Riskante Finanzregion

Pleitewarnung für fünf EU-Staaten

10. Jänner 2011, 18:35

Spekulationen um Rettung: Am Mittwoch will Portugal die Märkte testen und neue Anleihen platzieren

Wien/Lissabon - Der Eiertanz um die Flucht Portugals unter den EU-Rettungsschirm ist voll in Gang gekommen. Die Risikoaufschläge für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen haben in den vergangenen Tagen ein neues Rekordhoch erreicht. Am Montag hat sich die Lage zwar wieder etwas beruhigt: Die EuropäischeZentralbank hat nach Angaben von Anlegern ihre Interventionen am Anleihenmarkt fortgesetzt und portugiesische Anleihen gekauft. Als Folge sind die Ausschläge nicht mehr wesentlich gestiegen.

Aber die absolute Mehrzahl der Analysten erwartet keine anhaltende Beruhigung in der Schuldenkrise. Ganz im Gegenteil: Portugal werde keine andere Wahl haben als in den kommenden Wochen oder Monaten unter den EU-Rettungsschirm zu schlüpfen, heißt es bei Deutsche Bank, Commerzbank, UniCredit, Raiffeisen International und der Citigroup auf Anfrage unisono. Auch für Griechenland und Irland gab es an den Märkten ein Auf und Ab, bevor Dublin und Athen schließlich ausländische Hilfe inAnspruch nehmen mussten.

Der erste große Test steht Lissabon am Mittwoch bevor. Portugal will dann Anleihen mit drei- und neunjähriger Laufzeit im Wert zwischen 750 Millionen und 1,25 Milliarden Euro verkaufen. Der portugiesische Staat muss 2011 18 Milliarden Euro am Markt refinanzieren. Hinzu kommen noch Zinszahlungen auf laufende Anleihen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro. Besonders im erstenHalbjahr kommen auf Portugal hohe Zahlungsverbindlichkeiten zu.

Hohe Refinanzierungskosten

Sollte die Anleihenauktion am Mittwoch scheitern, wird Lissabon umgehend Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Aber selbst wenn nicht, sind die Kosten für die Refinanzierung des Landes derzeit zu hoch. Um zehnjährige Anleihen verkaufen zu können, muss Portugal Investoren über sieben Prozent Zinsen bieten. Noch vor einem halben Jahr waren es nur fünfeinhalb Prozent gewesen.

Am Montag dementierten Paris, Berlin dennoch, dass eine Hilfsaktion bevorstehe. Beobachter erinnerten aber auch dieses Vorgehen an die Rettungsaktionen für Griechenland und Irland.

Das Vertrauen der Investoren in Portugal ist 2010 jedenfalls völlig erodiert. CMA, einer der wichtigsten privaten Anbieter von Kreditdaten, hat sich die Entwicklung der Risikoaufschläge angesehen. Verglichen wurde dabei die CDS-Werte. CDS geben Aufschluss darüber, wie hoch der Markt die Wahrscheinlichkeit der Pleite eines Schuldners bewertet.

Ergebnis:Europa ist die riskanteste Region der Welt. Unter den zehn Staaten mit der höchsten Ausfallswahrscheinlichkeit, finden sich gleich fünf EU-Länder. Neben Spanien, das ebenso wie Ungarn neu zu den Top Ten hinzugekommen ist, sind das Griechenland, Irland und Portugal. Die größte Verschlechterung der Werte hinnehmen musste im vergangenen Jahr aber Portugal. Auf Platz zwei in dieser Wertung liegt Belgien. Der belgische König Albert II. hat am Montag sicherheitshalber der amtierenden Regierung den Auftrag erteilt, 2011 stärker als bisher geplant zu sparen. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

Kommentar posten
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DPfand
00
11.1.2011, 12:48
Honorigkeit und Neutralität

bei Ratingagenturen anzunehmen, dass könnte leicht als Naivität ausgelegt werden. Die Ratings sind meist als Kettenhunde im Umkreis von Hedgefonds angesiedelt.
Diese Hitparade der Loser könnte als selbst inszenierte Prophezeiung durchgehen. Propheten sind sehr selten. Scharlatane - jede Menge...
VG

Silvio Lackner
13
11.1.2011, 12:29
Die Portugiesen selbst wären nie auf die Idee gekommen,

in diesem wahnwitzigen Ausmaß fremdfinanzierte Autobahnen in die Landschaft zu betonieren. Kroatien, Griechenland detto. Aber die Lissabon-Strategie, Wohlstand durch Wachstum und Investitonen (dieses abgelutschte Denken, auf das die EU gebaut ist) haben das heraufbeschworen. Und ihr toller Barroso. Jetzt müssen wir konsequenterweise dafür zahlen.

