CA Immo verkauft langsamer ab

11. Jänner 2011, 11:39
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Eigenkapitalquote soll wieder auf 40 Prozent steigen, durch Verkaufserlöse und Bewertungen - Keine Kapitalerhöhung

Wien - Die zum Jahreswechsel durch die Europolis-Übernahme stark gewachsene börsenotierte CA Immo AG wird sich doch nur langsam von Immobilien trennen und sich wieder stärker auf das Halten des Bestands konzentrieren. Teile des von der ÖVAG erworbenen Ost-Immo-Portfolios wolle man nicht verstärkt wieder veräußern, wie dies noch im Juni bei Bekanntgabe des Deals in Aussicht gestellt worden war. Auch heuer plane man nur für rund 300 Mio. Euro Immo-Verkäufe, bekräftigte das Management am Dienstag vor Journalisten. Durch den Europolis-Erwerb ist das Immo-Vermögen der Gruppe von 3,5 auf 5,0 Mrd. Euro gewachsen, das Gesamtvermögen von 4,2 auf 6,0 Mrd. Euro.

Die im Vorjahr von 40 auf 30 Prozent gesunkene Eigenkapitalquote soll zumindest wieder auf die frühere Höhe steigen - durch Erlöse aus Immo-Verkäufen und höhere Immo-Bewertungen, sagte CA-Immo-Vorstand Wolfhard Fromwald. Kapitalerhöhung werde es keine geben, betonte er. Mit den Verkaufserlösen wolle man primär Kredite rückführen, allein das solle die EK-Quote um 4 bis 5 Prozent binnen zwei Jahren verbessern. Der Europolis-Kauf von der ÖVAG für 272 Mio. Euro hat diese Kenngröße um 6 bis 7 Prozentpunkte verschlechtert.

Andererseits steige der Substanzwert der CA Immo durch die Akquisition um 40 bis 50 Cent je Aktie, rechnete Fromwald vor. Per 30.9. hatte der Net Asset Value (NAV) 17,96 Euro je Aktie bzw. in Summe 1,567 Mrd. Euro betragen. Die Bilanz wird erst am 10. März vorgelegt, man sei aber in einer "positiven Stimmung", was die Ergebnisse betreffe, hieß es heute. Für 2011 erwarte man eine weitere Ertragssteigerung. Die Dividende, welche die CA Immo erstmals 2012 für das Jahr 2011 zahlen will, könnte bei etwa 2,5 Prozent des NAV liegen, schloss Fromwald an frühere Ankündigungen an. Nach heutigem Stand wären das mindestens 45 Cent pro Aktie. Die Anteilsscheine gewannen am Dienstag bis zu Mittag stärker als der ATX-Prime hinzu und notierten zuletzt bei 11,85 Euro (+1,72 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss).

Bestandsimmobilien pflegen

Im Immobilien-Bereich sollen bei der CA Immo künftig 80 Prozent des Portfolios auf Bestandsimmobilien entfallen und nur 20 Prozent auf Developments, sagte Vorstandschef Bruno Ettenauer. Früher betrug dieses Verhältnis 2:1, durch Europolis schon jetzt 3:1. Das Halten und aktive Bewirtschaften von Bestandsimmos ist Kerngeschäft der Gruppe, regional liegt der Fokus auf den drei Kernregionen Deutschland, Österreich und CEE mit Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien; genau in diesen vier Ländern ist Europolis stark vertreten. Zurückziehen will sich die CA Immo dagegen aus Randzonen (Ukraine, Russland, Schweiz), auf die aber samt opportunistischen Nebenregionen (SO-Europa) weniger als 10 Prozent des Gesamtbestands entfallen.

Die Pro-Forma-Mieterlöse des Vorjahres in Höhe von 272 Mio. Euro entsprachen exakt dem Kaufpreis für Europolis. 172 Mio. Euro der Mieterlöse lukrierte die CA Immo selbst, 100 Mio. Euro die Europolis. Zum Closing war erst die Hälfte des Kaufpreises fällig, für die zweite Hälfte wurde eine Laufzeit von 5 Jahren ab Closing vereinbart.

Ebenso wie das Verkaufsvolumen lagen 2010 auch die Investments der CA Immo bei etwa 300 Mio. Euro. Größtes Einzelprojekt in Bau ist derzeit der "Tower 185" im Frankfurter Europaviertel, allein 2011 würden 180 Mio. Euro in den Turm investiert, sagte der fürs Projektgeschäft zuständige Vorstandsdirektor Bernhard Hansen. In Wien hat die CA Immo im Dezember die Post AG als neuen Großmieter für das frühere Siemens-Areal in Erdberg gewonnen. Die Post wird auf den 32.500 Quadratmetern ihre neue Zentrale errichten, rundherum soll eine Mischnutzung etabliert werden (Wohnen, Hotels, Büros, Einzelhandel). Der Schwerpunkt der CA-Immo-Gruppe insgesamt liegt auf Büros.

Osteuropa, der zentrale Markt der CA Immo, erholt sich nach wie vor mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: rascher in Polen und Tschechien, schleppend dagegen in Ungarn und Rumänien. Mittel- und langfristig sei im Osten aber wegen der Nachzieh-Effekte gegenüber Westeuropa ein fundamentales Wachstumspotenzial vorhanden, so Ettenauer. In Deutschland und Österreich scheine die Talsohle auch am Immo-Markt durchschritten, der Aufschwung werde sich 2011 verlangsamt fortsetzen. Der Vermietungsmarkt bleibe generell herausfordern.

Zum freiwilligen Kaufangebot der Bank Austria, die bei der CA Immo von zuletzt über 10 Prozent bis knapp unter die 30-Prozent-Schwelle aufstocken möchte, will sich das Management der Immo-Gesellschaft inhaltlich noch nicht äußern. Dies werde aber im Rahmen des normalen Procedere bei der Übernahmekommission geschehen, hier ist Mittwoch dieser Woche der Stichtag. Anfang Dezember hat die Bank Austria überraschend ein Kaufoffert in Höhe von 12,35 Euro je Aktie gelegt; das entsprach einem Aufschlag von 18,6 Prozent gegenüber dem Börsekurs. Dem Offert entsprechend müsste die Bank Austria insgesamt rund 215 Mio. Euro hinblättern. Die UniCredit-Tochter wird nicht über 30 Prozent gehen, sonst müsste sie allen Aktionären ein Angebot legen. (APA)

 

 

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