Was von Milliardenhilfe bleibt

10. Jänner 2011, 18:18
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Ein Jahr nach Beben kein Masterplan für Wiederaufbau

Ein Jahr nach dem Beben liegt Haiti noch in Trümmern, hunderttausende Menschen leben in Lagern und eine Seuche sucht das Land heim. Die Zustände werden massiv kritisiert.

Hauptpunkt der Kritik: Obwohl Milliarden Dollar gespendet wurden, sei erst ein kleiner Teil des Geldes ins Land gekommen. Umgerechnet 4,3 Milliarden Euro wurden den Menschen bereits im vergangenen März von den Staaten versprochen, 63 Prozent davon wurden ausbezahlt. Dazu kommen Mittel diverser Hilfsorganisationen, insgesamt sollen es zehn Milliarden Dollar sein. Ein Blick in die offiziellen UN-Zahlen zeigt aber, das "ausbezahlt" nicht gleichzeitig bedeutet, dass mit dem Geld etwas passiert.

  • Schuldenerlass: 1,1 Milliarden Dollar sind beispielsweise nachgelassene Schulden.
  • Budget Support: 233 Millionen Dollar fallen unter den Posten "budget support" - was die haitianische Regierung damit macht, ist deren Sache.

Für das Jahr 2010 waren so nur 1,5 Milliarden Dollar direkt für den Wiederaufbau vorgesehen - und selbst davon wurden nur 72 Prozent ausbezahlt.

  • Rückfluss: Dazu kommt Kritik, dass das Geld zurück in Geberländer fließt. Bei der US-Entwicklungshilfeagentur USAID sollen von 100 eingesetzten Dollar nur zwei haitianischen Unternehmen zugutekommen. "Das stimmt so nicht", heißt es aber bei USAID. Dabei würden nur die direkten Ausgaben betrachtet, tatsächlich hätten die meisten US-Firmen haitianische Subunternehmer. Dass die USA erst im November die ersten Gelder tatsächlich ausbezahlt hätten, sei mit dem politischen System erklärbar.

Bis heute fehlt ein Masterplan für den Wiederaufbau des Großraums Port-au-Prince. (moe, DER STANDARD-Printausgabe, 11.1.2011)

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