Anstelle eines Umdenkens regiert allerortens noch immer dieser Ungeist: Auch in Ö investieren Gemeinden auf Pump in Megaprojekte (zB. in die 789. Therme). Aber für die Müllabfuhr, den Ganztagskindergarten, sauberes Gratis - Trinkwasser als Lebensgrundlage, Altenpflege, oder eine anständige Mindestsicherung ist kein Geld da. Aber tolle x-spurige Autobahnen gibts.

R. M.
00
11.1.2011, 13:06
Was wollen Sie?

Bitte sauberes Trinkwasser ist sowas von null systemrelevant!
</Ironie>

Wachsender Widerstand
00
11.1.2011, 12:25
VERTRAUEN !!

das ist alles !
im heutigen schuldenwirrwar hat doch keiner mehr den durchblick, weill alles verschleiert wird.

sogenannte bad banks, ausgliederungen, etc. wurden erschaffen um die wahrheit zu verwässern.

nach der imobilienkriese in den usa haben die meisten fachleute gemeint, dass die selbe summe noch irgendwo schlummert.

durch refinanzierungstricks wurde das unvermeidliche hinausgezögert, aber es kommt, genau so wie es schon immer bei papiergeld geendet hat -> IMMER

es hat noch kein geldsystem überlebt, welches auf nicht mit edelmetallen gedeckter währung basierte ->
NOCH NIE !

und wer so schlau sein will und mit dem dollar daher kommt -> seit vietnam wurde die gold dollar bindung gelöst sonst wär der krieg aus gewesen.

Miminho
01
11.1.2011, 12:08
Realismus, geh wo

Weil der Rest der Welt is ja sooooooooooo sicher. Geh bitte, kommt's wieder runter. Diese Hysterie wird schoen langsam laecherlich.

flary
00
11.1.2011, 12:19

Ist zwar lächerlich, aber leider auch gefährlich, wenn die Hysterie so anhält wie bisher ...

angelvoices
14
11.1.2011, 11:37
finanziell ist Europa hoch riskant

dafür sozialpolitisch ein Paradies (und es hat sich schon herumgesprochen)...angesichts dieser Parradigmen ein Risiko für unsere Demokratie!

fischkopp
00
11.1.2011, 12:38

Bevor die Chinesen in den nächsten 20 Jahren ganz Europa übernommen haben, können wir die ja vielleicht auch noch von den einmaligen Segungen des Wohlfahrtstaates überzeugen, die sie dringend auch zu Hause brauchen. Ansonsten sprechen wir hier bald alle mandarin.

Wachsender Widerstand
00
11.1.2011, 12:06
erzählens das mal den sozis, dann...

werden die als hardcore capitalist hingestellt

Ketchup
07
11.1.2011, 11:19
Europa ist die riskanteste Region der Welt

da ist aber ganz sicher keine Hysterie dabei oder?

LOL

DPfand
00
11.1.2011, 13:32
Stimmt,

da fallen einem ganz andere Regionen ein *kicher*

Aber, zur Ehrenrettung sollte man anfügen, dass in den USA vor über 60 Jahren (außer an Militärakademien) der Geografieunterricht eingestellt wurde und auf der Insel es sich in entsprechenden Gesängen im Bierdunst verflüchtigt.
Da werden schon mal ganze Kontinente als nicht existent, weil "gestorben" angesehen. Legendär sind die amerik. Karikaturen über das Weltbild des eigenen Präsidenten...
:-)

Kontrahent1
11
11.1.2011, 11:26
Auch Österreich

war schon einmal Hochrisiko, weger des zuvor sosehr hochgelobten Ostengagements. Heute so, morgen so und inzwischen kommt es doch ganz anders. Interessant ist nur, daß genau dies durch die Einführung des Euro ja entfallen sollte.

Mawol
00
11.1.2011, 12:02
IWF-Rechenfehler

Die mehrere Wochen dauernde Einschätzung Österreichs als Pleitekandidat war aber auch zum Großteil peinlichen Fehlern in einem IWF-Report zu verdanken:
http://derstandard.at/124231589... chenfehler
Damals wär der Schilling sauber unter druck gekommen...

Kontrahent1
00
11.1.2011, 12:30
und sofort sahen sich einige 'Gurus'

bemüßigt, Kommentare zu Österreich anzusondern. Immobilienkrise oder Wirtschaftsaufschwung, dazu haben sich diese 'Fachleute' schön geschlossen gehalten.

Alien Nation
02
11.1.2011, 10:43
Guthaben weg Schulden noch da ;)

Das eine Radikalmassnahme dazu führt, dass das Guthaben sich in fast nichts oder nichts auflöst, durch eine Währungsreform in Kombination mit der vorher einhergehenden (Hyper-)Infaltion ist mir klar, aber warum bleiben die Schulden die Sie z.B. vorher hatten dann erhalten und sind von diesen Effekten nicht auch oder kaum betroffen? (Ich spreche hier nicht von Schulden ausserhalb des Währungsraumes sondern innerhalb, z.B. ein Dispo-Kredit von 3000 EURO). Hat da mal einer eine Erklärung für DUMMIES?

