Hintergrund

Jährlich 30.000 Tote durch Schusswaffen

11. Jänner 2011, 22:37

Neuer Vorstoß zur Verschärfung der Waffengesetze: Hochkapazitätsmagazine sollen verboten werden

Washington - Gabrielle Giffords ist eine gute Schützin. "Ich habe eine Neun-Millimeter-Glock, und ich schieße ziemlich gut", sagte die US-Abgeordnete im vergangenen Jahr zur "New York Times". Auch Jared Loughner besaß völlig legal eine Waffe des Herstellers Glock. Der 22-Jährige nutzte sie am Samstag in Tucson für das Attentat, bei dem Giffords schwer verletzt und sechs Menschen getötet wurden. Die Bluttat hat erneut den Blick auf die laxen Waffengesetze in den USA gerichtet. Gerade der Fall der Abgeordneten Giffords zeigt aber auch, warum Gegner der Waffenfreiheit auf verlorenem Posten stehen.

Giffords war nicht gegen das Recht auf Waffenbesitz. Im Gegenteil: So wie viele ihrer Wähler im alten Wildwest-Staat Arizona verteidigte sie resolut das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf Waffenbesitz. Arizona ist einer von nur drei US-Staaten, in dem Bürger ohne Sondergenehmigung verdeckt Waffen tragen dürfen - so auch der mutmaßliche Attentäter Loughner, trotz psychischer Auffälligkeiten. Waffen dürfen auch mit in Bars und Restaurants genommen werden. Im Landesparlament von Arizona liegt derzeit ein Gesetzentwurf vor, der Studenten das Tragen verdeckter Waffen auf dem Campus erlauben soll.

Die Polizei steht der Aufrüstung der Bevölkerung fast hilflos gegenüber. "Ich bin dagegen, jeden hier im Staat überall verdeckte Waffen tragen zu lassen", sagte Tucsons Sheriff Clarence Dupnik nach dem Attentat. Resigniert fügte er mit Blick auf die schießwütige Wildwest-Stadt Tombstone hinzu: "Wir sind das Tombstone (Grabstein, Anm.) der USA." Der Sheriff weiß: Nicht die Polizei macht die Gesetze, sondern die gewählten Abgeordneten im Landesparlament und im Kongress in Washington. Und bei denen fehlt der politische Wille zu einer grundlegenden Änderung. Die Waffenbesitzer haben in Washington eine politische und finanziell mächtige Lobby.

Dabei sterben in den USA jedes Jahr etwa 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Knapp 60 Prozent davon sind Selbstmorde, 40 Prozent sind Tötungsdelikte. Weitaus mehr Bürger werden im eigenen Land erschossen als bei Kriegseinsätzen im Ausland, etwa im Irak oder in Afghanistan. Befürworter überhöhen den Waffenbesitz zu einer unverzichtbaren kulturellen Eigenheit der USA. Besonders ausgeprägt ist dieses Empfinden in ländlichen Regionen wie Arizona. Giffords vertrat mit ihrer Pro-Waffen-Politik die Mehrheit ihrer Wähler im Wahlkreis. Als Gegnerin des Waffenbesitzes hätte sie wohl keine Chance gehabt.

Unter dem Eindruck des Schocks über das Attentat wollen einige von Giffords' Kongresskollegen einen neuen Vorstoß zur Verschärfung der Waffengesetze wagen. Tucson habe erneut gezeigt, "warum wir gefährliche Waffen aus den Händen der falschen Leute fernhalten müssen", sagte die demokratische Abgeordnete Carolyn McCarthy. Seit ihr Mann 1993 von einem Amokläufer erschossen wurde, setzt sie sich für strengere Waffenkontrolle ein - und steht meist auf verlorenem Posten. In den vergangenen zehn Jahren wurden die wenigen bestehenden Beschränkungen durch Gerichte und Parlamente weiter aufgeweicht.

