KONTRA

Spannt die Schule ein!

11. Jänner 2011, 18:07

Eine Schule, der man am Küchentisch oder übers Konto nachhelfen muss, hat ihre Kernaufgabe nicht erfüllt

Das österreichische Schulsystem ist strukturell defekt. Es ist so organisiert, dass es auf eine parallel wuchernde Schattenschulwirtschaft, die systemerhaltende Bildungsarbeit leisten muss, angewiesen ist, um den Anschein des Funktionierens irgendwie aufrechtzuerhalten. Schule hierzulande braucht eine regelrechte „Reservearmee" an Hilfslehrern - vor allem -innen in Person der Mütter, teuer zuzukaufenden Nebenlehrern in Form von Studierenden oder - überhaupt eine Groteske - Lehrer/innen, die am Nachmittag das ausbügeln sollen/wollen, was andere Lehrer/innen am Vormittag verbockt haben. In den erfolgreichen Bildungsländern Finnland oder Kanada wäre das ein abnormes Symptom. 

Da wohl niemand ernsthaft behaupten will, dass österreichische Kinder qua natura zu dumm sind für das austriakische Schulsystem, das ja eigentlich für sie da ist, liegt der Verdacht nahe, dass das Problem in der Schule liegt. 

Eine Schule, der man am Küchentisch oder übers Konto nachhelfen muss, hat ihre Kernaufgabe nicht erfüllt. Ja, es ist schlicht die Pervertierung „individueller Förderung", wenn man sie aus der Schule auslagert und an die Familien delegiert. Wozu dann überhaupt noch Schule? Eben.
Spannen wir die Schule für das ein, wozu wir uns sie und die Professionalisten namens Lehrer leisten: für den Unterricht, das Lehren, das Lernen. Dann können Eltern wieder Eltern sein - der Job ist anspruchsvoll genug. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2011)

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Posting 1 bis 25 von 66
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knurrhahn
 
00
13.1.2011, 12:49

Nachmittags-Zusatzunterricht durch die Lehrer wäre sicher eine beseren Erfolg versprechende Lösung.

manfred bruckner
00
13.1.2011, 10:14
so hätt ich das auch gern...

stellt natürlich die frage, wofür soll schule hinkünftig stehen, welches gesellschaftsmodell ge/beförfdert werden... will man erreichen, dass die (politischen/wirtschaftlichen) verhältnisse annähernd gleich bleiben, ist obiges vorgehen naturgemäß falsch - würd ja zur folge haben, dass die kinder zunehmends - egal woher sie kommen - die gleichen chancen bekommen und damit der einkommensvorsprung der eltern keine rolle mehr spielt. das können diese eltern logischerweise nicht wollen. und lehrerInnen sowieso nicht, da sie ihrer wohlerworbenen rechte verlustig gehen würden und fundamentale änderungen in ihrem berufsbild notwendig wären...
http://bit.ly/f7AmMH

schrefel
00
13.1.2011, 06:54
bewertungen

an den positiv-negativ bewertungen erkennt man, wie viele lehrer sich hier tummeln :-)

Helmut Rax
00
13.1.2011, 22:09
wissen Sie,

wie vielen Lehrern dieses polit-korrupte, machtgeile, Talente und Geld vernichtende System ankotzt? Ich darf Ihnen versichern: der Mehrheit!

p.s.: ich weiß, wovon ich rede: Pflichtschullehrer Jahrgang 1959 (!!!) Und wer jetzt rote Stricherln absetzen will: nur zu - ich kann jede Menge gebrauchen und an die Politik weiterleiten!

p.p.s.: es gibt gute und weniger gute Lehrer. Schlechte Lehrer gibt es kaum mehr, die meisten haben sich in der Politik ein einträglicheres Auskommen verschafft...

cti
01
12.1.2011, 18:26

Das erfolgreiche Bildungsland Südkorea hat quasi eine richtige Armee an Hilfslehrern im Einsatz. Aber dort hat man auch erkannt, dass Bildung Ein und Alles ist, was es in diesem Land gibt....

Als Lehrer haben mich meine Schüler einmal nach privater Nachhilfe gefragt. Auf den Hinweis, dass ich 4h pro Woche für sie kostenlos unterrichte und sie nur zuhören und ev. Fragen stellen müssten war es plötzlich viel ruhiger in der Klasse :)

Manchmal hilft es schon ein wenig darauf hin zu weisen, dass die Schule mehr ist als ein Zufluchtsort um sich vor Regen und Kälte zu schützen. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aber sicher noch jede Menge.

