Spanische Hofreitschule erneut mit roten Zahlen

11. Jänner 2011, 15:40
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Eine US-Tournee-Absage, kranke Pferde und der isländische Vulkanausbruch versperrten den Weg aus dem Defizit

Wien - Wieder rote Zahlen statt einer schwarzen Null: Die Spanische Hofreitschule schließt das Jahr 2010 mit einem Minus ab. Aufgrund der Absage der USA-Tournee bilanziert das Traditionsunternehmen laut der vorläufigen Zahlen mit einem Defizit von 950.000 Euro. "Durch den Tourneeausfall sind wir noch nicht in den schwarzen Ziffern", bedauerte Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler in einer Pressekonferenz am Dienstag. Im Jahr 2009 betrug das Minus nur 269.000 Euro. Für 2011 rechnet die Hofreitschule mit einem Gewinn.

Die USA-Tournee im Vorjahr sei aufgrund der Wirtschaftskrise gecancelt worden: "Es war bereits unterschrieben", berichtete Erwin Klissenbauer, der kaufmännische Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule. Somit hatte das Unternehmen 2010 keine Einnahmen aus Tourneen. Auch die Absage von Vorstellungen und Führungen aufgrund der Herpesviruserkrankung einiger Pferde, sowie ausbleibende ausländische Gäste wegen der Aschewolke im vergangenen Frühjahr führten zu finanziellen Ausfällen.

Insgesamt konnte der Traditionsbetrieb im Vorjahr einen Gesamterlös von 8,1 Millionen Euro lukrieren. Davon brachten unter anderem die Vorführungen und die Morgenarbeit rund 4,3 Millionen Euro, die geführten Rundgänge und der Souvenir-Shop 1,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 betrug der Gesamterlös 8,6 Millionen Euro. Klissenbauer betonte jedoch, dass es seit 2007 "umsatzmäßig" einen klaren Trend Richtung Verbesserung gebe.

Lizenzen

So seien seit damals nicht nur die Zahl der Vorführungen und der Morgenarbeit erhöht worden, sondern auch neue, zusätzliche Einnahmequellen erschlossen worden. Unter anderem wurden Lizenzen vergeben, Immobilien wie die Hofapotheke oder Wohnungen in Piber vermietet und Eigenveranstaltungen wie der Fete Imperiale oder Fund-Raising-Events ins Leben gerufen. Die Charity-Events etwa brachten insgesamt 356.000 Euro Reingewinn. Investiert wurde 2010 unter anderem in eine neue Beleuchtungsanlage in der Winterreitschule, in den Ausbau der Anlage am niederösterreichischen Heldenberg zum Ausbildungszentrum sowie eine Biogasanlage im Gestüt Piber.

Eine Bildungsreform gibt es zudem in der Spanischen Hofreitschule: Künftig schließen die Eleven nach drei Jahren die Ausbildung mit dem Lehrberuf zum Pferdewirt ab. Derzeit seien laut Gürtler vier Eleven, zwei Burschen und zwei Mädchen, in der Ausbildung. Diese wird gerade auf eine staatlich anerkannte Lehrlingsausbildung umgestellt. Bisher bildete die Hofreitschule nämlich eine Ausnahmen, da der Nachwuchs lediglich Praxisunterricht im Reiten und in der täglichen Pferdepfelege erhielt, jedoch parallel dazu keine Berufschule besuchen musste. Das hat sich geändert: Ab sofort erhalten die Lehrlinge begleitend zur Praxis auch Unterricht in den notwendigen Fächern für Pferdewirtschaft. Nach drei Jahren erhalten sie dann einen Abschluss als Pferdewirt.

Besucheranstieg

Bei den Besucher hatte die Spanische Hofreitschule 2010 keine Probleme: Laut Klissenbauer wurden rund 320.000 Gäste gezählt, im Jahr davor waren es noch 300.000. Die Jahresauslastung betrug 94 Prozent. Die meisten ausländischen Besucher, nämlich 20 Prozent, kamen dabei aus Deutschland, elf Prozent aus Großbritannien, zehn Prozent aus den USA.

Für 2011 rechnet die Hofreitschule mit einem Gewinn: So sollen allein die geplanten Tourneen nach Paris, Moskau, Saumur, Saarbrücken, Brüssel, London und Basel rund eine Million Euro Einnahmen bringen. Die Auslandsauftritte seien sehr wichtig, denn: "Nur mit Vorführungen in Wien werden wir die Spanische Hofreitschule nicht in schwarze Ziffern führen", erklärte Gürtler. Die Gastspiele werden künftig anders gestaltet sein: So werde im Rahmen der Vorführung etwa ein Film laufen, der die Winterreitschule zeige. Das soll Atmosphäre schaffen und Geschmack auf Wien machen. Überdies werde ein Live-Orchester spielen. Geplant sei außerdem, ab Mitte des Jahres Kurse und Seminare im Ausbildungszentrum Heldenberg anzubieten und dadurch zusätzliches Geld zu lukrieren.

Allmählich solle die Spanische Hofreitschule in eine finanzielle "Komfortzone" kommen, betonte Gürtler. "A la longue" rechne sie mit einem Gewinn zwischen 500.000 und einer Million Euro. Wesentlich dazu beitragen solle eine zweite Equipe, die sich seit 2008 im Aufbau befindet: Geben wird es diese frühestens 2014 - abhängig von der Ausbildungsdauer der Pferde. (APA)

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