Die Waffengegner wollen nun zumindest durchsetzen, dass Hochkapazitätsmagazine mit 30 Schuss - wie sie der Attentäter von Tucson nutzte - verboten werden. Das Magazin könnte etwa auf zehn Schuss begrenzt werden. Danach muss der Schütze das Magazin wechseln, ehe er weiterschießt. Genau dabei - beim Wechseln des Magazins - wurden der Attentäter von Tucson wie auch andere Täter vor ihm überwältigt.

Freilich haben selbst solche begrenzten Beschränkungen im US-Kongress kaum eine Chance, wo eine große Koalition der Waffenbefürworter beider Parteien jedes Zugeständnis blockiert. Seit die konservativen Republikaner die Kongresswahl im November gewannen, sind eingefleischte Waffenbefürworter auf Schlüsselpositionen aufgerückt. Der texanische Republikaner Lamar Smith, der Vorsitzende des Justizausschusses, steht jeder Verschärfung der Waffengesetze skeptisch gegenüber. "Es ist enttäuschend, dass manche Abgeordnete das Attentat dazu nutzen, ihre persönliche Agenda durchzudrücken", sagte er. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 177
1 2 3 4 5
misanthropie
01
12.1.2011, 11:24
"Es ist enttäuschend, dass manche Abgeordnete das Attentat dazu nutzen, ihre persönliche Agenda durchzudrücken"

jup, weil bei 9/11 hat KEIN politiker NIRGENDWO auch nur IRGENDWAS von seine persönlichen, durch lobbyisten gesponserte, agenda durchgedrückt..

Käpt`n Blaubär
24
12.1.2011, 10:04
Da sterben ja mehr Leute durch Schusswaffen ...

als durch's Rauchen.

That Guy...
 
11
12.1.2011, 18:19

435.000 tote in den us durch tobacco-related causes
32.000 selbstmorde (inkl schusswaffen)
18.000 selbstmorde davon mittels schusswaffen
12.000 sonstige schusswaffentote (exkl suizid)

anm.: die us-suizidrate (11:100.000) liegt trotzdem merklich unter dem eu-durchschnitt und der österreichs (15,4:100.000). litauen und ungarn sind dabei die eu-spitzenreiter mit 30,4:100.000, bzw 26:100.000

quelle 1: http://www.cdc.gov/mmwr/prev... 235a4.html
quelle 2: http://www.suicide.org/suicide-s... .html#2005
quelle 3: https://secure.wikimedia.org/wikipedia... C3%A4ndern

That Guy...
 
01
12.1.2011, 18:41
ein wenig statistik...

vergleich der wahrscheinlichkeiten:

in den usa opfer eines schusswaffenverbrechens zu werden
1 : 28.200
wahrscheinlichkeit in den usa selbstmord zu begehen
1 : 9.100
wahrscheinlichkeit in aut selbstmord zu begehen
1 : 6.500

von 100.000 österreichern bringen sich 15,4 selbst um.

von 100.000 amerikanern bringen sich 11 selbst um und 3,5 werden erschoßen (inkl unfälle mit schußwaffen und durch polizeieinsätze).

statistisch gesehen ist der durchschnittliche österreicher für sich selbst eine größere gefahr als etwa der durchschnittliche us-amerikaner, trotz der dort verbreiteten schusswaffen... zeit zum übersiedeln - aus sicherheitsgründen ;)

ps: wer denk- oder rechenfehler findet, möge sie bitte hier posten. danke!

Chris Quast
00
15.1.2011, 15:29

besonders arg hab ich diesen fakt gefunden.

in philadelphia ist für african american 20-24 die chance durch mord zu sterben höher als die das amerikanischen militärpersonals im irak.

5 von 1000 vs. 4 von 1000

schlechter Gutmensch
11
12.1.2011, 11:10
glaub ich nicht... trotzdem horrend: ein 9/11 alle 3 Wochen

die USA hat grob 40x so viele EW wie österreich und bei uns sterben pro Jahre über 10.000 Menschen am Rauchen (+ ca. 1000 am Passivrauch)... d.h. die Anzahll der tabakopfer dürfte in den USA noch weit höher sein.

Trotzdem ist das eine horrende Zahl: entspricht in etwa einem 9/11 alle 3 Wochen.... und wenn man bedenkt, was 9/11 für Folgen hatte.....

schlechter Gutmensch
10
12.1.2011, 11:13
huups... sorry... ein 9/11 alle 6 Wochen

sorry!!!!