D/E
12
13.1.2011, 10:22
Der Großteil meiner Elterngespräche geht dafür drauf,

dass ich denen erläutern muss, was selbständig arbeiten heißt.

Mindestens die Hälfte lernt regelmäßig mit den Kindern, manche nehmen sich vor einer Schularbeit sogar frei!

Es handelt sich übrigens um eine HTL.

Gott sei Dank schaffen es die jungen Leute, sich dann langsam zu emanzipieren.

Aber solange Eltern glauben, fehlerfreie (von der Mama diktierte) Deutsch-Hausübungen würden den Deutschlehrer erfreuen, wird man sich gegen diese Einmischerei nie wehren können.

anne manner
32
12.1.2011, 16:34
Bravo!!!

Als Elternteil und auch als Lehrerin: BRAVO!!

Schweinsbratenfan
31
12.1.2011, 16:09
Applaus!!

vergib ihnen, denn...
21
12.1.2011, 14:45
einzige möglichkeit, überhaupt chancengleichheit herzustellen

u mütter mal mütter sein zu lassen, den das ist wahrlich ein ganzer Job, anstatt von ihr zu verlangen, Arbeitende, Haushaltende und Erziehende UND LEHRERIN zu sein. Und dazu für Nachhilfe auch noch zu blechen, wenn sie mal selber was nicht kannn oder zeitlich nciht schafft. Außerhalb Österreichs können schüler außerhalb der unterrichtsstunden in der schule "nicht kapiertes" mal nachfragen. Einzig wahre sicht, liebe Autorin!!

Juvenal
02
12.1.2011, 14:31
na ja

halt die Nimmervoll ...

conversio
00
12.1.2011, 14:13
motivation

Also um nochmal zum thema motivation zurückzukommen:
ich finde dass gerade motivation eines der wichtigsten aufgaben eines lehrers sein sollte- oder um es vl anders zu formulieren: Beigersterung für das Fach. Ich glaub auch nicht dass wir noch mehr Geld in die Bildung stecken müssten, sondern eher dass wir endlich von diesem schrecklich- konservativen System los lassen sollten.

Ich finde es generell sehr schade dass man sich in unserem jetzigen Schulsystem nur auf die Schwächen der Schüler konzentriert und nicht auf ihre Stärken.

Ich bin wirklich gespannt wie sich das alles weiter entwickeln wird- Vielleicht führen sie ja die Prügelstrafe wieder ein, also ich glaub wirklich erschrecken würds mich nicht mehr :P

carpediem99
 
02
12.1.2011, 13:49

wissen ist holschuld,- das müsste auch den jüngsten schon vermittelt werden....

Ausgeflippter Lodenfreak
23
12.1.2011, 15:47

Um das zu kapieren, braucht man aber schon Lebenserfahrung und Wissen. Man kann ja nicht wegen der Unfähigkeit der Lehrer und des Schulsystems plötzlich Kinder wie erwachsene berufsbegleitende Studenten behandeln.
Es geht hier um schulpflichtige Kinder und ihre Bedürfnisse, denen kann man ja nicht vorwerfen, dass sie nicht motiviert genug sind und von alleine verstehen, warum lernen so wichtig ist. Manchmal packe ich die Diskussion nicht.

New Hampshire
35
12.1.2011, 13:02

Liebe Lisa Nimmervoll!

Selbstverständlich MUSS man der Schule über den Küchentisch nachhelfen.

Soll heißen - es ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der Eltern, ihre Kinder abseits des Regelunterrichts bildungstechnisch weiter zu fördern und fordern.

Gut und sinnerfassend lesen lernt man nur durch eines....üben, üben, üben.
Selbes gilt für das Rechnen und Schreiben.

Die Lehrerin zeigt vor, wie es geht - aber damit es sitzt, braucht es auch Erziehungs- & Bildungsberechtigte zu Hause, die da weitermachen, wo Schule aufhört.

Und mir kann niemand erzählen, dass in Canada & Finnland die Kinder qua natura so gescheit sind, dass ihnen alles ins Hirnkastl einfach so reinfliegt.

consul
31
12.1.2011, 17:55

wenn das lernen zuhause statt finden soll, dann brauche ich die lehrer nicht. da reichen die lehrbücher, um den stoff darzustellen. das ist dann wie ein fernstudium. ich glaub die meisten lehrer wollen sich garnicht mit den schülern auseinandersetzen. Und wenn sie behaupten das system gibt ihnen keine zeit, dann hätten ja generationen von lehrern ja schon an einer änderung arbeiten können. aber nur blockieren und an zuständen aus der monarchie festhalten wirds in zukunft wohl nicht sein. beamte wollen nix ändern, das ist die wahrheit.

