Grenzen der Schule

11. Jänner 2011, 18:06
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Selbst wenn ausreichend Ganztagsschulplätze vorhanden wären, kann das Thema Bildung nicht einfach am Schulhof abgegeben werden

Eine grauenhafte Vorstellung: Kinder kommen ausgelaugt aus der Schule nach Hause und werden von den Eltern wegen schwacher Leistungen zu schulischen „Ehrenrunden" verdonnert - die dann nebst Demotivation auch noch zu familiärem Gezänk führen.

Dennoch: Ohne Elternhaus geht es nicht. Nicht nur, aber auch wegen der Mängel im österreichischen Bildungssystem. Allein schon dem Fehlen hunderttausender Ganztagsschulplätze ist geschuldet, dass die Rundumbetreuung nicht allein von den Lehrern durchgeführt werden kann.

Doch selbst wenn die Kapazitäten vorhanden wären, kann das Thema Bildung nicht einfach am Schulhof abgegeben werden. Das beginnt beim Lesen, bei dem die Defizite hierzulande besonders groß sind - und das trotz der angeblichen Wunderwaffe Gesamt(volks)schule, in welche die Sechsjährigen de facto eintreten. Ohne das Fördern und Fordern durch die Eltern haben die Schützlinge Startnachteile, die keine Schule kompensieren kann.

Das beginnt eben beim Lesen, auf das die Lust erst einmal geweckt werden muss, und endet bei den Hausaufgaben, bei denen je nach Begabung und Fleiß Begleitung und/oder Kontrolle der Leistungen ratsam sein können. Lästig? Mag sein. Kontraproduktiv? Möglich - vor allem, wenn der Druck die geringe Motivation zusätzlich senkt. Notwendig? Solange die perfekte Schule nicht existiert: ja. Und nebenbei: oft auch für die Erzieher lehrreich. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2011)

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