Das Märchen vom besseren HDMI-Kabel

Analyse zeigt, dass man auf teure Digitalkabel getrost verzichten kann

Seit Jahrzehnten versuchen HiFi-Händler Käufer von Stereoanlagen zu angeblich besseren und damit auch teureren Kabeln zu überreden. Durch hochwertige Materialien würde die Leitfähigkeit verbessert, das (elektronische!) Signal vom Verstärker "neutraler, sanfter, kräftiger" an den Lautsprechern wiedergegeben. Fachmagazine führen eigene Ranglisten mit "besseren und schlechteren" Kabeln und rechtfertigen damit Preise, die jenseits von 1.000 Euro pro Meter liegen. Das geht soweit, dass manche Fachhändler scheinbar sämtliche physikalische Gesetze außer Acht lassen und darauf bestehen, dass etwa das Lautsprecherkabel die "wichtigste Komponente" bei einer guten Stereoanlage sei (Anm.: Hat der Autor tatsächlich erlebt).

Abzocke

Was schon im Analogzeitalter bei Röhrenverstärker und Transistorradio teils dubios anmutete, darf im Digitalzeitalter getrost als Abzocke etikettiert werden. Dies bestätigt nun auch eine Analyse von Digital Foundry. Wer einen Blu-ray-Player, einen PC oder eine Spielkonsole per HDMI-Kabel (oder DVI und Display-Port) mit seinem Fernseher oder Monitor verbinden möchte, wird mit einem 2-Euro-Supermarkt-Kabel und einem 1.000-Euro-Luxuskabel exakt die gleichen Ergebnisse erzielen. In seinem ausführlichen Test nimmt Technikredakteur Richard Leadbetter das Märchen vom "besseren HDMI-Kabel" schrittweise auseinander und weist nach, dass es bei einem Digital-Signal keine Qualitätsunterschiede geben kann. Entweder das Signal wird erfolgreich übertragen oder nicht, weil etwa eine Beschädigung vorliegt. Während bei Analog-Kabeln noch Faktoren wie die Abschirmung gegen externe Interferenzen eine Rolle spielen können, sei es bei HDMI-Kabeln unerheblich, ob die Hülle aus dickem oder dünnen Gummi oder Kontakte mit Gold beschichtet sind. Wer also nicht vor hat, seine Kabelverbindungen überaus zu strapazieren, könne bei einer üblich eingesetzten Kabellänge von bis zu vier Metern bedenkenlos zum günstigsten Angebot greifen. (Bei mehr als vier Metern müsse auf eine höhere Verarbeitungsqualität wert gelegt werden.)

Digital = besser

Leadbetter streicht auch heraus, dass man bei der Wahl zwischen analoger und digitaler Verbindung zu Bildsignalübertragung ganz klar auf letztere setzen sollte. Damit können die von der Quellenschnittstelle ausgesandten Informationen eins zu eins und Bit-genau an den Bildschirm übertragen werden. (zw)

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