Spaniens Zeitungen kritisieren Messi-Wahl

11. Jänner 2011, 13:17
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Im Land des Weltmeisters hätte man lieber Xavi oder Iniesta als Gewinner gesehen: "Die Weltmeisterschaft scheint nichts zu zählen"

Madrid  - Die Auszeichnung des Argentiniers Lionel Messi zum Weltfußballer des Jahres 2010 ist in Spanien auf heftige Kritik gestoßen. Die Spanier Xavi und Andres Iniesta waren bei der Wahl leer ausgegangen. Die spanischen Medien sahen darin eine "Missachtung des Weltmeisters". Die meistgelesene Zeitung "Marca" schrieb am Dienstag, die Nominierung zeige, dass der Weltverband (FIFA) und dessen Schweizer Präsident Joseph S. Blatter gegen Spanien voreingenommen seien.

"Spanien hat in den Urnen kein Gewicht", meinte die Zeitung "El Pais". "Die Wahl Messis war verdient. Aber der spanische Fußball hatte es nicht verdient, übergangen zu werden." Das Sportblatt "Marca" witterte sogar eine Verschwörung der FIFA: "Der FIFA-Chef Blatter hatte die Spanier bereits mit verdächtigen Methoden um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2018 gebracht. Xavi und Iniesta gewannen mit dem FC Barcelona ebenso viele Titel wie Messi. Aber sie haben etwas, was der Argentinier nicht hat. Sie gewannen die WM."

"Die Weltmeisterschaft scheint nichts zu zählen"

Das Konkurrenzblatt "As" ergänzte: "Spanien erlebte einen Reinfall. Die Weltmeisterschaft scheint nichts zu zählen." Die spanische Presse sah sich in ihrer Kritik auch dadurch bestätigt, dass der nunmehrige portugiesische Real-Feldherr Jose Mourinho, der Inter Mailand 2009 zum Triumph in der Champions League geführt hatte, zum besten Trainer gewählt wurde. Die beiden Spanier Vicente del Bosque, Coach des WM-Teams, und der Barca-Trainer Josep Guardiola belegten den zweiten und dritten Platz.

"Mir wäre es lieber gewesen, wenn Xavi oder Iniesta die Auszeichnung bekommen hätten", sagte Iker Casillas, Tormann und Kapitän des Weltmeisters. Del Bosque meinte: "Es ist schade, dass keiner unserer Spieler zum Weltfußballer gewählt wurde. Xavi und Iniesta hätten es verdient gehabt."

"Er ist mit 23 bereits eine Fußball-Legende"

Während die spanische Presse eine Verschwörung der FIFA witterte, überschüttete die Fußballwelt den argentinischen Dribbelkünstler am Tag danach mit den üblichen Lobeshymnen.  "Vielleicht hat er die Wahl auch deshalb gewonnen, weil er wie kein anderer für den Glauben an das Gute und für die Hoffnung im Fußball steht", schrieb am Dienstag die "Neue Zürcher Zeitung". "Er ist mit 23 bereits eine Fußball-Legende", befand das französische Fachblatt "L'Equipe".

"Das ist eine schöne Überraschung", gab der 1,69 Meter große Ausnahmekönner zu, als er sich mit beiden Armen auf das Podium des Festsaals im Kongresshaus am Ufer des Zürichsees stützte und in einer kurzen Ansprache allen dankte, die ihm gerade so einfielen. Natürlich ließ er auch die geschlagenen Vereinskollegen vom FC Barcelona nicht aus. "Vorher war immer von Xavi und Andres die Rede. Sie hätten die Auszeichnung nach diesem tollen Jahr auch verdient gehabt."

Er ist halt doch der Beste

Erstmals seit Einführung der Weltfußballer-Wahl 1991 wurde in einem WM-Jahr nicht der dominierende Akteur des Weltmeisters zum besten Fußballer des Planeten gekürt. Dass in einem Jahr, in dem Messi auf der großen internationalen Festspielbühne eher enttäuschte, keiner der beiden nominierten Weltmeister die höchste Individual-Auszeichnung im Fußball erhielt, beweist einmal mehr die außergewöhnliche Klasse dieses kleinen Mannes. Die Botschaft des Abends lautete dann auch: Er ist halt doch der Beste der Welt.

Von seinem ehemaligen Teamchef Diego Maradona war Messi bei der WM in Südafrika in ein Taktik-Korsett gezwängt worden, das scheiterte. Messi blieb blass und torlos. Die Kapitäne und Nationaltrainer würdigten mit ihrer Wahl jedoch die Künste, Tore, Dribblings, Haken und Pässe, mit denen der argentinische Bara-Wirbler seine Gegner schwindlig spielt und die Zuschauer in den Stadien unterhält wie kaum ein anderer.

Messi ist mehr als Xavi und Iniesta ein Einzel-Genie, seine beiden kongenialen Partner beim spanischen Meister definieren sich stärker über das Kollektiv. Mit 22,65 Prozent der Stimmen ließ der Sieger Iniesta (17,36) und Xavi (16,48) hinter sich. Unter den ersten Elf der Wahl scheinen nicht weniger als sechs Spieler aus dem Land des Europa- und Weltmeisters Spanien auf.(APA)

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    Iniesta, Messi, Xavi - nur einer konnte Weltfußballer werden.

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