Kindstaufe: Zwischen Zwang und Erziehung

13. Jänner 2011, 12:49
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50.000 Menschen werden in Österreich pro Jahr getauft - Die überwiegende Mehrheit ist dabei noch religionsunmündig

Zu neuen Mitgliedern kommt die katholische Kirche vor allem durch die Taufe. Während die Zahl der Kirchenaustritte steigt, sinkt zugleich die Zahl der Taufen. So wurden im Jahr 2009 österreichweit 49.892 Menschen getauft, im Jahr 2005 empfingen noch 53.066 das heilige Sakrament. Aber auch die Zahl der Geburten ist gesunken. Im Jahr 2009 wurden in Österreich 76.322 Kinder geboren, 2005 waren es noch 78.190.

Kaum Erwachsenentaufen

Von den knapp 50.000 frisch Getauften im Jahr 2009 waren fast 46.000 unter einem Jahr alt, 3.500 Kinder ein bis sechs Jahre und 900 waren sieben bis 14 Jahre alt. 253 Menschen waren bei ihrer Taufe über 14 Jahre alt. Ab 14 gilt man als religionsmündig.

Viele Eltern fragen sich, ob sie überhaupt das Recht haben, ihrem Kind die Entscheidung zum Kirchenbeitritt vorwegzunehmen und sozusagen eine "Zwangsmitgliedschaft" zu initiieren. Auch innerhalb der Kirchen ist es strittig, ob eine Kindstaufe legitim ist. Einige Freikirchen, etwa die Baptisten, erkennen eine Säuglingstaufe nicht als gültige christliche Taufe an, da ihnen das persönliche Glaubensbekenntnis des Täuflings als wesentliches Qualitätsmerkmal fehlt.

Markus Schlagnitweit, Priester und Mitarbeiter der Katholischen Sozialakademie Österreichs, sagt dazu: "Eltern treffen im Rahmen ihrer erzieherischen Verantwortung über viele Jahre hinweg Entscheidungen für ihre Kinder". Dazu gehöre auch die Entscheidung, ob ein Kind getauft werden soll oder nicht. Im Laufe eines Erwachsenenlebens müsse jeder ohnehin immer wieder entscheiden, ob er zur Kirche gehören will. Um diese Entscheidung auch fundiert treffen zu können, sei es notwendig, die Kirche und die religiöse Praxis von innen heraus zu kennen.

Christentum verfolgt

"Selbst, wenn es nachvollziehbar erscheint, dass Eltern ihre Kinder innerhalb der Glaubensgemeinschaft erziehen wollen, widerspricht die Zwangstaufe der individuellen Selbstbestimmung in diesem höchstpersönlichen Bereich", entgegnet Niko Alm, Vorstand der Konfessionsfreien, Initiator der Laizismus-Initiative und Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung in Österreich.

Dass nicht alle Taufen aus einer tiefen religiösen Überzeugung heraus stattfinden, glaubt Schlagnitweit: "Manchmal wollen die Eltern den Konflikt mit den Großeltern vermeiden, die auf eine Taufe bestehen". Viele würden auch denken, dass sie ihrem Kind Zukunftschancen verwehren. "Aber am Religionsunterreicht können etwa auch nicht getaufte Kinder teilnehmen", so Schlagnitweit.

Im Christentum war es nicht immer möglich, dass Kinder, also "religionsunmündige Personen", getauft werden. Schlagnitweit: "Wo das Christentum politisch verfolgt wurde, wurden nur Erwachsene, gestandene Menschen getauft, die das Risiko bewusst auf sich nehmen wollten oder konnten."

Getauft bleibt getauft

Wer einmal getauft wurde, bleibt getauft, selbst wenn er oder sie später den Austritt aus der Kirche erklärt. "Man verzichtet durch den Austritt auf gewisse Mitgliedsrechte und entledigt sich gewisser Mitgliedspflichten, bleibt - theologisch betrachtet - aber dennoch Christ - entweder als bekennendes Mitglied einer anderen christlichen Gemeinschaft oder eben konfessionslos", erklärt Schlagnitweit. Deshalb wird ein einmal ausgetretener Getaufter bei einer allfälligen Rückkehr in die ursprüngliche oder eine andere Kirche auch nicht erneut getauft.

Getaufte zahlen Kirchenbeitrag

Grundsätzlich bedeutet die Taufe auch die Aufnahme in eine christliche Kirche - und im österreichischen System der Kirchenfinanzierung ab der Volljährigkeit auch die Beitragspflicht. "Das römisch-katholische Firmsakrament hat im Vergleich zur Taufe eine eher 'interne' Bedeutung auf dem Weg zu einem mündigen Christsein, aber nicht in Hinblick etwa auf die Beitragspflicht", erklärt Schlagnitweit. Wer getauft, aber nicht gefirmt ist, wird also auch zur Kasse gebeten. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 13. Jänner 2011)

  • Pro Jahr werden in Österreich etwa 50.000 Kinder getauft.
    foto: epa/soren bidstrup

    Pro Jahr werden in Österreich etwa 50.000 Kinder getauft.

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