Jung, wütend, ohne Zukunft

10. Jänner 2011, 20:36
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Auch einige andere Staaten in der Region, inklusive Ägypten, können die Vorgänge getrost auf sich beziehen - von Gudrun Harrer

Die neuen sozialen Unruhen im Maghreb hören nicht nur nicht auf, sondern haben sich von Tunesien auf Algerien ausgebreitet. Aber nicht nur die Regierungen in Tunis und in Algier sind aufgeschreckt, auch einigen andere in der Region, inklusive Ägypten, können die Vorgänge getrost auf sich beziehen. Alle diese Länder haben etwas gemeinsam: die Masse der wütenden jungen Männer ohne Zukunftsperspektive - und deren Rückhalt in ihren ebenso frustrierten Familien.

Tatsächlich sieht man auf den Bilddokumenten aus Tunesien bei weitem nicht nur Jugendliche. Der Song des Rappers The General aka Hamad Ben-Amor, für den er vorige Woche verhaftet wurde - am Sonntag kam er wieder frei -, hatte den Titel "Präsident, dein Volk stirbt" .

Nach einer ersten Phase der Verleugnung der Tatsache, dass hinter dem Unmut reale Probleme stecken, hat der tunesische Informationsminister davon gesprochen, dass die "Botschaft verstanden" worden sei und Entwicklungspläne für die unruhigen Regionen vorbereitet würden. Präsident Zine al-Abidine Ben Ali machte in seiner Fernsehrede am Montag aber eher einen unbelehrbaren Eindruck.

Ob die Opferzahlen der tunesischen Regierung stimmen - 14 Tote bis Montag - oder die im Internet kursierenden - bis zu 50 -, ist von außen schwer zu beurteilen. Ben Ali sollte sich nicht in der Illusion wiegen, dass einem Regime wie seinem geglaubt wird. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

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