Wunschloses Unglück

12. Jänner 2011, 17:08
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Über Neujahrsvorsätze und Glückwünsche die originell oder taktvoll sind bis hin zu Sanktionen gegen Sexismus

Mit den Neujahrswünschen verhält es sich ungefähr so wie mit den Vorsätzen: Fast jeder teilt dieser Tage Erstere aus und hat Letztere bereits über Bord geworfen, ehe sie gefasst wurden. Wer sagt, das stimme nicht, lügt.

Daher steigt auch die Inflationsgefahr in Sachen "Alles Gute" stündlich, und sie sinkt (leider!) erst, wenn die Weihnachtsferien vorbei sind und sich alle als arbeitsam zurückgemeldet haben.

Für besonders originell halten sich jene Glückwünscher, die mir heuer "Hals und Beinbruch" vorausschicken. Oder, noch besser, "(k)einen Beinbruch". Sie demonstrieren Taktgefühl vom Feinsten – und ein Elefantengedächtnis, das (m)einen Fehltritt im Urlaub unvergesslich macht.

Zynischer geht es kaum. Als hätte ich ihn nicht längst abgebüßt! Beinbruch, liebe Leute, war voriges Jahr (Halsbruch probier ich erst gar nicht aus, das geht auch glückwunschtechnisch gar nicht). Ganz abgesehen davon, dass abergläubisch zu sein einen großen Nachteil hat: Es bringt Unglück.

Ungleich origineller sind die Wünsche der Leser. Ein Pannenhelfer etwa hätte gern, dass die Autobauer für einen Tag mit ihm tauschen. "Dann würden die Herren Konstrukteure spüren, was es heißt, eine im Namen des Komforts überelektronisierte Schüssel auf einen Abschleppwagen zu hieven, wenn der Batterie der Saft ausgegangen ist."

Aus seinem Herzen keine Mördergrube macht auch Johann M. Er würde Tiefgaragenbauer ("Das sind Verbrecher") gleich drei Tage lang in einem ihrer unterirdischen Bunker einsperren.

Über Sanktionen gegen angewandten Sexismus wie in der neuesten VW-Polo-Werbung mit Karl Lagerfeld ("Endlich mal ein Model, das keine Zicken macht") denken wir noch nach. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/7.1.2011)

  • Karl Lagerfeld in der neuen VW Polo Werbung.
    foto: hersteller

    Karl Lagerfeld in der neuen VW Polo Werbung.

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