Fernsehen entdeckt Liebe zur Renaissance

11. Jänner 2011, 18:16
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Einheitsgeschmack für möglichst viele Märkte - Jan Mojto produziert mit ZDF und ORF "Borgia", US-Sender "The Borgias"

Wien - 2011 schlägt einmal mehr das Finanzkrisen-Trauma der TV-Produzenten zu. Um Kosten und Risiko zu minimieren, kam es in Zeiten des Einbruchs zu besonders intensiven länderübergreifenden Kooperationen. Das wird sich so bald nicht ändern. Der Preis dafür ist ein antizipierter Einheitsgeschmack, der auf möglichst allen Märkten bestehen soll.

Stoffe dazu gibt es offenbar immer weniger, nur so lässt sich erklären, dass 2011 zweimal die Geschicke der spanischen Adelsfamilie "Borgia" Thema von TV-Produktionen sind. Jan Mojto produziert Borgia, ORF und ZDF sind mit an Bord. Oliver Hirschbiegel (Der Untergang) führt Regie. John Doman (The Wire), Andrea Sawatzki und Udo Kier spielen. Das zwölfteilige Epos kostet 25 Millionen Euro und gilt als teuerste europäische Serie. Voraussichtlicher Sendetermin: Herbst 2011. Schon früher startet der US-Sender Showtime nämliche Geschichte mit sehr ähnlichem Titel, "The Borgias". Jeremy Irons spielt Clanoberhaupt und Papst.

Serienimporte

Die Lust aufs Koproduzieren könnte sich gedeihlich auf Serienimporte auswirken. Kräftige Lebenszeichen kommen etwa aus Großbritannien. Ridley Scott entwickelt für BBC "The Man in the High Castle". ITV steckt James Nesbitt für "Monroe" in die Rolle eines Neurochirurgen. In "Kidnap and Ransom" schlägt sich Trevor Eve (Waking the Dead) actionreich. Stephen Rea (The Crying Game) muss sich in "The Shadow Line" Verschwörungen widersetzen. Mehrheitsfähig war der britische Markt auf dem europäischen Festland bisher allerdings nicht. Mehr Chancen haben vermutlich die üblichen (US-)Verdächtigen.

Hoch im Kurs stehen wie immer Arztserien, besonders, wenn sie aus der Feder von "Grey's Anatomy"-Erfinderin Rhonda Shimes stammen: "Off the Map" platziert Notärzte im südamerikanischen Dschungel: Irgendwie auch ein Blick über den Tellerrand. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 12.1.2011)

  • Borgia hier, Borgia da: Jeremy Irons (li.) in der US-Fassung; John Doman übt sich in der Europa- Version in offeneren Gesten.
    fotos: showtime, zdf

    Borgia hier, Borgia da: Jeremy Irons (li.) in der US-Fassung; John Doman übt sich in der Europa- Version in offeneren Gesten.

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