Chris Quast
00
12.1.2011, 10:30

aber auch nur wenn du österreich mit usa vergleichst

Mork vom Ork
00
12.1.2011, 08:10

wieviele Tote haben wir in Österreich durch schusswaffen? Wird zwar auch proportional weniger sein ... aber sicher auch genug

Selfdefense
00
12.1.2011, 09:23
Bluttaten in Österreich

Die meisten Bluttaten (Mord und Mordversuch) in Österreich passieren mit "Hieb und Stichwaffen" (60%), das Küchenmesser (rund 30% aller Fälle) ist hierzulande das Lieblingsinstrument.

Legale Schußwaffen kommen auf etwa 3% der Fälle, meist sind es "erweiterte Selbstmorde" von alten, kranken Menschen.

Apropos Selbstmorde: 100% der Selbstmorde geht eine klinische Depression voraus. Die könnte man erkennen, und damit vielen Menschen helfen.

Chris Quast
00
12.1.2011, 11:05

echt stimmt der letzt satz wirklich ?

Selfdefense
00
12.1.2011, 13:28
Depression und Selbstmord

Dazu gab es im Burgenland eine Studie. Praktische Ärzte bzw. deren Patienten über die Symptome von Depressionen aufgeklärt und Selbstmorde nahmen ab.

Depression: 5 oder mehr Symptome während der letzten 2 Wochen, die meiste Zeit und an fast allen Tagen, und als Änderung

- Traurigkeit, Gefühl der Leere, Tränen, Irritierbarkeit
- Lustlosigkeit, Interesselosigkeit
- Gewichtsänderung, Appetitsänderung
- Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis
- Rastlosigkeit oder Langsamkeit (psychomotorisch)
- Erschöpfung oder Kraftlosigkeit
- Selbstwertverlust oder unangemessene Schuldgefühle
- Verlust von Konzentrationsfähigkeit oder Entschlossenheit
- wiederkehrende Todesgedanken, Selbstmordgedanken mit/ohne Plan, Selbstmordversuch

Karl41
14
12.1.2011, 01:53
3´000 wäre besser als 30´000

Ich empfehle das Studium der „UNOCD“ Statistik mit dem Titel „Homicide Statistics, Criminal Justice Sources - Latest available year (2003-2008)“. Das sind die gewaltsam vom Leben befreiten Personen auf 100´000 Personen bezogen, hier ein Beispiel:
Österreich 0,5/ USA 5,2/ (also pro Einwohner 10 mal wahrscheinlicher als in Ö gewaltsam gestorben zu werden), da ist doch das Waffenrecht in den USA für die Sicherheit eventuell doch nicht so optimal. Schweden 0,9/ Finnland 2,5/ bitte den Unterschied des Waffenrechts beachten, Schweden restriktiv, Finnland „liberal“, . Also was ist gewünscht??

Hepkat
00
12.1.2011, 12:34

Statistik erzählen leider nicht die ganze Geschichte. Es stimmt dass in den USA mehr Leute wegen Schusswaffen sterben, ABER die überwältigende Mehrheit davon sind wegen Bandenkriege, also Schießerei zwischen Verbrecher und Bandenmitglieder.

In der Tat geht die amerikanische Durchschnittsperson ganz sicher auf deren Straßen da es WENIGER Kriminalität in den USA als in Europa gibt.

Anders als wie die europäischen Medien deren Leserschaft so gerne predigen, Kriminalität in Europa ist eigentlich höher als die der USA. Es gibt mehr Waffenverbrechen in den USA aber Kriminologen wissen seit ewig dass die Kriminalitätsrate trotzdem niedriger ist. Glaubt ihr mir nicht? Schaut mal im Internet aber bereitet euch vor, geschockt zu werden.

Chris Quast
00
15.1.2011, 15:52

ja auch der autobruch ist einverbrechen. ist mir aber doch lieber sie klauen mir mein auto, anstatt zufällig wo ne kugel einzufangen.

andererseits könnte man auch sagen, auch kriminelle bandenmitglieder sind menschen.

