Bauer sucht Stau

Die Chance, endlich den maroden öffentlichen Verkehr in und rund um Linz zu sanieren, ist vertan

Wer braucht bitte noch das Goldene Ehrenzeichen des Landes Oberösterreichs? Künftig wird der „Goldene Westring" verliehen. Potenzielle Träger sollten vor allem Verfechter aberwitzig teurer Autobahnprojekte sein. Eine starke Aversion gegen einen Öffi-Ausbau kann nur von Nutzen sein. Dazu noch 80 Millionen Euro ans Infrastrukturministerium - und schon gehört die fragwürdige Auszeichnung so gut wie Ihnen.

Eine Donaubrücke, ein Tunnel - vom großen Prestigeprojekt A26 ist nicht mehr viel übrig geblieben. Und den heute vielbeklagten Stau wird es auch morgen geben - wenn auch verlagert, was aber zumindest stauerprobten Autofahrern für eine gewisse Zeit eine neue Sicht der Dinge bescheren wird. Die Chance, endlich den maroden öffentlichen Verkehr in und rund um Linz zu sanieren, ist vertan.

Und man war vonseiten der Politik zu feige, klare Worte in Richtung Pendler zu finden. Denn nur bedingt ist einzusehen, dass jene, die am lautesten nach dem Westring schreien, zu einem großen Teil an ihrem Wohnort von der Autobahn nicht betroffen sein werden. Wer ins Mühlviertel zieht, bevorzugt die schöne Landschaft, die gute Luft, die deutlich günstigeren Baugründe - die Distanz zur Stadt. Dennoch das tägliche Brot in Linz zu verdienen inkludiert einen längeren Anfahrtsweg. Das wird nicht immer vierspurig zu bewältigen sein. Darum gilt es zu erkennen: Nicht jeder Misthaufen braucht einen Autobahnanschluss. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2011)

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