Einem Fest im Licht folgen zwei Jahre Dunkelheit

11. Jänner 2011, 17:45
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Der Flutlichtslalom von Flachau soll das Schladming der Damen werden. Zwei Millionen Euro wurden in eine neue Lichtanlage investiert. 2012 wird sie aber kein einziges Mal aufgedreht

Flachau - Stolz, wie es sich für einen Bürgermeister gehört, hat Thomas Oberreiter den Lobeshymnen gelauscht. "So eine Organisation wie hier in Flachau haben wir sonst nirgends. Das ist einmalig im Skiweltcup", sagte Fis-Renndirektor Atle Skaardal vor dem Slalom am Dienstag (nach Blattschluss dieser Ausgabe).

Der Star der Veranstaltung auf der Hermann-Maier-Weltcupstrecke war neben den Läuferinnen vor allem die neue Lichtanlage. Mächtige Strahler auf insgesamt 33 Masten erhellten sogar den Gegenhang, ein lustiger Nebeneffekt bei einer Beleuchtungsstärke von 1500 Lux auf der Strecke. Zum Vergleich: Ein TV-Studio wird mit 1000 Lux beleuchtet, eine Straße mit 10 Lux. Bergbahnen, Gemeinde und Tourismusverband ließen sich das taghelle Feeling mitten in der Nacht gemeinsam zwei Millionen Euro kosten.

Bei der Premiere im Vorjahr gab es mit der geringen Beleuchtungsstärke einer angemieteten Lichtanlage Probleme. "Einige Fotografen haben sich beschwert", sagt Oberreiter. "Wir haben uns dann zum Kauf einer eigenen Anlage entschlossen." Der Beschluss wurde von der Gemeindevertretung des 2700-Einwohner-Dorfes einstimmig gefällt, die Investition wird auf zehn Jahre abgeschrieben. Oberreiter: "Auf zehn Jahre gerechnet ist die neue Anlage fast gleich teuer, als wenn wir die Masten für die Weltcup-Bewerbe immer angemietet hätten."

Die Rechnung geht aber insofern nicht auf, da im nächsten Jahr keine Kosten für eine Anmietung angefallen wären. Flachau steht vorerst nicht im Weltcup-Kalender, die Rennen für 2013 und 2014 scheinen aber gesichert. Was im Falle der pompösen neuen Lichtanlage auch heißt, dass sie in den nächsten 730 Tagen wohl nicht eingeschaltet werden wird.

Denn für den nächtlichen Publikumsskilauf gibt es in Flachau bereits eine eigene Piste am anderen Ende des Dorfes. Und ein Flutlichtbetrieb der Hermann-Maier-Strecke hätte unweigerlich Probleme mit Anrainern zur Folge. Fünf der 33 Masten im Zielbereich werden nach dem Rennen abgebaut, um etwaigen Protesten zuvorzukommen.

"Setzen auf den Weltcup"

Alleine die Durchführung des aktuellen Weltcup-Slaloms ist den Flachauern 300.000 Euro wert. Rechnet man die Ausgaben für die Flutlichtanlage dazu, beträgt das Budget eine halbe Million Euro. "Wir setzen total auf den Weltcup und haben dafür Werbeausgaben in anderen Bereichen zurückgefahren", sagt Oberreiter, der auf eine Etablierung des Slaloms als Klassiker hofft.

Gesetzt wird in Zukunft auch auf den Flachauer Ehrenbürger Hermann Maier, der nach seiner Südpol-Expedition dem Nachtslalom seine Aufwartung machte. Im Vorjahr war er dem Event nach seinem Rücktritt noch fern geblieben, für 2013 könnte er sogar im Organisationskomitee sitzen. Oberreiter: "Es gibt Gespräche." (DER STANDARD PRINTAUSGABE 12.1. 2011)

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