"Sterne für Kapitalmarkt stehen nicht schlecht"

11. Jänner 2011, 12:53
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Rund fünf Börsegänge in Wien und ATX-Wachstum von 15 Prozent erwartet

Wien - Für die Wiener Börse sollte das 2011 ein gutes Jahr werden. Nicht nur die Kurse der börsennotierten Unternehmen dürften weiter zulegen, es sollte nach einer bereits drei Jahre andauernden Durststrecke auch erstmals wieder zu mehreren Neunotierungen kommen. "Ich erwarte mir neue Börsenzugänge und einige Kapitalerhöhungen", sagte die Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), Birgit Kuras, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Kuras geht von rund fünf Börsengängen (IPOs) in diesem Jahr aus.

"Die Sterne für den österreichischen Kapitalmarkt stehen nicht so schlecht", so Kuras. Die Verschuldungsthematik einzelner Euroländer werde aber weiterhin eine Rolle spielen. Raiffeisen Bank International (RBI)-Chefanalyst Peter Brezinschek geht davon aus, dass an den Finanzmärkten die positiven Konjunkturüberraschungen per Saldo die nächsten Monate stärker bestimmen werden als die Schuldenproblematik.

Steigende Unternehmensgewinne, das Zinsumfeld und die Liquiditätslage sollten sich positiv auf die Wiener Börsenkurse auswirken. Die Gewinne der ATX-Unternehmen dürften heuer um weitere 21 Prozent wachsen, nach bereits 24 Prozent im Vorjahr, am stärksten bei Wienerberger (+80 Prozent), SBO und Zumtobel (jeweils +50 Prozent), prognostiziert Kuras. Die Bewertungen auf Basis der Gewinne als auch Buchwerte seien noch immer attraktiv, die Dividendenrendite liege über den fünfjährigen Staatsanleihen. Die 3.000 Punkte-Marke sollte der ATX bereits im ersten Quartal überschreiten, bis Jahresende werden 3.300 Punkte erwartet, gegenüber dem aktuellen Stand von 2.860 ein Plus von gut 15 Prozent.

Kaufempfehlungen für CEE

Auch für alle wesentlichen Börsen in Zentral- und Osteuropa (CEE) geben die Raiffeisen-Experten eine Kaufempfehlung aus. In der Region werde es nach zwei Jahren Stagnation oder Schrumpfung wieder erste Zuwächse geben, wovon auch österreichische Unternehmen profitieren sollten. Ein dämpfender Effekt auf Südosteuropa (SEE) werde von den hochverschuldeten Ländern Griechenland und Italien ausgehen, in Führung liegen werden dagegen Russland und die Ukraine mit Wachstumsraten von rund 3,6 Prozent. In Summe rechnet Brezinschek für CEE und SEE mit einem BIP-Wachstum von 3,2 Prozent, das sind 1,8 Prozentpunkte mehr als in der Eurozone, wo die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zulegen sollte.

Auch für Österreich ist der Analyst optimistischer als die Wirtschaftsforscher und erwartet für 2011 ein Wachstum von 2,5 Prozent. Die Konjunktur antreiben und die Basis für einen selbsttragenden Aufschwung legen sollten neben den Exporten vor allem die stark anziehenden Brutto-Anlageinvestitionen. Die Auswirkungen der Schuldenproblematik seien dagegen zeitlich schwer zu beurteilen und von Land zu Land unterschiedlich. Brezinschek geht davon aus, dass Portugal bereits in den nächsten Tagen unter den Euro-Rettungsschirm flüchten könnte. Die meisten CEE-Länder gingen dagegen gut mit ihren Schulden um.

Die Titel-Auswahl von Stefan Maxian, Leiter des Company Research der RCB, konzentriert sich dementsprechend auf zyklische Werte, den Bausektor, Rohstoffe, Finanztitel, Versorger und Industrie. Empfohlen werden etwa die Aktien von Strabag, RHI, Verbund, Rosenbauer, die russische Lukoil, die tschechische New World Ressources und die polnische Bank Millenium. (APA)

  • Die Sterne stehen - laut Raiffeisen-Analysten - gut für das heimische Börsejahr 2011.
    foto: epa

    Die Sterne stehen - laut Raiffeisen-Analysten - gut für das heimische Börsejahr 2011.

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