Des Chefinspektors "Zund" am Gürtel

11. Jänner 2011, 17:29
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Polizist mit Rotlicht-Kontakten: Beamter weist Vorwürfe zurück

Wien - "Der Zuhälter hat neun Prostituierte am Gürtel rennen, fahrt mit dem Mercedes seine Huren ab - und dann darf er im Fernsehen meinen Namen kundtun und ich werd' suspendiert?" Am Dienstag ging der wegen angeblicher Verwicklungen in die Rotlichtszene angeklagte Wiener Chefinspektor Franz P. richtig in Saft.

Jener Zuhälter, im Milieu als "Versace" bekannt, habe als Adlatus der Gürtelgröße H. mit seiner Aussage die Affäre gegen P. ins Rollen gebracht - hinter allen Anschuldigungen würde H. stehen, erklärte der Angeklagte: "Ich hab schon als junger Beamter Ermittlungen gegen H. geführt. Als er erfuhr, wer mein Zund (Informant) ist, hat er den vor seinen Buckln (Handlangern) niederg'haut", plauderte Franz P. aus der Schule des Lebens am Gürtel.

Der letzte "Zund" von Franz P. war aber "Repic" (der Zopf), der das Animierlokal "No Name" führte. Dass er dieses Lokal besonders vor Polizeizugriffen geschützt habe, wies Franz P. zurück: "Im No Name hat es mehr Kontrollen gegeben als in ganz Margareten."

Worauf Richterin Irene Mann dem Angeklagten eine Reihe von Aussagen vorhält, wonach er in Wachzimmern und bei Polizeieinsätzen im "No Name" massiv für das Lokal interveniert habe. Dass die Kollegen "hier nichts verloren haben" und ob sie "deswegen zur Niederschrift wollen".

Franz P.: "Ich habe gewusst, dass es eine Dienstanweisung gab, dass sie in solchen Lokalen keine Razzien durchführen dürfen", wegen laufender Ermittlungen. Er habe "behilflich sein" wollen.

Franz P. setzt den Anschuldigungen eine andere Version entgegen: Ein Polizist des Wachzimmers Schönbrunnerstraße habe ein Verhältnis mit der Vorbesitzerin des "No Name" gehabt, die nicht gerade freundlich zur Übergabe "überredet" worden war. Deshalb habe der Beamte einen "Pick" auf das Lokal gehabt, und es sei teils mehrfach täglich kontrolliert worden. Jener Polizist habe ihm gesagt: "Eure Ermittlungen sind mir sch. ..egal. Das Lokal wird's nimmer lang geben."

Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 12. Jänner 2011)

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