Promille Prolet
00
12.1.2011, 13:47

ich gehe mal davon aus, dass die bandenmitglieder keinen waffenschein haben

monoton
31
12.1.2011, 09:32

ja, die waffenfetische erfreunen sich über jeden toten der durch ihre lieblingssexobjekte stirbt

Selfdefense
12
12.1.2011, 09:30
Traue keiner Statistik...

in der Gegenüberstellung fehlt die Schweiz. Hohe Verfügbarkeit von Schußwaffen (jeder Milizsoldat hat eine KRIEGSWAFFE zuhause), niedrige Mordrate. Oder auch Deutschland - strengeres Waffengesetz als Österreich, aber höhere Mordrate.

Die USA haben ein gesellschaftliches Problem in Form einer hoffnungslosen Unterschicht, die sich in Banden- und Drogenkriminalität äußert (z.B. sind 70% der MordOPFER vorbestraft) und selbstverständlich mit illegalen Waffen begangen wird.

Illegael Waffen bekommt man mit einem restriktiven Waffenrecht niemals in den Griff. Im Gegenteil, garantiert wehrlose Opfer fördern sowohl Amoktaten (die seltsamerweise immer in "waffenfreien Zonen" passieren) als auch die gewöhnliche Kriminalität.

lona misa
00
12.1.2011, 11:46
und wo kommen die illegalen waffen her?

die wurden irgendwann einmal legal produziert...

Selfdefense
00
12.1.2011, 13:44
Nicht notwendigerweise

...es werden illegale Waffenfabriken betrieben, getarnt (Nähmaschinen) oder offen, je nach staatlichem Umfeld.

...es werden Waffen in Hinterhofwerkstätten hergestellt (Afghanistan und IRA).

...es werden aus legalen Fabriken, Lagern oder (besonders gerne) staatlichen Arsenalen Waffen gestohlen.

...es werden Dienstwaffen verscherbelt und als "verloren/gestohlen" gemeldet (Irak).

...es werden legitime Lieferungen an erlaubte Empfänger umgeleitet (Afrika).

...es werden Kriegswaffen im Regierungsauftrag heimlich an politisch geeignete Milizen geliefert.

Aus dem legalen Bestand an privaten Waffen stammt nur ein kleiner Bruchteil der Schwarzmarktware.

Hepkat
00
12.1.2011, 12:20

...viele von denen natürlich aus Österreich!

freeye
01
11.1.2011, 23:54
what instrument does he play?

http://pics.nase-bohren.de/thegun.jpg

Frank Duval
711
11.1.2011, 23:31

Ich war immer gegen den privaten Waffenbesitz, aber ich bin mir da nicht mehr so sicher. Mein Großvater hatte - wie wohl alle in seiner Generation - einen Waffenschrank und es ist nie was passiert. Wenn ich jemanden töten will, reicht ein Küchenmesser oder wie jüngst bei dem Kindesmord in Vorarlberg blosse Gewalt. Die Frage ist halt: Angenommen, die Zeiten werden noch schlechter, die "Bösen" werden sich bewaffnen, soll man sich das bieten lassen oder im Notfall in der Lage sein, seine Familie zu verteidigen. Das ist eine schwierige Frage, aber man sollte sich die schon stellen.

born in 1984
00
12.1.2011, 14:00

sie haben völlig recht, aber was sie machen solln wenn sie den "Bösen" wie auch immer gegenüberstehen zeigt ihnen ja die neue TV Werbung der Polizei "echte Helden rufen um Hilfe" ist natürlich der grösste Schwachsinn wenn es um mein Leben oder um das meiner Familie geht werd ich nicht sagen können Moment mal die Polizei ist schon am Weg, gefählich ists auch wenn mal die Polizei zu den "Bösen" werden so wie wir es in den 30ern und anfang der 40er schon hatten (was auch der eingentliche Grund für den 2. Vervassungszusatz der USA ist hat also nix mit Cowboys zu tun wie uns hier in Europa gern erklärt wird)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 177
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.