"Politische Motive"

10. Jänner 2011, 18:46
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So einfach können sich die Bagatellisierer der rechten Hassindustrie in den USA nicht aus der Verantwortung stehlen

Kann ein mörderischer Psychopath "politische Motive" haben? Hanno Settele, USA-Korrespondent des ORF, warnte Sonntagabend in der ZiB davor, die Morde von Arizona "politisch zu instrumentalisieren". Man könne, solange der Täter nicht spreche, nicht wissen, ob er "politische Motive" gehabt hatte.

Leute, die zuerst eine liberale Kongressabgeordnete niederknallen und dann blindwütig in die Menge schießen (übrigens mit dem österreichischen Qualitätsprodukt Glock-Pistole in Spezialanfertigung), müssen keine klar definierten politischen Motive haben. Einer der berühmtesten Attentäter der USA und vielleicht der Welt, Lee Harvey Oswald, flirtete zwar mit dem Kommunismus, aber letztlich wollte er wohl einfach einen Präsidenten erschießen.

Doch so einfach können sich die Bagatellisierer der (ganz überwiegend) rechten Hassindustrie in den USA und anderswo nicht aus der Verantwortung stehlen. Gerade Psychopathen nehmen die Stimmung in der Gesellschaft sehr wohl auf. Und die wird in den USA derzeit ganz massiv von rechten Paranoikern, Verschwörungstheoretikern und Gewaltpredigern geprägt (Sarah Palin: "Lovers of America - don't retreat, reload !"). Auch der "unpolitische" Gestörte wird durch diese Atmosphäre des Hasses und des scheinbar "berechtigten Widerstandes" motiviert. Denn öffentliche Figuren sagen ihm, dass es ganz okay ist. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

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