Gut informierter Leser
33
12.1.2011, 16:54
Üben, üben, üben

Richtig! Aber wieso soll das die Aufgabe der Eltern sein?

Wieso sollen z. B. ein pädagogisch völlig ungeschulter Maurer, Finanzbeamte oder Chirurginnen sich überlegen müssen, wie man dem verzweifelten Kind etwas erklärt, was es in der Schule nicht verstanden hat? Das ist Aufgabe der Lehrer, weil sie dafür Spezialisten sind.

Ausgeflippter Lodenfreak
26
12.1.2011, 11:01

Was man dabei immer auch betonen muss ist, dass die erfolgreichen Länder nicht mehr Geld in die Bildung stecken als Österreich, sondern eher weniger. Das Bildungssystem hat aber leider nicht als Hauptzweck, dass möglichst viele möglichst gut gebildete Schüler und ein gewisser Anteil besonders guter hevorgeht, sondern den Schutz von Lehrern, die Umsetzung von Ideologien (konservative und linke) und natürlich die Versorgung der Parteigünstlinge.

Geh!danke
12
12.1.2011, 10:35
Dann können Eltern wieder Eltern sein... Vielleicht so:

Lehrer bittet Eltern in d. Schule, will von seinen Problemen mit d. Kind sprechen. Der Vater will das gar nicht hören, unterbricht ihn und verlangt: "Jetzt sagen Sie doch endlich etwas Positives über mein Kind!" Dafür wird er vom Moderator(ORF) gelobt! Das Gesetz sieht vor, dass Schule und Eltern zusammenarbeiten. Lehrer berichten, dass viele Eltern nicht einmal nach wiederholter Aufforderung bereit sind, in die Schule zu kommen und nicht einmal kontollieren, ob die Aufgaben gemacht wurden.
Frau Nimmervoll plädiert für eine "ganztagsschule", wie sie schon unter Gehrer geplant wurde, aber das kann man auch ohne polemischen Unterton!

NobbyNobbs
35
12.1.2011, 11:52
sorry, aber

lehrer bekommen bezahlt, damit sie meinem kind den lehrstoff VERSTÄNDLICH beibringen.
ich kann ja auch nicht verlangen, das das, was ich verabsäumt habe jemand anderer zu machen hat.

jana_einsteinova
10
12.1.2011, 16:56

vielleicht haben auch Sie etwas in der Erziehung verabsäumt und verlangen das von der Lehrern wieder gut zu machen?

Vl sollten Sie ihr Kind doch in die Hauptschule stecken?

florus flagrantius
00
12.1.2011, 16:28
ich kann ja auch nicht verlangen, das das, was ich verabsäumt habe jemand anderer zu machen hat.

ich hoffe sie überlassen das erlernen der deutschen einem dafür ausgebildetem, ansonsten beschäftigen sie sich nochmal mit mit ihr. nehmen sie stunden.

radioactif
42
12.1.2011, 12:00

wer nicht lernen will lernt auch vom besten lehrer nichts. und die kinder zu motivieren ist wirklich nciht aufgabe der lehrer. das müssen schon die eltern. oder auch nicht. es muss auch niemand erfolgreich eine schule abschliessen. man muss sich halt vor augen halten, dass in 5-10 jahren das sozialsystem so nicht weitergehen wird und dann werden die die nix können durch die finger schauen.

Gut informierter Leser
12
12.1.2011, 16:57
Kinder zu motivieren

ist die WICHTIGSTE Aufgabe der Lehrer! Alles andere geht dann fast von allein.

radioactif
00
12.1.2011, 17:12

ich sage ja nicht, dass es schlecht wäre wenn lehrer ihre schüler motivieren können, aber am ende liegt die _verantwortung_ dafür dass schüler sich in der schule anstrengen bei den eltern, nicht bei den lehrern. eine gesellschaft in der den bürgern immer mehr verantwortung vom staat abgenommen wird, wird im gleichen mass zunehmend eine UNFREIE gesellschaft.

willibald raubal
14
12.1.2011, 13:04

die kinder zu motivieren ist nicht die aufgabe der Lehrer????? was denn sonst? das ist eine kernaufgabe! wer das nicht kann und/oder will soll sich einen anderen Job suchen

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Posting 1 bis 25 von 66
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