Wachsender Widerstand
00
11.1.2011, 12:08
weil die zinsen massiv ansteigen würden,...

und die kredite kaum jemand mehr bedienen könnte, dass ist das problem.

zudem ist ihr verdientes auch viel weniger wert, wenn sie überhaupt noch einen job haben.

buena1vista1
00
11.1.2011, 11:48
Also ...

ich bin zufrieden :-)

Meine Kreditrate ist ca. 15% gefallen, spare mir dadurch sehr, sehr viel :-) seit mehr als 1 Jahr sind die Zinsen gleichniedrig und nicht mehr gestiegen ...

Vor der Krise: Zinsen sind ca. alle 3 (!) Monate gestiegen!

publisher
01
11.1.2011, 11:24
Einseitige Korrekturen ...

In der Praxis ist es doch so, dass bei Guthaben die Zinsanpassungen eher schleppend durchgeführt werden: Hat man ein Sparbuch mit 1 % Verzinsung, so wird die Bank die Zinsen "vielleicht irgendwann" ein wenig erhöhen, wenn der allgemeine Zinssatz steigt. Am liebsten sind der Bank aber Fixzins-Einlagen, bei denen die Verzinsung immer gleich (niedrig) bleiben kann. Bei Schulden dagegen sehen die Banken sehr genau darauf, dass "Fixzinsen" möglichst nicht vereinbart werden können - und sollte es mal zu einer Hyperinflation kommen, dann berappt der Kunde eben seine 500 % Zinsen oder noch mehr. Die Bank sitzt am längeren Hebel und der Kunde muß ja ohnehin zu allen Vertragsbedingungen "ja und amen" sagen, wenn er überhaupt etwas haben will ...

natoll
00
11.1.2011, 10:58

naja, bei einer inflation sinkt auch der "wert" deiner schulden.
aber verschwinden werden sie nicht (ausser jemand erlässt sie). auch nicht durch die pleite einer bank, denn irgendjemand wird die bank mitsamt deinen schulden aufkaufen. nur eine frage des preises.

dj juan
16
11.1.2011, 10:42
Pöse Pleitestaaten

Wie liegt Österreich eigentlich wirklich, wenn man zur Verschuldung des Bundes

die Schulden der Länder
die Schulden der Gemeinden
die Schulden der Asfinag
die Schulden der ÖBB
die Schulden der Versicherungsträger
etc.

dazurechnet?

isodora
14
11.1.2011, 11:11
Beim doppelten Maastricht-Wert, also zur Zeit in etwa

wie Griechenland und Italien beim Eintritt in den Euro als Landeswährung.
Bei diesen waren´s etwa 120% der jeweiligen Bruttosozialprodukte.
Wobei natürlich Italien eine noch weit extensivere Schattenwirtschaft hat als Österreich, etwa 30-40% des BIPs.
(Bedingt auch wahrscheinlich wesentlich dadurch, dass die Italiener ihre Steuern nicht direkt abführen beim Monatslohn, sondern im Rahmen von jährlichen Steuererklärungen, so weit ich weiss. Da bleibt dann doch eine erhebliche Bewegungsfreiheit, denke ich).
Wie das die Giechen handhaben, ist mir nicht bekannt.

Ist die Frage, wie sehr die EU tatsächlich darauf drängt, Österreich zu veranlassen, diese Zahl zu publizieren.
Immerhin sind wir doch ein kleiner aber feiner Netto-Zahler.

Hannes Launer
02
11.1.2011, 10:59

Die Verschuldung der Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger sind bei der Gesamtschuldenquote schon einbezogen. Die Schulden von Asfinag und ÖBB jedoch nicht, was zum Teil zur Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen EU Staaten auch sinnvoll ist (in vielen Staaten sind die Autobahnen privatisiert).

Hannes Launer
00
11.1.2011, 11:41

Danke, diese Quelle belegt genau meine Aussagen.

unbequem
1213
11.1.2011, 09:21
Es wird Zeit...

das sinkende Schiff zu verlassen..
Da die EU-Kommission aber auch das EU-Parlament bewiesen haben , dass sie ihreen Eigenen Grundsätzen und Verträgen weder gercht werden noch sich an diese halten, darf die Frage gestellt werden ob man diesem "Verein" eigentlich noch angehören will.
Moralisch ist eine weitere EU-Mitgliedschaft als verwerflich zu beurteilen ! Wer will schon einem Club der Vertragsbrecher, Leistungserschleicher und Beitrittsbetrüger angehören außer er erfüllt all diese Eigenschaften auch selbst!, Tut das Österreich vor allem will das die Mehrheit der Österreicher?
Diese Frage sollte der Bevölkerung vorgelegt werden!

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