Jimmy Wales in der englischsprachigen Wikipedia nach eigenen Angaben den ersten Eintrag geschrieben hat - einen Testartikel mit dem Text "Hello world". Oder der längste Artikel: Dieser handelt auf umgerechnet 150 DIN-A4-Seiten den Schamanismus ab.

Für alle Themen

Grundsätzlich ist in der Online-Enzyklopädie für alle Themen Platz - wenn die Gemeinschaft sie für relevant hält und sich jemand die Mühe macht, sie zu bearbeiten. Auch wenn die meisten Wikipedia-Mitarbeiter ihren ehrenamtlichen Job ernst nehmen, gibt es eine Nische für Spaß: das Humorarchiv. Dort stehen Texte, die es nicht ins reguläre Lexikon geschafft haben. Etwa der über den Heiligen Bürokratius: "Ein wenig bekannter römischer Heiliger, der erst in der Neuzeit eine größere Verehrung erfahren hat." (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 12. Jänner 2010)

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